Fan-Rückkehr zum Bundesliga-Start? Markus Söder macht wenig Hoffnung

Zuschauer beim Bundesliga-Start? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist bei dieser Frage "außerordentlich skeptisch". Im Laufe der Saison könnte die Situation anders aussehen. Kritik gibt es für Protest-Auftritte von Ex-Nationalspielern.
| dpa/AZ
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Der bekennende Fußball-Fan Markus Söder (CSU) kann sich kaum vorstellen, dass zum Saisonstart der Bundesliga Zuschauer in die Stadien dürfen.
Nicolas Armer/dpa Der bekennende Fußball-Fan Markus Söder (CSU) kann sich kaum vorstellen, dass zum Saisonstart der Bundesliga Zuschauer in die Stadien dürfen.

Nürnberg - Der FC Bayern muss sich bei der erhofften Rückkehr von Zuschauern weiter gedulden. Ministerpräsident Markus Söder (CSU) rechnet nicht damit, dass zum Saisonstart der Fußball-Bundesliga in einem Monat wieder vor Publikum gespielt werden kann. "Ich habe mich sehr für den Start von Geisterspielen eingesetzt, das läuft auch hervorragend. Aber bei vollen Stadien zum Bundesliga-Start bin ich außerordentlich skeptisch. Ich kann es mir derzeit nicht vorstellen", sagte Bayerns Ministerpräsident am Montag in Nürnberg. "Ich kann mir vielleicht im Laufe der Saison, aber nicht zum Bundesliga-Start volle Stadien vorstellen."

Karl-Heinz Rummenigge hatte zuletzt Hoffnung auf eine "gewisse Anzahl von Fans" in der Allianz Arena zum Saisonstart geäußert. Wie der Vorstandschef des FC Bayern wünscht sich auch Stefan Reuter, Geschäftsführer des FC Augsburg, eine baldige Rückkehr von Anhängern. "Wir hoffen, dass schrittweise in dieser Saison wieder Zuschauer in den Stadien zugelassen werden", sagte Reuter. Beide wiesen auch darauf hin, dass dafür die Rahmenbedingungen in der Coronavirus-Pandemie passen müssten.

Söder: Fan-Rückkehr hätte "verheerende Signalwirkung"

Das ist nach Ansicht von Söder noch nicht der Fall, zumal auch die gesellschaftliche Gesamtsituation betrachtet werden muss. "Es ist auch nicht klug, wenn wir Schulstart haben, wenn wir beginnenden Herbst haben, zu überlegen, dass wir dann zusätzlich 20.000, 25.000 Leute in den Stadien haben", sagte Söder. "Es hätte aber auch eine verheerende Signalwirkung an die Öffentlichkeit. Sowohl was Kapazitäten im Medizinischen betrifft als auch gegenüber kulturellen Veranstaltungen."

Die Bundesliga startet am dritten September-Wochenende in die neue Saison. Das Konzept der Deutschen Fußball Liga (DFL) für eine mögliche Rückkehr sieht eine zunächst reduzierte Rückkehr der Fans ohne Stehplätze, ohne Alkohol und ohne Gästefans vor. Tickets sollen nur personalisiert vergeben werden. Damit soll das Infektionsrisiko in der Corona-Pandemie verringert werden. Das DFL-Konzept hatte Anerkennung bekommen, es hatte aber auch Kritik und Zweifel gegeben.

Ärzteverband warnt vor Massenansteckungen

"Ich bin der Meinung, man muss ihnen jetzt die Chance geben, diese Sache zu erproben", sagte Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) im ARD-Mittagsmagazin. Der Ärzteverband Marburger Bund warnte dagegen vor einer Fan-Rückkehr. "Die Gefahr von Massenansteckungen wäre real", sagte die Vorsitzende des Marburger Bundes, Susanne Johna, der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (NOZ).

Söder erinnerte nach einer außerplanmäßigen Videokonferenz seines Kabinetts am Montag an die kontroversen Diskussionen vor dem Start der Geisterspiele, auch über die "Frage von Coronagerechtigkeit". Söder traut Spitzenclubs wie dem FC Bayern oder Borussia Dortmund die Umsetzung spezieller Konzepte zu, aber andere Vereine könnten damit möglicherweise mehr Schwierigkeiten haben. "Ich bleibe einfach grundlegend skeptisch, obwohl ich ein großer Fußball-Fan bin", sagte der 53-Jährige.

Söder sieht umstrittenen Berthold-Auftritt kritisch

Bis Oktober gebe es das Gebot von Großveranstaltungen, daran sollten sich jetzt auch alle halten, sagte Söder. "Ich halte es für ein schlechtes Signal, Veranstaltungen mit Zehntausenden von Menschen zu erlauben, besonders nur dem Fußball." In der letzten August-Woche werde er versuchen, in Abstimmung mit dem Bund eine Ministerpräsidentenkonferenz zum Thema Bundesliga abzuhalten, kündigte der CSU-Chef an.

Söder warnte nach dem umstrittenen Auftritt von Ex-Weltmeister Thomas Berthold auch vor den Folgen solcher Aktionen. "Wenn sogar ehemalige Nationalspieler sich irgendwelchen absurden Diskussionen anschließen, hat das übrigens auch eine ganz verheerende Wirkung. Was hat das für eine Wirkung auf Fußballfans, wenn ehemalige Fußball-Nationalspieler plötzlich dazu aufrufen, weder Masken zu tragen, noch Abstand zu halten?", sagte der CSU-Politiker.

Namentlich nannte Söder den ehemaligen Fußballprofi Berthold nicht. Der 55-jährige Berthold hatte am Samstag bei einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Stuttgart eine Rede gehalten und die Maßnahmen unter anderem als "völlig überzogen" bezeichnet.

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