Interview

Axel Kahn über das Aus seines Bruders beim FC Bayern: "Letztendlich hat Uli Hoeneß immer das letzte Wort"

In der AZ sprechen die langjährigen Freunde Ralf Moeller und Axel Kahn über die Zukunft des DFB-Teams und die Zeit von Oliver Kahn beim FC Bayern.
von  Maximilian Koch
Ehemaliger Vorstandsvorsitzender des FC Bayern: Oliver Kahn.
Ehemaliger Vorstandsvorsitzender des FC Bayern: Oliver Kahn. © Sven Hoppe/dpa

AZ: Herr Kahn, Herr Moeller, die deutsche Nationalmannschaft hat ihre ersten vier Spiele unter Bundestrainer Jürgen Klopp bestritten und dabei nur einen Sieg beim 2:0 gegen Serbien geholt. Ist dennoch eine Aufbruchstimmung zu erkennen?
RALF MOELLER: Wir haben uns leider noch nicht persönlich kennengelernt. Also, wenn du das liest: Bitte melde dich, Kloppo! (lacht) Beim letzten Hahnenkammrennen in Kitzbühel war ich mit Arnold Schwarzenegger wieder bei der legendären Weißwurstparty – und da stand Klopp zwei Meter neben uns. Ich habe es aber zu spät mitbekommen, sonst hätte ich ihn direkt angesprochen. Er ist ein toller, sympathischer Typ und ein super Trainer. Für die Spieler ist er einer, der sie auch mal in den Arm nimmt und ein ganz enges Verhältnis zu ihnen hat. Ein Menschenfänger wie einst Jupp Heynckes beim FC Bayern. Ich habe einen neuen Zusammenhalt in der Mannschaft erkannt, das war sehr positiv. Wenn Deutschland mal einen neuen Bundespräsidenten sucht, können sie auch Klopp nehmen. Er würde sofort gewählt werden. 

AXEL KAHN: Beim Spiel gegen Serbien war eindeutig eine Aufbruchstimmung zu erkennen. Die jüngeren Akteure wie Aleksandar Pavlovic und Tom Bischof drängen ins Team. Für Joshua Kimmich könnte das bedeuten, dass er in Zukunft nicht mehr der Kopf der Mannschaft ist. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren schon angedeutet. Pavlovic und Bischof haben vielleicht noch nicht die Erfahrung, aber dafür den Ehrgeiz. Sie sind hungrig. Dafür ist Klopp genau der richtige Mann, um solche Spieler zu formen, damit sie in jungen Jahren schon Verantwortung übernehmen. Das hat er schon in Mainz, Dortmund und Liverpool gezeigt. Für Kimmich wird es schwierig, seinen Stammplatz zu behalten.

Axel Kahn über das DFB-Team: "Eine Aufbruchstimmung in der jetzigen Situation hilft ganz sicher"

Klopp hat davon gesprochen, die deutsche Fahne wieder zurückzuholen – mit Bezug auf die Erfolge der AfD. Wird ihm das gelingen?
AXEL KAHN: Was er auf jeden Fall schon geschafft hat, ist, die Leute zu vereinen für ein Ziel: Dass die deutsche Nationalmannschaft wieder anerkannt und respektiert wird. Was Klopp macht, ist echtes Leadership. Wenn ich es jemandem zutraue, dann ihm. Wichtig ist, dass man ihm das Vertrauen und die Zeit gibt, die Mannschaft zu entwickeln, den Spielern den Wert der Nationalmannschaft zu vermitteln und den Fans den Nationalstolz zurückzugeben. Das hat er bereits in den ersten Pressekonferenzen implementiert.

Langjährige Freunde: Ralf Moeller und Axel Kahn.
Langjährige Freunde: Ralf Moeller und Axel Kahn. © IMAGO/Agentur Matthias Wehnert / M. Gränzdörfer

RALF MOELLER: Ich finde es bei Klopp gut, dass er sich mehr Spiele vor Ort anschaut als sein Vorgänger Julian Nagelsmann. Das bedeutet den Spielern etwas. Die Nationalmannschaft hat noch immer eine große Bedeutung für unser Land. Wenn es im Fußball gut läuft, fühlt sich alles andere ein bisschen leichter an in unserer Welt mir Kriegen und Wirtschaftskrisen.

AXEL KAHN: So ist es. Sport hat immer die Kraft, ein ganzes Land zu aktivieren. Da müssen wir uns nur an die WM 2006 bei uns erinnern. Und eine Aufbruchstimmung in der jetzigen Situation hilft ganz sicher.

Ralf Moeller hat im Marstall-Zelt angezapft

Sie sind inzwischen beide über 60 Jahre alt und körperlich gut in Form. Wie schafft man es, so fit zu bleiben?
RALF MOELLER: Ich empfehle, nicht so viel Fleisch zu essen. Hähnchen und Fisch gehen noch, aber zu viel rotes Fleisch ist nicht gut. Die Gefahr für Arthrose steigt, man fühlt sich körperlich dann auch nicht so frisch. Von einem Gemüseteller mit Kartoffeln wirst du ja auch satt. Wenn man mit 60, 70 und 80 noch fit sein will, muss man etwas dafür tun. Da gehört die Ernährung genauso dazu wie viel Bewegung. Wichtig ist Kontinuität. Die Ernährung macht 70 Prozent aus.

AXEL KAHN: Ralf ist super-fit, wie man sieht. Ich esse immer noch Rindfleisch, aber nicht mehr so oft. Ich habe meine Ernährung in den vergangenen Jahren extrem verändert, um das Beste aus meinem Körper herauszuholen, und fühle mich damit sowohl körperlich als auch mental ausgesprochen fit. 

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Gab es auf der Wiesn dann nur alkoholfreies Bier?
RALF MOELLER: Nein. Ich habe am ersten Wiesn-Samstag ja im Marstall-Zelt angezapft und da gab es schon ein Bier. Ich trinke gerne mal ein Radler, aber alles in Maßen.

AXEL KAHN: Bei mir ist es genauso, ein oder zwei Radler gehen schon mal.

Wie ist Ihre Freundschaft eigentlich entstanden? Sie haben ja jetzt auch wieder im Fine Time Business Club zusammen während des Oktoberfests gefeiert.
RALF MOELLER: Ich kenne Axel schon ewig, Olli Kahn auch. Wir sind alle drei Zigarrenraucher, an Silvester machen wir gerne eine Session zusammen. Entweder persönlich oder per Facetime. Und wenn ich in München bin, treffen wir uns regelmäßig. Im Fine Time Business Club bin ich Ehrenmitglied.

Herr Kahn, werden wir Ihren Bruder Oliver bald wieder im Fußballgeschäft sehen?
AXEL KAHN: Mein Rat an Oliver wäre, sich einen schönen Lebensabend zu machen (lacht). Aber nein: Er ist erst 57. Wenn ein Jobangebot kommt, das auf ihn zugeschnitten ist und das er aus seiner Sicht erfolgreich gestalten kann, würde er sich das bestimmt anhören. Ich allerdings würde ihm das Fußball-Business nicht mehr unbedingt ans Herz legen. Es dreht sich alles nur noch um den schnellen Erfolg und sehr viel Geld. Surreale Zahlen auf Kosten der Spieler und den Menschen. Und je älter du wirst, desto extremer ist die psychische Belastung. Ob man sich das noch mal antun muss, weiß ich nicht.

Bruder des ehemaligen Bayern-Bosses: Axel Kahn.
Bruder des ehemaligen Bayern-Bosses: Axel Kahn. © IMAGO/Matthias Wehnert

"Es hat mich an eine Vater-Sohn-Beziehung erinnert bei Hoeneß und Olli Kahn"

Wie hart hat ihn das Aus beim FC Bayern 2023 getroffen?
AXEL KAHN: Oliver ist fein damit, da ist nichts hängengeblieben. Das Kahn-Gen macht das schon (lacht). Aufstehen und weitermachen gehört zu unseren stärksten Disziplinen. Das hat Oliver sowieso immer ausgezeichnet. Das Leben besteht nicht nur aus Ups, sondern auch aus Downs. Beim FC Bayern gab es schon immer diese Grabenkämpfe, das sieht man auch jetzt immer wieder bei Max Eberl. Er muss sich gefühlt für alles rechtfertigen und seinen Platz behaupten - trotz einer ziemlich weißen Weste respektive erfolgreicher Arbeit. Letztendlich hat Uli Hoeneß immer das letzte Wort. Aber von was reden wir hier? Vom erfolgreichsten Verein der Welt, da ist Führung die Königsdisziplin.

RALF MOELLER: Uli Hoeneß ist der Godfather unter den Managern und wird es auch immer bleiben. Es hat mich an eine Vater-Sohn-Beziehung erinnert bei Hoeneß und Olli Kahn. Einen Mann wie Hoeneß musst du einbeziehen, er hat immer noch die Power. Aber dafür ist Olli nicht der Typ, er ist mehr ein Einzelkämpfer. 

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