Interview

EHC-Crack Yannic Seidenberg: "Ich habe jetzt meine innere Mitte gefunden"

Der EHC bestreitet bei den Wild Wings sein 600. Spiel in der DEL. In der AZ spricht Yannic Seidenberg über seine Heimat Schwenningen, die Schwäche der Red Bulls in der Defensive - und Atemübungen.
| kby
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Yannic Seidenberg vom EHC Red Bull München.
Yannic Seidenberg vom EHC Red Bull München. © Matthias Balk/dpa

AZ: Herr Seidenberg, am Samstag geht es für Sie mit dem EHC Red Bull München gegen die Schwenninger Wild Wings, wie weit entfernt von der Eishalle dort sind Sie eigentlich aufgewachsen?
YANNIC SEIDENBERG: Man könnte fast sagen, ich bin in der Eishalle aufgewachsen (lacht). Aber Spaß beiseite, wir kommen aus Marbach, das ist ein kleines Dorf, etwa zehn Autominuten von der Eishalle entfernt. Und die Mama war das tägliche Taxi-Unternehmen für mich und meinen Bruder zur Halle und zurück.

Seidenberg wollte schon früh Eishockeyprofi werden

Sie kennen jeden Winkel, den Geruch in- und auswendig.
Stimmt. Wobei sich durch die Umbauten in der Halle und drumherum schon ein bisschen was verändert hat. Es fühlt sich nicht mehr ganz so sehr nach daheim an, wie früher. Trotzdem freue ich mich jedes Mal, wenn ich da bin.

Ihr Vater war der Physiotherapeut der Wild Wings.
Genau. Und ich war halt ganz oft vor den Spielen, nach den Begegnungen - eigentlich immer dabei oder sogar mit in der Kabine. Für mich war dann auch schon sehr früh klar, dass ich Eishockeyprofi werden wollte. Genau das habe ich als kleiner Kerl als Berufswunsch auch in die Freundschaftsalben und Poesiebücher reingeschrieben.

EHC-Gegner Schwenningen ist diese Saison gefährlich

Es war sicher für den Vater auch ganz speziell, dass dann beide Söhne so erfolgreiche Eishockey-Profis wurden.
Ja, und die Taxi-Mama dürfen wir auch nicht vergessen. Aber klar, der Papa war schon der, der dahinter her war, dass wir den Sport auch richtig ernst genommen haben, der uns das "ganz oder gar nicht" beigebracht hat. Er war es auch, der immer dafür gesorgt hat, dass wir auch Eishockey gespielt haben, wenn wir vielleicht mal nicht so viel Lust hatten und nur vor dem Fernseher auf der Couch lagen. Dann kam er und meinte, geht doch mal raus, ein paar Scheiben schießen. Wir hatten eine Doppelgarage und da war ein Tor drauf, da haben wir dann immer trainiert.

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Sind Sie überrascht, dass Schwenningen in dieser Saison so gut oben mitspielt?
Eigentlich nicht. Ihr Trainer Niklas Sundblad hat ja schon früher immer bewiesen, dass er sehr darauf achtet, dass die Mannschaft wirklich in seinem System spielt, zudem haben sie sich auch wirklich gut verstärkt. Es war mir eigentlich schon klar, dass Schwenningen in der Saison gefährlicher sein würde. Von dem her bin ich nicht überrascht, nein.

"Es ist Zeit, dass wir wieder richtig gute Defensive spielen"

Im Spiel vor einer Woche siegte München knapp mit 3:2.
Knapp vom Ergebnis, aber das Spiel hatten wir eigentlich gut im Griff. Nur haben wir - wie in dieser Saison bisher schon öfter - vorne selber nicht die Chance genutzt und die Tore gemacht, die uns etwas mehr Ruhe im Spiel verschafft hätten.

Überrascht muss man aber sein, dass der EHC, der immer viel Wert auf seine Defensivarbeit gelegt hat, in dieser Saison in sieben Spielen schon 22 Tore kassiert hat, davon in den letzten beiden Heimspielen je sechs Stück.
Ja, das ist extrem untypisch für uns und ärgert auch sehr. Es ist Zeit, dass wir wieder richtig gute Defensive spielen. Wir haben die Sachen sehr genau analysiert und gesehen, was wir falsch gemacht haben. Das sind oft nur Kleinigkeiten, aber das reicht aus. Und manche der Schüsse waren halt auch perfekt - auch wenn ich den Gegner nicht gerne lobe.

"Ich habe jetzt meine innere Mitte gefunden"

Wie sehr regen Sie Niederlagen noch auf? Sie waren früher dafür berüchtigt, danach richtig angefressen zu sein.
Ja, da war ich teilweise tagelang richtig sauer. Das ist jetzt nicht mehr so, wobei es mich schon noch immer aufregt, wenn ich selber einen Fehler gemacht habe. Aber ich bin jetzt 37 und Familienvater. Gerade im Lockdown habe ich sehr an mir selber gearbeitet, da hatte man die Zeit dazu.

Können Sie das näher erklären? Sie arbeiten ja schon seit längerem mit einem Mentaltrainer zusammen.
Seit acht oder zehn Jahren, aber jetzt habe ich mich mehr auf mich selber konzentriert. Ich meditiere viel, mache Atemübungen. Oft gleich nach dem Aufstehen oder vor dem Schlafen gehen. Und ich merke einfach, wie gut mir das tut, wie sehr ich nun einfach in mir ruhe. Ich habe jetzt meine innere Mitte gefunden.

EHC-Crack Seidenberg seit fast 400 Spielen dabei

Sie sprachen es an, Sie sind 37, sagt einem der Körper schon mal, dass das Alter nicht nur eine Zahl im Pass ist?
Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, alles ist wie früher. Nach manchen Spielen ist man kaputter, merkt es am nächsten Tag anders. Wenn der Körper mitmacht, würde ich noch gerne spielen, bis ich 40 bin.

Das Spiel gegen Schwenningen ist das 600. des EHC in der DEL: Sie waren bei fast 400 dabei. . .
Ja, Wahnsinn, als ich vor acht Jahren hierher kam, wusste keiner, wohin die Reise gehen wird. Aber ich bin froh, diesen Schritt gegangen zu sein. Und ich hoffe sehr, dass noch ein paar Jährchen - und Spiele - hinzukommen.

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