AZ-Zeugnisse für die Bayern-Bosse: Wer jetzt unter Beobachtung steht

Der FC Bayern blickt auf die erfolgreichste Saison seit Jahren zurück. Welchen Anteil daran haben Trainerteam, Management und Führungsetage? Die AZ-Zeugnisse für die Bosse der Münchner.
Autorenprofilbild Maximilian Koch
Maximilian Koch
|
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
0  Kommentare
lädt ... nicht eingeloggt
Teilen
Ein Prost auf eine (fast) perfekte Saison 2025/26: Trainer Vincent (l.) und Präsident Herbert Hainer, hier beim traditionellen Besuch des Oktoberfests im Herbst.
Ein Prost auf eine (fast) perfekte Saison 2025/26: Trainer Vincent (l.) und Präsident Herbert Hainer, hier beim traditionellen Besuch des Oktoberfests im Herbst. © Alexander Hassenstein

Zur Bestnote hat für den FC Bayern in dieser Saison nicht viel gefehlt. Im Champions-League-Halbfinale gegen Paris Saint-Germain waren die Münchner in beiden Spielen nicht weit weg, letztlich hatte der Titelverteidiger einen Tick mehr Qualität im Kader – und mehr Glück mit Schiedsrichterentscheidungen. Nächstes Jahr folgt ein neuer Angriff auf den Henkelpott, ganz sicher.

In den nationalen Wettbewerben war Bayern eine Klasse für sich. Der 35. Meistertitel mit einem neuen Torrekord von 122 Treffern stand frühzeitig fest, die Münchner kassierten nur eine einzige Niederlage. Und im DFB-Pokal warf Bayern bis zum 3:0 im Finale gegen den VfB Stuttgart unter anderem Bayer Leverkusen und RB Leipzig raus. Dominanter geht es nicht. Aber wer hatte daran eigentlich welchen Anteil?

Im ersten Teil der AZ-Saisonzeugnisse sind die Bosse des FC Bayern dran.

VINCENT KOMPANY UND SEIN TRAINERTEAM: Der Cheftrainer tanzte nach dem Pokalerfolg gegen Stuttgart gemeinsam mit seinen Spielern ausgelassen vor der Fankurve, immer wieder wurde er mit Sprechchören gefeiert. Kompany ist eindeutig der Trainer des Jahres in Deutschland, in nun zwei Spielzeiten hat er die Münchner wieder zur europäischen Großmacht geformt. Nur die Krönung in der Champions League fehlt (noch).

Er habe "keinen Zweifel", sagte Leon Goretzka bei seinem Abschied, dass die Bayern "das schaffen können, wenn die Mannschaft wirklich so bestehen bleibt und vor allem auch der Trainer seinen Weg weiter durchzieht". NOTE 1

Erfolgsgaranten: Trainer Vincent Kompany (Mitte) mit seinen Assistenten Floribert N'Galula (l.) und Aaron Danks.
Erfolgsgaranten: Trainer Vincent Kompany (Mitte) mit seinen Assistenten Floribert N'Galula (l.) und Aaron Danks. © IMAGO/Michael Weber IMAGEPOWER

Kompany, der mit seinem Trainerteam neue Verträge bis 2029 unterzeichnete, habe "eine großartige Expertise und strahlt als Person eine natürliche Autorität aus", schwärmte Vorstandschef Jan-Christian Dreesen in der AZ: "Wegen dieser Eigenschaften und nicht zuletzt, weil er selbst ein absoluter Weltklassespieler war, genießt er großen Respekt und Wertschätzung bei der Mannschaft. Er hat eine enge Bindung zu seinen Spielern. Vincent sieht immer den Menschen und nicht nur den Spieler." Und er steht selbst nicht im Mittelpunkt, lässt seine Stars glänzen. Das ist echte Führungsstärke.

VORSTAND PLUS SPORTDIREKTOR CHRISTOPH FREUND: Viel Urlaub werden Sportvorstand Max Eberl und Sportdirektor Freund erst mal nicht machen können, zumindest wird ihr Handy in den nächsten Wochen angeschaltet bleiben. Denn die beiden Bosse arbeiten am Kader für die kommende Saison. "Wir haben jetzt Transferperiode – und der werde ich mich widmen", sagte Eberl nach dem Pokalfinale. Newcastles Offensivstar Anthony Gordon soll der Königstransfer werden, die Gespräche laufen.

Die Verpflichtungen in der vergangenen Saison saßen, sowohl Luis Díaz als auch Jonathan Tah und Tom Bischof brachten die Mannschaft qualitativ weiter. Nicolas Jackson agierte als Back-up-Stürmer ordentlich, war aber mit einer Leihgebühr von 16,5 Millionen Euro teuer. Bei den Verkäufen, so nach AZ-Informationen die Meinung im Aufsichtsrat, hätten Eberl und Co. höhere Erlöse erzielen dürfen – besonders bei Mathys Tel und Kingsley Coman. Immerhin: Topverdiener wie Thomas Müller, Leroy Sané oder jetzt Leon Goretzka wurden von der Gehaltsliste gestrichen. NOTE 2

Nicolas Jackson (2.v.r.) bei seiner Verabschiedung vom FC Bayern mit Sportvorstand Max Eberl, dem Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund (v.l.).
Nicolas Jackson (2.v.r.) bei seiner Verabschiedung vom FC Bayern mit Sportvorstand Max Eberl, dem Vorstandsvorsitzenden Jan-Christian Dreesen und Sportdirektor Christoph Freund (v.l.). © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Insgesamt harmoniert das Führungsteam um CEO Jan-Christian Dreesen, Eberl, den neuen Marketing-Vorstand Rouven Kasper und Freund. Doch während Dreesens Vertragsverlängerung über 2027 als Formsache gilt, müssen Eberl und Freund abwarten, welche Entscheidungen der Aufsichtsrat bei der nächsten Sitzung im August trifft. Ihre Zukunft ist offen.

PRÄSIDIUM UND AUFSICHTSRAT: Präsident und Aufsichtsratschef Herbert Hainer kann auf eine äußerst erfolgreiche Saison zurückblicken, sowohl die Männer als auch die Frauen holten das Double. Das gab es noch nie. Hainer selbst wurde auf der Jahreshauptversammlung im Winter mit fast 96 Prozent der Stimmen für drei Jahre wiedergewählt.

Und doch lief in Bayerns Kontrollgremium nicht alles nach Plan in den vergangenen Monaten. Erst zog sich Münchens ehemaliger Oberbürgermeister Dieter Reiter kurz nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Verwaltungsbeirats wieder zurück, der öffentliche Druck nach Debatten um Reiters Nebeneinkünfte war zu groß geworden. Inzwischen hat Unternehmer Alexander Sixt Reiters Posten im Aufsichtsrat eingenommen.

"Wir schauen genau hin": Bayerns Ehrenpräsident und Aufsichtsrat Uli Hoeneß (l.) mit Präsident Herbert Hainer (r.) im SAP Garden.
"Wir schauen genau hin": Bayerns Ehrenpräsident und Aufsichtsrat Uli Hoeneß (l.) mit Präsident Herbert Hainer (r.) im SAP Garden. © IMAGO/Bernd Feil/M.i.S.

Und beim Pokalfinale kam dann auch noch die öffentliche Kritik von Uli Hoeneß an Eberl dazu. Im "Spiegel"-Interview, das am Tag des Endspiels erschien, sprach Hoeneß von einer Tendenz "60 zu 40 für eine Verlängerung" mit dem Sportvorstand und ergänzte: "Da sind noch Zweifel." Eberl reagierte irritiert. "Das Fell ist dick geworden", sagte er: "Ich mache meine Arbeit mit sehr, sehr viel Herzblut und sehr, sehr viel Freude. Und wenn man mich lässt, dann bin ich auch bereit, sie weiterzumachen."

Ob Eberl weitermachen darf, wird der August zeigen. Schon jetzt ist klar: Mit seinen Äußerungen hat Hoeneß Eberl nicht zum ersten Mal öffentlich beschädigt. Das könnte den Sportvorstand in Verhandlungen mit anderen Stars oder Klubs schwächen. Bei Mitgliedern des Aufsichtsrats sollen die Hoeneß-Sätze nicht gut angekommen sein. Hier muss der Klub in Zukunft öffentlich wieder mehr mit einer Stimme sprechen – und nicht übereinander. NOTE 3

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
 
Noch keine Kommentare vorhanden.
merken
Nicht mehr merken
X

Sie haben den Inhalt der Merkliste hinzugefügt.