Es kracht beim FC Bayern - "Ü wie überheblich"

0:2 beim Nachzügler, die zweite Niederlage in der laufenden Meisterschaft, düpiert von den Cottbus-Nobodys: Jetzt rechnet Kapitän Oliver Kahn mit den laschen Bayern ab. Und der Trainer deutet das Ende der Schmuse-Rotation an.
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Luca in der Lausitz: Es war kein Festtag für die Bayern-Stars, Stürmer Toni hatte nicht eine Torchance.
M.i.S. Luca in der Lausitz: Es war kein Festtag für die Bayern-Stars, Stürmer Toni hatte nicht eine Torchance.

0:2 beim Nachzügler, die zweite Niederlage in der laufenden Meisterschaft, düpiert von den Cottbus-Nobodys: Jetzt rechnet Kapitän Oliver Kahn mit den laschen Bayern ab. Und der Trainer deutet das Ende der Schmuse-Rotation an.

Frei erfunden? Oder gar ein Traum? Den Cottbusern kam es jedenfalls so vor. „Das war wie im Märchen“, sagte Energie-Manager Steffen Heidrich. Der 2:0-Sieg gegen den FC Bayern hatte in der Tat etwas Fabelhaftes. Mit der klassischen Ausgangslage: Letzter gegen Erster, der David der Liga gegen die Übermächtigen. Läppische 23,5 Millionen Euro Marktwert gegen 240,3 – also mehr als das Zehnfache.

Noch ’ne Zahl? Die Lausitzer haben vor und während der Saison 3,25 Millionen Euro, die Bayern 79 (jeweils laut „transfermarkt. de“) in neue Spieler investiert. Der Cottbuser Held des Tages war gar ablösefrei, ein echtes Energie-Sparmodell. Branko Jelic (30) kickte in China bei Xiamen Lanshi, wurde in der Winterpause verpflichtet. Er düpierte die Bayern mit zwei lässig erzielten Toren (19./38.) und freute sich: „Wenn wir den Klassenerhalt schaffen, waren das die beiden wichtigsten Treffer in meiner Karriere.“

Klare Ansage, klare Anklage

Eben. Denn Cottbus kämpft weiter ums Überleben in der Liga. Was Bayern-Kapitän Oliver Kahn sarkastisch werden ließ: „Wir hatten auch etwas mit Ü in unserem Spiel: Überheblichkeit.“ Klare Ansage, klare Anklage.

Und das mit Recht. Die Bayern kickten so, als müssten sie nur das 5:0 aus der Hinrunde über die Zeit bringen – und erreichten einen einmaligen Rekordwert: Ganze zwei Torschüsse in 90 Minuten. Einer davon war der lasche Elfmeter von Franck Ribéry („Ich mache mir große Vorwürfe“), gehalten von Gerhard Tremmel, der in der Jugend im Alter von neun bis 12 Jahren beim FC Bayern lernte.

"Die Bayern haben sich nicht wirklich gewehrt"

Wann er denn am Samstag gemerkt habe, dass die Bayern zu packen seien, wurde der Ex-Hachinger (1992-2002) im „ZDF-Sportstudio“ gefragt. „Nach fünf Minuten. Die Bayern haben sich nicht wirklich gewehrt“, antwortete Tremmel und erklärte: „Sie hatten gegen Anderlecht verloren, mussten dann in den Osten fahren. Da will sowieso keiner hin, in unser kleines Stadion – die Bayern schon gar nicht.“

Bingo. „Wir haben gedacht, es geht von alleine“, sagte Miroslav Klose. Der Cottbuser Erwin Skela meinte: „Sie haben uns unterschätzt. Die haben gedacht, wir können nicht spielen.“ Ü wie überrascht.

Und Ü wie Übermut. „Offensichtlich scheinen sich unsere Spieler noch nicht an die Höhenluft in der Tabelle gewöhnt zu haben“, stellte Manager Uli Hoeneß fest und nannte den Sieg der No-Names „verdient“, mit dem Zusatz: „Das sagt alles.“

Es kracht beim FC Bayern

Es war aber längst nicht alles. „Wir sind ziemlich sauer“, sagte Hoeneß. Es kracht beim FC Bayern, nicht zuletzt nach der Positionsverweigerung von Martin Demichelis samt Suspendierung für die Cottbus- Partie (siehe nächste Seite). Es war zwar erst die dritte Niederlage im 41. (!) Pflichtspiel der Saison, doch nach dem 1:2 gegen Anderlecht die zweite Pleite in Serie.

„Einige Spieler haben wohl gedacht, es läuft von allein und es wird ein Spaziergang zur Meisterschaft“, bemängelte Hitzfeld. Die Konsequenzen: „Ich werde keine Zugeständnisse mehr machen und knallhart nach Leistung aufstellen.“ Was wohl das Ende der Schmuse-Rotation bedeutet.

„Ein Vorsprung tut uns nicht gut“, sagte Kahn. Ist der Titel in Gefahr? „Ach“, lachte Kahn, „da mache ich mir keine Sorgen.“ Ha! Nun hatte Kahn Märchenstunde.

Patrick Strasser, Franz Meier

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