Alonso und Dante in Porto: Bayerischer Doppelbock

Das Duo verschuldet gegen den FC Porto die schlimmste Anfangsphase der Münchner Historie in der Champions League. Beckenbauer & Co spotten – beide werden wohl den Verein verlassen.  
| Patrick Strasser
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Folgenschwere Patzer von Alonso und Dante.
dpa/Firo/Augenklick Folgenschwere Patzer von Alonso und Dante.

Das Duo verschuldet gegen den FC Porto die schlimmste Anfangsphase der Münchner Historie in der Champions League. Beckenbauer & Co spotten – beide werden wohl den Verein verlassen.

Porto -  Dante machte sich den Teller voll, beugte sich dabei nach vorne, als wäre er weitsichtig und könne die Speisen nicht erkennen. Der Brasilianer trug den Kopf unten, weil er nicht angesprochen werden wollte auf dem Bankett des FC Bayern im Mannschaftshotel „The Sheraton“ in Portos Stadtteil Boavista. Nein, kein Zwangslächeln. Nicht schon wieder gute Miene machen, wenn Fans um Fotos oder Autogramme bitten. Als es ihm irgendwann zu viel wurde, da eben an so einem Abend auch Schulterklopfer nicht helfen, schnappte Dante sich etwas Käse und Obst, um damit Richtung Zimmer zu verschwinden. Feierabend, keine gute Nacht.

In der schlimmsten Anfangsphase der Münchner Champions-League-Historie hatte Dante (31) für das 0:2 beim FC Porto gesorgt, als ihm der Ball vom Fuß sprang und Ricardo Quaresma an Torhüter Manuel Neuer vorbei einschob. Zehn Minuten vorbei – und alles vorbei? Nur einmal zuvor hatten die Bayern so früh hinten gelegen: 2010 stand es nach sieben Minuten 0:2. Doch damals fingen sich die Mannen von Coach Louis van Gaal im Viertelfinale bei Manchester United noch, kamen trotz einer 2:3-Niederlage weiter.

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Dante ließ den Kopf hängen, musste nach seinem Bock aufgebaut werden. Wenige Minuten zuvor war er noch der Motivator, der Antreiber, als Xabi Alonso im Tal der bösen Gedanken festhing. Der 33-Jährige wurde von Jackson Martínez am Strafraum hart attackiert. Alonso verlor den Ball, Neuer musste den Angreifer foulen – Elfer, 0:1. Der Anfang allen Übels. „Wir haben hinten Fehler gemacht, so wie man es diese Saison von uns kaum gesehen hat“, sprach Neuer den Kern des Problems an, sagte aber: „Kein Vorwurf an einzelne Spieler. Wir verlieren das Spiel alle zusammen. Auch nach vorne haben wir zu wenig Tormöglichkeiten herausgespielt, haben es selbst vergeigt.“

Doch zwei Gesichter der Niederlage blieben hängen – anders als im Fall Jérome Boateng, der eine ansprechende Leistung zeigte, das 1:2 durch Thiago vorbereitete, jedoch dann vor dem 1:3 unter einem Flankenball durchsprang. Das traurige Patzer-Paar hieß Dante & Alonso: Verbockt, verdaddelt, verspottet. Der bayerische Doppel-Bock.

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Dantes Zeit dürfte nun endgültig abgelaufen sein, auch wenn Trainer Pep Guardiola kürzlich geschwärmt hatte, er habe am liebsten „1000 Dantes“ in seiner Mannschaft. Doch der Brasilianer spielt aktuell nur, weil Medhi Benatia (Muskelfaserriss) fehlt und Holger Badstuber nach seiner Verletzung am Hüftbeuger nicht recht auf die Beine kommt. Der Spott von Ehrenpräsident Franz Beckenbauer ging dann jedoch etwas zu weit: „Ja mei, der Dante. Der braucht nur den Ball stoppen“, sagte der Kaiser über den Patzer, „wenn das jetzt ein Isländer wäre, oder wenn er vom Nordpol kommt, würde ich sagen, gut, der hat seine Skistiefel noch an. Aber so: fürchterlich.“ Trotz seines Vertrages bis 2017 ist es gut möglich, dass die Bayern auf der Innenverteidiger-Position für den Sommer eine Verstärkung suchen und Dante wechseln darf.

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Und Alonso? Innerhalb von nur acht Monaten hat sich der Baske selbst enttarnt. Als Bastian Schweinsteiger (bis November) und Philipp Lahm (ab November) im Mittelfeld ausfielen, füllte Alonso die Lücke hervorragend aus. Und nun? Vom Anführer, der das Spiel auf Anhieb mit seiner Übersicht und Passgenauigkeit aus dem defensiven Mittelfeld heraus steuerte, hat er sich zu einem Risikofaktor entwickelt. Ballverluste wie in Porto, Fehlpässe, die zu Gegentoren führten (bei Manchester City), eine Gelb-Rote Karte (bei Schachtjor Donezk) – die Souveränität ist weg. Dass Alonso über seinen Vertrag bis 2016 hinaus bleibt, wird von Woche zu Woche unwahrscheinlicher.

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