Arsenal-Spiel zeigt: Drei Bayern-Stars geraten ins Hintertreffen

Der sonst so gesprächige Lennart Karl wollte diesmal nichts sagen. Ein kurzer Blick zu den Reportern, dann ein Fingerzeig in Richtung Ausgang der Allianz Arena – und weg war der Youngster des FC Bayern nach dem 2:2 gegen den FC Arsenal.
Es war wieder kein Karl-Abend, der 18-Jährige blieb nach seiner Einwechslung in der 68. Minute für Serge Gnabry blass – wie so oft in den vergangenen Wochen. Karl steckt in der ersten kleinen Krise seiner Karriere.
Kompany predigt Geduld mit Karl
"Dieser Rhythmus und die Leistung werden noch kommen", sagte Trainer Vincent Kompany auf der Pressekonferenz und nahm Karl in Schutz: "Er hat noch nicht wirklich seine Leistung der vergangenen Saison, das ist auch okay. Er weiß, dass wir Geduld haben. Irgendwann kommt sein Moment, wo alle wieder sehen: Das ist der Lennart Karl, den wir kennen."

Verletzung bremst Offensivstar
Doch das war in dieser Saison bislang fast nie der Fall. Die Unbekümmertheit und Frische gehen dem Offensivstar ab, Karl kommt in neun Pflichtspielen erst auf ein Tor und eine Vorlage. Anfang Juni hatte ihn eine schwere Muskelverletzung aus dem Tritt gebracht – und die WM gekostet. Noch immer ist Karl von seinem Toplevel entfernt.
"Jetzt kein Stress, das passiert", beschwichtigte Kompany: "Er ist noch jung und hatte ein paar körperliche Probleme. Er wird wieder kommen, ich mache mir keine Sorgen."

Eigentlich hatte man Karl gegen Arsenal in Abwesenheit von Jamal Musiala (Reha nach Muskelfaserriss) und Michael Olise (Gelb-Rot-Sperre) in der Startelf erwartet. Doch Kompany setzte lieber auf Ismael Saibari, Alphonso Davies und Serge Gnabry in der offensiven Dreierreihe.
"Bei Lennart Karl ist es einfach so, dass er noch nicht sein Topniveau hat", sagte Sportvorstand Max Eberl: "Mit Serge und Phonzy wollten wir Tiefe haben, was ja auch funktioniert hat. Serge hatte die Chance, die er hätte machen können. Phonzy hat das Tor gemacht. Und Lennart Karl hatte dann leider nicht so oft die Eins-gegen-eins-Situationen."
Brown und Tah ebenfalls unter Druck
Karl ist gerade hinten dran – genauso wie zwei andere deutsche Nationalspieler: Nathaniel Brown und Jonathan Tah. Kompany gab gegen Arsenal Josip Stanisic den Vorzug links in der Viererkette, erst in der 85. Minute kam Brown für den herausragenden Davies ins Spiel. Der Neuzugang von Eintracht Frankfurt ist derzeit nur Teilzeitkraft, defensiv muss er zulegen.

Tah im Duell mit Kim
Dass Tah erneut zu Beginn draußen saß, kam überraschend. In der vergangenen Saison war der 30-Jährige an der Seite von Dayot Upamecano gesetzt, nun macht ihm Minjae Kim mächtig Konkurrenz.
"Beim DFB gibt es ja die Kappe mit 83 Millionen Bundestrainern. Wie viele Bayern-Fans gibt es?", fragte Eberl in die Runde: "24 Millionen, die alle eine Meinung haben. Der Trainer stellt auf und macht sich Gedanken. Minjae und Upa haben es nicht schlecht gemacht gegen Leipzig. Da kann man erst mal ein funktionierendes Duo zusammen lassen und sagen: Okay, jetzt kann man eine frische Kraft bringen mit Jonathan Tah."
Blick auf die Nationalmannschaft
Der DFB-Akteur kam in der Halbzeit für den angeschlagenen Kim rein und sah beim 2:2 durch Declan Rice nicht gut aus. Tah muss um seinen Stammplatz kämpfen. Ob er am Sonntag im Topspiel in Freiburg starten darf, hängt wohl von Kims Genesung ab.
"Ich hoffe, dass beides ähnlich von der Zeit ist. Das heißt, nicht so lange, vielleicht weniger als eine Woche", sagte Kompany über die Blessuren von Kim und Luis Díaz: "Ganz große Verletzungen sind aber, glaube ich, schon ausgeschlossen." Zumindest Díaz wird vorerst ausfallen.
Tah braucht mal wieder ein überzeugendes Spiel, am besten mehrere in Folge – ebenso wie Karl und Brown. Darüber würde sich auch Bundestrainer Jürgen Klopp freuen. Denn bei den Länderspielen im November gegen Serbien und die Niederlande plant Klopp fest mit dem Bayern-Trio. Womöglich sogar mit allen in der Startformation.