Interview

Bayern-Stimme Lehmann: Der Stadionsprecher mit den meisten Titeln

Der FC Bayern kann nun seine Arena wieder voll machen. Im AZ-Interview spricht Stadionsprecher Stephan Lehmann über Geisterspiele, sein Jubiläum und Wetten mit seinem früheren Sechzger-Kollegen.
| Martin Wimösterer
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Sportliche Rivalität: Der frühere Löwen-Stadionsprecher Stefan Schneider (l.) und FC-Bayern-Stimme Stephan Lehmann.
Sportliche Rivalität: Der frühere Löwen-Stadionsprecher Stefan Schneider (l.) und FC-Bayern-Stimme Stephan Lehmann. © sampics / Stefan Matzke

München - AZ-Interview mit Stephan Lehmann: Der 59-jährige Moderator arbeitet seit 25 Jahren als Stadionsprecher des FC Bayern.

AZ: Herr Lehmann, erinnern Sie, der Stadionsprecher des FC Bayern, sich eigentlich an den 8. März 2020?
STEPHAN LEHMANN: Da war bis zum vorigen Wochenende das letzte Heimspiel in der Allianz Arena mit 75.000 Zuschauern. Wir haben gegen Augsburg gespielt, es war ein knappes Ergebnis. Ich hatte damals schon ein bissl den Nostradamus in mir. Ich habe mir gedacht: Für lange Zeit wird dies das letzte Heimspiel vor vollem Haus sein. Die Diskussion lief damals schon, man kannte ja die Bilder aus Bergamo.

Stadionsprecher Lehmann über Geisterspiele: "Es war richtig, zu spielen"

Die Berichte von den Corona-Toten in Norditalien. . .
Nach dem Spiel sagte ich zu den Ordnern: Mal sehen, wann wir uns wiedersehen. Es hing alles in der Schwebe. Es dauerte Wochen, bis klar war, dass gespielt wird.

Es gab dann Geisterspiele.
Keiner hat in die Hände geklatscht, aber es war richtig, zu spielen: Dann haben die Leute wenigstens ein bisschen Freude daheim. Und das Fernsehgeld wurde ausgezahlt, was einige Klubs rettete.

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"Der Fußball in Deutschland lebt von seinem Publikum"

Geisterspiele - was machen die mit einem Stadionsprecher?
Ich habe es mit malmendem Kiefer akzeptiert. Das klassische Dilemma zwischen Kopf und Herz: Es war richtig, um einen Touch Normalität zu simulieren - Fans schrieben mir, dass es gut tut, meine Stimme übers Fernsehen hören. Emotional habe ich mich aber nie daran gewöhnt. Der Fußball in Deutschland lebt von seinem Publikum.

Was haben Sie in Ihrem Auftritt verändert?
Ich mache meine Arbeit immer so, wie ich selbst angesprochen werden möchte. Verallgemeinert: Ich überlege mir, in welcher Befindlichkeit die Menschen sind, zu denen ich spreche. Ich habe mich gefragt: Wenn kein Publikum im Stadion ist - kann ich da den Torschrei genau solange ziehen oder ist das albern? Ich wollte auch nicht tun, als ob nichts wäre. Auf jegliche Gags habe ich verzichtet.

Stephan Lehmann freut sich über die Rückkehr der FC Bayern-Fans

Anders als Kanzlerkandidat Laschet bei der Hochwasserkatastrophe in NRW. . .
Ja, das war vielleicht ein Puzzleteil, das ihm das Wahlergebnis einbrachte, das er erhalten hat. Ich will ihm nichts Böses, aber da war er unkonzentriert und gaga. Wenn er nicht weiß, auf welchem Termin er ist, und scherzt, während der Bundespräsident vor Kameras eine andächtige Ansprache hält, kann ihm nichts mehr helfen. Zurück zum Fußball: Ich spielte keinen Trauermarsch, aber ich habe mich für so eine Art angezogene Handbremse entschieden. Ich habe eher moderiert, wie im Radio: neutral und informativ. Sonst bin ich im Stadion eher ein Animateur, der das Publikum einbezieht. Ich freue mich, dass das nun wieder möglich ist. Gegen Hoffenheim konnten wieder 75.000 Fans ins Stadion.

Worauf haben Sie sich an diesem Spieltag konkret gefreut?
Nun ja, 75.000 sind lauter als 25.000. Ich spüre ja auch jedes Mal die Energie, die von den Rängen kommt.

Sie haben kürzlich 25-jähriges Jubiläum als Stadionsprecher gefeiert. Gab's vom FC Bayern die klassische goldene Uhr?

(lacht) Mensch, Meier. Auf den Tag genau 25 Jahre nach dem ersten Spiel durften wir gegen Köln erstmals wieder vor ein paar tausend Zuschauern spielen. Der Tag stand auch im Zeichen der Trauer um Gerd Müller. Er ist erlöst worden. Ich kannte Gerd gut und habe an ihn gedacht. Wenn es darum geht, dem größten Stürmer aller Zeiten zu ehren, da denkst du nicht an dein Jubiläum. Mediendirektor Stefan Mennerich hat mir aber bei der TV-Vorbesprechung gratuliert und mir das neue Champions-League-Trikot geschenkt, mit "Lehmann" und der "25" drauf. Das hatte ich nicht erwartet.

FC Bayern gegen TSV 1860: "Ich wünsche mir ein gescheites Lokalderby"

Höchst unterschätzt: In zwei Fällen haben Sie dem FC Bayern eine Gratis-Arbeitskraft organisiert.
Jetzt bin ich gespannt.

Einen Kehrer für die Südkurve und einen Verkäufer im Fanshop.
Ach, Sie spielen auf den Stefan Schneider an. (lacht)

Genau, Ihr langjähriger Kollege bei den Sechzgern.
Das war die klassische Rollenverteilung: Er der Blaue, ich der Rote. Eine Fußball-Leidenschaft, die uns zwar zu Rivalen gemacht hat, aber das schließt nicht aus, dass wir auch mal miteinander ein Bierchen trinken können. Stefan kam auf die Idee, zu wetten. Wer verliert, muss was machen: im Trikot des anderen Vereins über den Marienplatz, die Kurve kehren, im Fanshop verkaufen. . . Der arme Kerl - die Blauen haben, solang wir gewettet haben, immer verloren. Damals gab es noch Derbys. . . Ich hoffe ja, dass die Blauen wieder kommen. Ich wünsche mir ein gescheites Lokalderby.

Nächstes Jahr sind Sie ein Sechzger - vom Alter.
59+1. (lacht) Die Zeit ist ein Mörder. 25 Jahre ist richtig lang - es kam mir kurz vor. Wohl auch, weil die Uhr des Vereins beim Umzug in die Allianz Arena auf Null gesetzt wurde.

Haben Sie über die Jahre die gewonnenen Titel mitgezählt?
Für meine Webseite, ja. Ich dürfte der Stadionsprecher mit den meisten Titeln weltweit sein. Was für ein Glück, dass ich in die Phase des Erfolgs reinrückte! Der Klub hat sich wahnsinnig entwickelt. Wenn ich zum Beispiel daran denke, dass ich für den Facebook-Kanal früher mit Philipp Lahm Selfie-Videos gedreht habe, damit da was passiert. . . (lacht)

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