Die WM-Nacht der Superstars: Olise mittendrin im Konzert mit den Größten der Welt

Messi brilliert bei Rekord-Show, als würde das Alter für ihn nicht gelten. Olise und Mbappé empfehlen sich als kongeniales Franzosen-Duo und Norwegens Haaland macht einfach das, was er am besten kann.
von  Ruben Stark
Kongeniales Offensiv-Duo: Michael Olise und Kylian Mbappé zauberten beim Frankreich-Sieg gegen den Senegal ordentlich auf.
Kongeniales Offensiv-Duo: Michael Olise und Kylian Mbappé zauberten beim Frankreich-Sieg gegen den Senegal ordentlich auf. © IMAGO/JOHN ANGELILLO

Sollte jemand daran gezweifelt haben, dass dieser Lionel Messi auch vier Jahre nach dem Titelgewinn noch WM-Spektakel kann, dann dürfte dieser Dienstagabend in Kansas City als Gegenargument genügen. Für den argentinischen Superdribbler gilt eher: Je oller, desto doller.

Mit 38 Jahren lieferte er beim WM-Auftakt der Albiceleste gegen Algerien (3:0) im Arrowhead Stadium, dort, wo sonst die Genialität von Chiefs-Quarterback Patrick Mahomes zu bestaunen ist, eine Soloshow, die selbst für Messi(as) Maßstäbe besonders gewesen ist und die in einer Nacht der Stars noch herausstach.

Ein Dreierpack im 200. Länderspiel bei seiner sechsten WM-Teilnahme, irre! Außerdem wird Miroslav Kloses Mutmaßung womöglich schneller wahr, als der einstige DFB-Torjäger selbst dachte. Mit dem Treffer zum Endstand gegen die Wüstenfüchse egalisierte Messi die 16-Tore-Bestmarke des Rio-Weltmeisters.

Klose gönnt Messi den WM-Rekord

"Ich rechne damit, dass mein Rekord in diesem Turnier fällt", hatte der aktuelle Trainer des 1. FC Nürnberg vor dem Start der WM der "SZ" gesagt: "Der Rekord wird sowieso irgendwann geknackt, und dann darf das gerne Messi machen. Ich bin ein großer Fan, schon immer gewesen. Messi ist ein Genie."

"Unglaublich", sagte Ex-Bayern-Profi David Alaba dementsprechend zu Messis Wunderwerk der Fußball-Kunst in der 17., 60. und 76. Minute. Der Kapitän der Österreicher fand, dass der Argentinier in die WM "gleich wieder mit einem Hattrick startet, ist Wahnsinn. Gott sei Dank hat er das heute gemacht und - hoffen wir - nicht nächste Woche". Denn dann muss die Alpenrepublik am Montag in Dallas (19 Uhr) ein Mittel finden, um Messi zu stoppen oder wenigstens etwas einzubremsen.

"Was soll ich sagen? Er ist unglaublich. Er macht das schon seit 20 Jahren. Jeder im Fußball will ihn sehen und genießt es", kommentierte Lionel Scaloni, der Coach des Titelverteidigers.

Argentinien-Superstar Messi hätte vom Platz fliegen müssen

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Messis Spektakel am seidenen Faden hing. In der 31. Minute trat er seinem algerischen Gegenspieler Aissa Mandi von hinten in Wade und Achillessehne.

"Für mich ist das eine Rote Karte, sagte der frühere Bundesliga-Schiedsrichter Patrick Ittrich bei MagentaTV. Ittrich sah zwei von drei Kriterien für Rot gegeben: Messi hatte "nullkommanull" die Chance, an den Ball zu kommen, und das Trefferbild habe "übel" ausgesehen. "Das Einzige, was fehlt, ist die Dynamik", sagte der 47-Jährige. Deswegen habe sich wohl auch der Videoassistent nicht bei Schiedsrichter Szymon Marciniak (Polen) gemeldet.

Andernfalls hätten die Leistungen von Bayern-Star Michael Olise, Kylian Mbappé oder Erling Haaland wohl noch mehr Bewunderung erfahren. Wobei Haaland weniger Glanzpunkte setzte, sondern einfach machte, was Torjäger eben so machen: am richtigen Ort zur richtigen Zeit aufzutauchen. Denn der Top-Star von Manchester City und seine hoch gehandelten Norweger hatten doch einige Mühe mit den Irakern, obwohl das 4:1 letztlich nach einer klaren Sache aussieht. Haaland drückte einmal den Ball über die Linie (29.) und wurde bei seinem zweiten Treffer von Iraks Torhüter (43.) angeschossen.

Da war es doch wesentlich schillernder, was der von Real Madrid umworbene Olise und Mbappé, der Torjäger der Königlichen, in der zweiten Halbzeit des 3:1 gegen aufmüpfige Senegalesen mit dem überzeugenden Nicolas Jackson veranstalteten. Mon Dieu, war das gut!

Olise und Mbappé als kongeniales Frankreich-Duo

Womöglich hatte der australische Schiedsrichter Alireza Faghani Mbappé gereizt, als dieser trotz VAR-Zuhilfenahme einen klaren Foulelfmeter (58.) verweigerte. "Das ist für mich ein absolutes Rätsel, ja skandalös", sagte dazu Rio-Weltmeister Thomas Müller als Magenta-TV-Experte empört.

Mbappé winkte ab und ließ Taten sprechen, als der raketenschnelle Stürmer ein Traumzuspiel von Olise zum 1:0 (66.) verlängerte. "Er ist aktuell der magische Spieler. Er ist das Zünglein an der Waage", urteilte Müller. Beim 3:1-Schlusspunkt (90.+6) tat es dann ein Kurzpass des bayerischen Flügelzauberers auf Mbappé, weil der sich rasch drehte und per Fernschuss zum alleinigen französischen WM-Rekordtorschützen aufstieg.

14 Treffer hat der 27-Jährige auf der größten Bühne des Fußballs schon erzielt und Klose wie Messi im Visier. Mbappé ging danach voller Genugtuung in Siegerpose, als wollte er zeigen: "Na, was sagt ihr jetzt!"

Und solange kann wohl selbst Messi nicht mehr spielen, dass er in der Zukunft die WM-Bestmarke nicht an Kylian Mbappé verliert.

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