Fall Müller: Löw kontra Hoeneß

Im Disput um die geplante Länderspiel-Nominierung von Bayern-Ass Müller legt Löw nach: "Es ist wichtiger Teil unserer Philosophie, gerade junge, hochtalentierte Spieler frühzeitig zu integrieren."
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MÜNCHEN - Im Disput um die geplante Länderspiel-Nominierung von Bayern-Ass Müller legt Löw nach: "Es ist wichtiger Teil unserer Philosophie, gerade junge, hochtalentierte Spieler frühzeitig zu integrieren."

München (dpa/lby) – Im Disput um die geplante Länderspiel-Berufung von Saison-Aufsteiger Thomas Müller lässt sich Bundestrainer Joachim Löw auch von Uli Hoeneß nicht einschüchtern. Löw wies am Montag die Einwände des Bayern-Managers gegen die geplante Einladung des 20 Jahren alten Saison-Aufsteigers zu den Test-Länderspielen gegen Chile und Ägypten in November unaufgeregt und betont sachlich zurück. Der DFB-Chefcoach verwies in verschiedenen Medien auf „sehr jung“ zu Fußball-Nationalspielern aufgestiegene Akteure wie die namentlich genannten Lionel Messi (Argentinien), Wayne Rooney (England), Lukas Podolski, Bastian Schweinsteiger, Philipp Lahm, Per Mertesacker und seit neuestem den Bremer Mesut Özil (21), „der in kürzester Zeit für unsere Mannschaft sehr wertvoll geworden ist“.

Pelé debütierte sogar mit 16, ebenso Diego Armando Maradona. Brasiliens WM-Torschützenkönig Ronaldo war beim ersten Mal ebenso zarte 17 wie Deutschlands Ehrenspielführer Uwe Seeler. „Es ist wichtiger Teil unserer Philosophie, gerade junge, hochtalentierte Spieler frühzeitig zu integrieren“, betonte Löw im „kicker“. Und über Bayerns Jungstar Müller äußerte er in der „Bild“: „Thomas Müller macht auf mich einen sehr abgeklärten und bodenständigen Eindruck. Ich bin angetan von seiner Reife und seiner Torgefährlichkeit.“

Müllers drittes Saisontor in der Bundesliga sah Löw am Samstag live in Freiburg. Außerdem hat der 20-Jährige zwei von drei Bayern- Treffer in der Champions League erzielt. Trotzdem tat Hoeneß den Medien-Rummel um Müller als „Käse“ ab. „Die Nationalmannschaft ist gut genug, um ohne Thomas Müller eine WM zu bestreiten“, äußerte der Weltmeister von 1974, der einst selbst mit 20 Jahren im DFB-Team debütierte. Wenn schon, so Hoeneß, sei es „okay“, wenn der schnelle Offensivspieler „vier Wochen vor der WM“ zur Nationalelf käme. Nach gerade einmal 13 Liga-Einsätzen käme eine Berufung zu früh. Der Berliner Arne Friedrich machte sein erstes Länderspiel 2002 nach nur zwei Bundesliga-Spielen.

Löw aber denkt perspektivisch. Er will nach der erfolgreichen Qualifikation für die WM 2010 in Südafrika die Testspiele im November gerade auch zu Experimenten mit Talenten wie Müller nutzen. „Ich möchte ganz bewusst einige junge Spieler sehen und schauen, was für Möglichkeiten sie haben und ob man ihnen ein Turnier zutrauen kann“, sagte der Bundestrainer. Trotzdem nahm er ein wenig Zündstoff aus der Debatte, indem er verkündete, Müllers Einladung sei noch nicht beschlossene Sache: „Wir werden schon noch abwarten, was bis November passiert.“ Ansprechpartner im Fall Müller bei Bayern ist für Löw aber nicht Hoeneß, sondern der Trainer. „Ich werde auch noch einmal das Gespräch mit Louis van Gaal suchen“, sagte Löw. Müller selbst bleibt in punkto Nationalelf zurückhaltend, aber Löws Lob begreift er als Ansporn. „Ich freue mich sehr über so eine Wertschätzung“, sagte der U 21-Nationalspieler. Er werde sich weiter voll auf seinen Job beim FC Bayern konzentrieren, „alles, was als Zubrot kommt, nehme ich dann gerne mit“.

Hoeneß' Aufregung im Fall Müller war wohl vor allem ein Ventil für den allgemeinen Unmut des Managers über die Länderspiel-Abstellungen und eine schon jetzt zu große Bedeutung der WM 2010. Bayern-Star Franck Ribéry reiste zuletzt sogar verletzt zur französischen Nationalelf, Ivica Olic erlitt beim Training der Kroaten einen Muskelbündelriss – und der Argentinier Martin Demichelis war erst am Tag vor dem Freiburg-Spiel erschöpft aus Südamerika zurückgekehrt. „Die Liga spielt nicht mehr die zweite, sondern die 98. Rolle“, hatte Hoeneß in Freiburg geschimpft. Trotz Abstellungspflicht der Clubs will er die Länderspiele bei der nächsten Mitgliederversammlung der Deutschen Fußball Liga (DFL) am 10. November in Frankfurt zum großen Thema machen. „Ich werde beim DFB beantragen, dass sich die Vereine das nicht mehr gefallen lassen. Denn so geht die Bundesliga kaputt. Es kann doch zum Beispiel nicht sein, dass jetzt, wo es keine Qualifikationsspiele mehr gibt, so alberne Länderspiele gegen Chile und Ägypten stattfinden und die Nationalspieler dafür abgezogen werden“, wetterte Hoeneß.

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