Endlich Spannung: Warum der FC Bayern auf den BVB aufpassen muss
Bayern-Boss Jan-Christian Dreesen ist selbst passionierter Jäger, er weiß also genau, wovon er spricht. "Da sind wir völlig entspannt, es ist doch herrlich", sagte Dreesen beim Wiesn-Besuch der Münchner mit Blick auf die zwei Punkte Rückstand in der Bundesliga auf Borussia Dortmund: "Da schreiben ja immer alle, dass die Liga langweilig wäre, das kann ich nicht erkennen. Wir sind der Verfolger von Dortmund - und werden sie dann schon jagen."

Bayerns Gelassenheit trotz Dortmunder Blitzstart
Das bayerische Jagdfieber. Endlich herrscht wieder Spannung in der Bundesliga! Der BVB hat sich unter Ex-Bayern-Coach Niko Kovac stabilisiert, spielt selten schön, dafür aber effektiv. Alle vier Spiele in der Liga wurden bisher gewonnen. Die Münchner bleiben dennoch gelassen. "Man muss die Relation sehen. Wir haben jetzt 14 Tore geschossen in vier Spielen und nur zwei bekommen. Das 0:0 in Schalke – sowas kann immer mal passieren. Auch da waren wir die dominierende Mannschaft", sagte Präsident Herbert Hainer: "Entscheidend ist die Art und Weise, wie die Mannschaft spielt, wie begeisternd die Fußballspiele sind. Ich würde fast schon sagen: Es ist geil anzusehen! Das ist schon toll. Und abgerechnet wird zum Schluss. Da wollen wir natürlich vorne stehen."

Noch ist ja nichts passiert, die Saison ist ganz am Anfang. Ende Oktober gastiert Dortmund in München. Spätestens dann sollen die Machtverhältnisse im deutschen Fußball auch tabellarisch wieder zurechtgerückt werden. Und beim Kantersieg gegen Union Berlin zeigte sich die Offensive um die überragenden Michael Olise und Harry Kane schon wieder in Bestform. Zudem ist Jamal Musiala nach seinen gesundheitlichen Problemen auf dem Weg zu alter Stärke. "Wenn man 7:0 gewinnt, ist alles okay", sagte Ehrenpräsident Uli Hoeneß. Und Hainer schwärmte: "Ich habe am Freitag den alten Jamal Musiala gesehen."

Dortmunds neue Stabilität und kluge Kaderplanung
Und doch spricht derzeit einiges dafür, dass es einen echten Meisterkampf gibt. In Dortmund herrscht aktuell Ruhe im Umfeld, mit Ole Book hat der Klub einen gut vernetzten Sportdirektor verpflichtet. Die Transfers im Sommer saßen, wenngleich die Verletzung von Neuzugang Giannis Konstantelias (Kreuzbandriss) schmerzt. "Wir sollten nicht schon auf den Mai gucken", mahnte Book nach dem bestandenen Härtetest beim VfB Stuttgart. Der BVB gewann das Topspiel mit 1:0. Schließlich, fügte er lachend an, kenne er "zumindest eine Mannschaft in Deutschland, die auch gewisse Ansprüche auf den Titel hat".

Der FC Bayern aber ist aktuell nur Zweiter - und der BVB nach 1212 ewig langen Tagen: Tabellenführer. Nach dem Sieg in Stuttgart ist das Dortmunder Selbstvertrauen riesig. Das Ganze sei erst mal "nur eine Momentaufnahme", sagte Sport-Geschäftsführer Lars Ricken zwar, "aber wir brauchen keinen Hehl daraus machen, dass sich das ganz gut anfühlt". Insgesamt ist der Dortmund-Kader breit und gut aufgestellt, vorne treffen Serhou Guirassy und Fabio Silva zuverlässig. Und hinten hat der BVB mit Gregor Kobel einen der besten Torhüter der Liga. Das ist ein Mix, der Dortmund gefährlich macht - auch für den FC Bayern.
Bayerns Anspruch bleibt die Nummer eins
Aber klar: Die Münchner sehen sich selbst weiter als Nummer eins. "Wenn wir auf dem Top-Niveau spielen, ist es schwer, uns zu halten", sagte Sportvorstand Max Eberl nach dem Union-Triumph, der am Wochenende ausgiebig auf dem Oktoberfest gefeiert wurde. Einige Spieler - wie etwa Tom Bischof am Sonntagabend im Schützen-Festzelt mit Freundin Josefine Scholl - hingen an den offiziellen Mannschaftsausflug am Nachmittag noch eine private Runde dran. Jetzt geht es erst mal zu den Nationalmannschaften - und dann beginnt die Dortmund-Jagd.

