Deshalb fürchtet Bayern die englischen Pfunde

Ab der kommenden Saison kassiert die Premier League deutlich mehr TV-Einnahmen. Bayerns Rummenigge sagt: „Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren“ –
| Julian Buhl
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Kevin De Bruyne und Bastian Schweinsteiger spielen schon in der Premier League. Und auch er ist bei den englischen Vereinen begehrt: Bayern-Star Thomas Müller.
dpa/az Kevin De Bruyne und Bastian Schweinsteiger spielen schon in der Premier League. Und auch er ist bei den englischen Vereinen begehrt: Bayern-Star Thomas Müller.

Ab der kommenden Saison kassiert die Premier League deutlich mehr TV-Einnahmen. Bayerns Rummenigge sagt: „Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren“ – und fordert mehr Geld. Das Thema im AZ-Überblick.

München - Den Zeigefinger erhob Karl-Heinz Rummenigge nicht. Aber das war bei den Ausführungen des Vorstandsvorsitzenden des FC Bayern auch gar nicht nötig. Was er auf der Jahreshauptversammlung mit ernster Stimme vortrug, hatte auch so die gewünschte Wirkung. Und Rummenigges Mahnung dürfte immer noch nachhallen, vor allem in den Ohren der Verantwortlichen der Bundesliga: In naher Zukunft werde der FC Bayern, sportlich wie wirtschaftlich Deutschlands unumstrittene Nummer eins, im europäischen Vergleich auf Rang 26 abstürzen. Und zwar im Ranking der TV-Einnahmen.

„Ich bin nicht bereit, das zu akzeptieren“, drohte Rummenigge.

Milliardenschwerer TV-Vertrag in der Premier League

Im Wettstreit mit dem FC Barcelona, Real Madrid (beide 140 Millionen), Manchester United (131,3) und Chelsea (134,3), mit denen die Bayern sportlich um die Vormachtstellung kämpfen, sei man laut Rummenigge in Sachen TV-Einnahmen „mit Abstand Letzter“. Er fürchtet vor allem die englischen Pfunde, denn in der Premier League tritt kommende Saison ein milliardenschwerer TV-Vertrag in Kraft.

Lesen Sie hier: Allofs kann die Bayern verstehen

Der FC Bayern erhält aus dem Verkauf der Fernsehrechte derzeit gut 50 Millionen Euro pro Saison, in dieser Spielzeit werden rund 850 Millionen an die 36 Profiklubs ausgeschüttet. Zur Saison 2017/18 wird neu verhandelt. Schon auf der DFL-Mitgliederversammlung am Mittwoch in Frankfurt werden sich die deutschen Profiklubs damit beschäftigen. „Schritt eins muss die Steigerung der Einnahmen auf 1,x Milliarden Euro sein“, sagte Bayerns Vorstandsboss im „kicker“.

Die AZ beantwortet die wichtigsten Fragen

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

Der Tabellenletzte der Premier League (Queens Park Rangers) erhielt vergangene Saison 86,8 Millionen. Diese Kluft zwischen England und Deutschland wird künftig noch größer: Die Premier League hat bereits einen neuen TV-Vertrag abgeschlossen, der ihr von 2016 bis 2019 6,9 Milliarden Euro einbringen wird.

In Spanien erzielen Real Madrid und Barcelona mit je rund 140 Millionen Euro derzeit noch durch Einzelvermarktung 40 Prozent der Gesamteinnahmen (rund 755 Millionen). Ab der kommenden Saison werden die TV-Rechte der Primera División zentral vermarktet. Auch die beiden Topklubs versprechen sich davon noch mehr Einnahmen.

Warum sind die Unterschiede zwischen Deutschland und England so groß?

„In England wird unfassbar viel Fernsehgeld gezahlt, aber ich glaube nicht, dass die Spiele dort interessanter sind“, sagt Gladbach-Manager Max Eberl der AZ. „Vor allem die Konkurrenz auf dem TV-Rechtemarkt hat in England zu Milliardeneinnahmen geführt“, sagt Rummenigge. Während Sky in Deutschland eine Art Monopolstellung genießt, profitiert die Premier League vom wahnwitzigen Wettbieten der Pay-TV-Anbieter – und ist zudem weltweit begehrt. „Die Premier League ist seit Jahrzehnten auch im Ausland unterwegs“, sagt Eberl: „Wir haben mit der Auslandsvermarktung jetzt angefangen und müssen da noch mehr tun.“

Welche Folgen drohen?

„Unsere Spieler erhalten schon jetzt dramatisch gute Angebote“, berichtete Rummenigge über Lockrufe aus England. Bereits im Sommer hielten sich die Gerüchte um ein angebliches 100-Millionen-Angebot von Manchester United für Thomas Müller. Vor allem die Verhandlungsposition der Spieler wird dadurch verbessert. Angestrebte Vertragsverlängerungen mit Weltmeistern wie Müller, Manuel Neuer und Jérôme Boateng werden für den FC Bayern – sofern sie gelingen – noch mal teurer. „Ich sage voraus: Die Gehaltssteigerungen und die Ablösesummen, die auch in die Luft schießen, werden bis in die 3. Liga in Deutschland wahrgenommen werden“, sagte Rummenigge.

Wie zum Beleg soll Newcastle United nun Interesse an Rubin Okotie von Zweitligist TSV 1860 haben. Im Sommer wurden bereits überdurchschnittliche Ablösesummen etwa für Wolfsburgs Kevin De Bruyne (75 Millionen/Man City) oder Hoffenheims Roberto Firmino (41/Liverpool) aus England gezahlt. Bayern-Ikone Bastian Schweinsteiger zog es laut Rummenigge ebenfalls zu Manchester United, um eine „auch finanziell lukrative Erfahrung in England zu machen“.

City, United und Liverpool haben zusammen mehr Geld für neue Spieler ausgegeben als die gesamte Bundesliga, und mit den anderen Klubs mit rund 1,185 Milliarden Euro einen Rekord aufgestellt. Rummenigge, dessen Bayern immerhin 86 Millionen in Vidal, Costa und Co. investierten, fürchtet: „Die Transfer-Tsunami-Welle wird an Gewalt und Höhe noch einmal zunehmen.“

Ist die Zentralvermarktung der Bundesliga gefährdet?

Bei einem Besuch beim Bundeskartellamt wurde „diskutiert, was für den FC Bayern möglich ist“, sagte Rummenigge der „SZ“. Die Solidargemeinschaft im deutschen Profifußball wolle man nicht aufkündigen, aber „nur unter einer Conditio: Dass die DFL dafür Sorge trägt, dass die deutschen Topklubs in Europa wettbewerbsfähig bleiben.“ Eberl glaubt, dass die Bayern durch eine Einzelvermarktung „wahrscheinlich noch mehr TV-Geld erzielen würden. Aber auch Bayern ist daran interessiert, dass die Bundesliga ein guter Wettbewerb bleibt.“

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