Durch zwei Trümpfe zu mehr Geld? Mit Laimer droht Bayern ein zäher Vertragspoker

Wer in Bergamo hoch hinaus will, in die Città Alta, die Oberstadt, der muss gut zu Fuß sein. Und laufen, viel laufen. Kopfsteinpflaster. Zum Glück gibt es die Standseilbahn. Schon seit mehr als 120 Jahren verbindet "Il Funicolare" die Unterstadt von Bergamo mit der Oberstadt. Oben angekommen, befindet man sich auf der Piazza Mercato delle Scarpe. Der Name sagt es: Auf diesem Platz wurden im 15. Jahrhundert Schuhe (Scarpe) verkauft, der gegenüberliegende Palast, heute der Bahnhof der Standseilbahn, war Sitz der Schuhmacherzunft. Hier herrschte reger Handel.
Konrad Laimer ist gut zu Fuß, er läuft und läuft. Was nicht nur an seinen Schuhen, sondern auch an seiner Physis und seinem Willen liegt. Er läuft den Platz rauf und runter. Das macht ihn wertvoll, das macht ihn teuer. Der Handel hat begonnen. Hier, an Ort und Stelle des Champions-League-Achtelfinalhinspiels des FC Bayern bei Atalanta Bergamo, wird der Handel um seine Zukunft nicht abgeschlossen. Es geht um den nächsten Vertrag des Österreichers, dessen aktuelles Arbeitspapier im Juni 2027 ausläuft.
Bereits Thomas Müller sprach von einem "Konny-Laimer-Feeling"
Doch die Sterne stehen gerade günstig für den Allrounder, der im Sommer 2023 als Sechser ablösefrei von RB Leipzig nach München kam und sich mittlerweile in der Startelf als Rechtsverteidiger unverzichtbar gemacht hat. Wenn es sein muss, dann tauscht Laimer – manchmal auch mitten im Spiel – die Seiten und verteidigt links. Auch kein Problem. Seine Flexibilität, seine Anpassungsfähigkeit und sein Spielverständnis machen ihn doppelt wertvoll.
Im Frühjahr 2024 sprach Thomas Müller nach dem Weiterkommen in der Champions League gegen den FC Arsenal vom "Konny-Laimer-Feeling", weil dieser "den Ödegaard wie einen Hund gejagt hat". Teamplayer Laimer ist kein Weg zu weit, keine Grätsche zu viel. Konny, der Dauer(b-)renner.
Laimer soll beim FC Bayern bleiben, will aber mehr Geld
Für seine konstant guten bis sehr guten Leistungen möchte Laimer in Zukunft besser entlohnt werden. Ende Mai wird er 28, es dürfte sein letzter und wohl dickster Vertrag werden. Laimers Berater, die in Grünwald ansässige Agentur "ROOF", die auch die Bayern-Profis Serge Gnabry, Leon Goretzka und Jonas Urbig betreut, weiß, was ihr Klient wert ist. Und sie kennen sämtliche Gehälter.
Gnabry hat im Februar zu leistungsbezogenerem Salär bis 2028 verlängert, die Wege von Goretzka und Bayern trennen sich nach Saisonende. Beides verlief – anders als der zähe Poker im Fall der Vertragsverlängerung von Dayot Upamecano – relativ geräuschlos. Nun auch bei Laimer? Nein.
"Wir würden gerne mit Konny verlängern. Gespräche gab es, momentan ruht's", sagte Bayerns Sportvorstand Max Eberl am Montag vor der Abreise nach Norditalien und erklärte: "Man hat Vorstellungen, wir haben Vorstellungen, die müssen zusammenpassen in irgendeiner Art und Weise. Das tun sie momentan nicht, aber das ist auch nicht schlimm."
Laimer hat zwei Trümpfe in der Hand
Klingt nach harten Verhandlungen. Laimer und seine Berater haben zwei Trümpfe in der Hand. Erstens: Uli Hoeneß, der Vereinspatron, schätzt Laimer und seine Spielweise. Wie früher bei Hasan Salihamidžić. Wer rennt und grätscht, wer sich aufopfert, der hat bei Hoeneß einen Stein im Brett. Zweitens: Bayerns kostspieligen Vertragsverlängerungen der letzten 13 Monate (Jamal Musiala, Joshua Kimmich, Alphonso Davies und zuletzt Upamecano) samt happiger Unterschriftsboni haben einen gewissen finanziellen Spielraum bei Verlängerungen aufgezeigt. Auch, weil im Sommer 2025 Topverdiener wie Thomas Müller (nach Vertragsende ablösefrei zu den Vancouver Whitecaps), Kingsley Coman (für rund 30 Millionen Euro Ablöse zu Al-Nassr in Saudi-Arabien) sowie Leroy Sané (nach Vertragsende ablösefrei zu Galatasaray Istanbul) von der Gehaltsliste gestrichen wurden.
Aber was wird aus Kapitän und Torhüter Manuel Neuer (39)? Hat dessen Entscheidung über eine Fortsetzung seiner Karriere für eine weitere Saison Einfluss auf die Verhandlungsstrategie der Bosse im Fall Laimer?
Das Ganze könnte sich ziehen. Wie der Fußweg in die Città Alta von Bergamo.