Bayern-Luxusproblem: Kompany muss Kader aussortieren
Was für eine Woche! Für die Bayern-Profis und das Trainerteam um Vincent Kompany völlig ungewöhnlich. Nach sieben Spielen in 21 Tagen im Januar war die vergangene Woche ganz nach dem Geschmack eines jeden Trainers. Kein Spiel, keine Spielvorbereitung, keine Videositzungen, keine Reise – kurz: kein Stress. Nur Training.
Nach dem 2:2 letzten Samstag beim Hamburger SV hatte Sportvorstand Max Eberl betont, er sei "froh, dass der Januar vorbei ist. Wir können vom Kopf her mal abspannen und runterfahren." Zwei Tage frei, keine englische Woche. Der pure Luxus. "Das war mal richtig gut", meinte Kompany, der angekündigt hatte: "Wir wollen die Woche nutzen, damit die Energie beim nächsten Spiel wieder da ist." Für den Heim-Auftritt am Sonntag gegen die TSG Hoffenheim.
24 Spieler im Bayern-Kader – und alle sind fit
Wieder da – das passende Stichwort. Am Samstag waren alle, ja wirklich sämtliche Spieler des Profikaders wieder im Training. Eine absolute Ausnahmesituation. All in, alle fit. Keine Verletzten mehr! Auch Konrad Laimer (Muskelfaserriss) war ebenso wieder bei sämtlichen Teamübungen mit dabei wie zuvor schon Raphael Guerreiro (Zerrung). Auch keine kränkelnden Profis mehr! Torjäger Harry Kane hat seine Erkältung überstanden, die ihn Anfang der Woche außer Gefecht gesetzt hatte. Manuel Neuer macht seine Übungen mit den Torwart-Trainern, den Magen-Darm-Infekt, der ihn am Freitag zum Daheimbleiben zwang, hatte der Kapitän überstanden.
24 Profis haben die Bayern für die letzten vier Monate der Saison im Kader, darunter vier Torhüter – inklusive des 18-jährigen Leon Klanac. Aufgrund all der positiven Nachrichten, die zur ungewöhnlichen Personalfülle führten, konnten sich die Bayern-Bosse erlauben, in Absprache mit Trainer Kompany auf zwei Spieler für die restliche Rückrunde zu verzichten.
Abschiede von Chávez und Boey für bessere Kader-Balance
Auf Offensiv-Talent Felipe Chávez (18), der an den 1. FC Köln ausgeliehen wurde, um Spielpraxis zu sammeln. Die Rheinländer sicherten sich eine Kaufoption, die Bayern haben für diesen Fall ein Rückkaufrecht in der Vereinbarung verankern lassen. Nach der Rückkehr von Spielmacher Jamal Musiala hätte Chávez, der bisher zwei Kurzeinsätze bei den Profis absolvierte, kaum noch Gelegenheiten bekommen, sein Können zu beweisen.

Ebenso die Situation bei Sacha Boey, dem Außenverteidiger. Der 25-Jährige kehrte bis Saisonende zu Galatasaray Istanbul zurück – aktuell haben die Bayern keine Verwendung für den Franzosen, der sich innerhalb von zwei Jahren in München nie durchsetzen konnte. Eberls Begründung für den Schritt: "Sacha war acht Wochen krank, war auf einem guten Weg. Wir haben rechts hinten Konny Laimer und Josip Stanisic. Dazu kommt, dass auf links einige Spieler (Alphonso Davies und der flexible Josip Stanisic, d.Red.) zurückgekommen sind. Deshalb haben wir bei Sacha so entschieden."
Purer Bayern-Luxus – kann Kompany das managen?
Doch die aktuelle Luxus-Situation des Kaders bedeutet für den Chefcoach: Mehr Gespräche führen, um Entscheidungen zu erklären und Enttäuschungen bei den Profis zu moderieren, im Idealfall zu minimieren. Denn bei 24 Profis (20 Feldspieler und vier Torhüter) müssen – so denn alle verfügbar sind – zwei Feldspieler auf die Tribüne, da in der Bundesliga und im DFB-Pokal (am Mittwoch geht es in der Arena gegen RB Leipzig) nur 20 Akteure auf dem Spielberichtsbogen stehen dürfen. Im Herbst und frühen Winter hatten die Münchner oft derartige Personalprobleme, dass sie zwei Ersatztorhüter (meist Jonas Urbig und Sven Ulreich) mitnahmen.
Für Talente wie Flügelstürmer Wisdom Mike (17) oder Mittelfeldmann David Santos Daiber (19) wird es künftig sehr schwierig, überhaupt in den Spieltagskader zu kommen. Die beiden aber wurden – anders als Sechser Javier Fernández (19) bis Saisonende an den 1. FC Nürnberg – bewusst nicht verliehen.
Die Moral von der Geschicht’? Die Qual der Wahl ist keine Erfindung nicht. Es wird spannend, zu beobachten, wie Menschfänger Kompany dieses schöne Problem in den nächsten Wochen löst.
