Sportjahr 2016: Das waren die Tops und Flops

Tennis-Queen Kerber, F1-Weltmeister Rosberg, das Beachvolleyball-Duo Ludwig und Walkenhorst oder die "Bad Boys" des DHB-Teams: Sie alle gehören zu den sportlichen Höhepunkten des Jahres. Doch 2016 hatte auch einige Sport-Flops zu bieten.
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dpa 13 Der gemeinsame Zieleinlauf beim Marathon der Olympischen Spiele in Rio sorgte für Kritik: Die Hahner-Zwillinge Lisa (l.) und Anna.

München - Das Jahr 2016 ist fast rum – verschiedene Jahresrückblicke lassen die letzten 365 Tage nochmals Revue passieren. Im Folgenden die Sport-Tops und -Flops des Jahres im Überblick:

Die Sport-Tops 2016

Angelique Kerber (28): "Angie" spricht gerne über . Zumindest sportlich gesehen ist das eine heilose Untertreibung. Die Grand-Slam-Titel in Melbourne und New York, zudem der Sprung auf Platz eins der Weltrangliste und Olympiasilber in Rio de Janeiro: Kerber füllt die Fußspuren der deutschen Tennis-Ikone Steffi Graf bestens aus - und darf sich zurecht Sportlerin des Jahres 2016 nennen.

Nico Rosberg (31): Manche nennen seine Entscheidung mutig, andere feige. Eines ist der Rücktritt von Weltmeister Nico Rosberg auf jeden Fall: konsequent. Nur vier Tage nach seinem ersten WM-Titel verabschiedete sich Rosberg zugunsten seiner Familie aus der Formel 1. Rosberg hat das geschafft, wovon viele Sportler träumen, er ist auf dem Höhepunkt seiner Karriere abgetreten. Respekt hat er dafür allemal verdient.

Fabian Hambüchen (29): Der Turner galt lange Zeit als Unvollendeter, auch wenn er schon 2007 den WM-Titel am Königsgerät Reck gewann. Im letzten großen Wettkampf seiner Turnkarriere setzte er sich unerwartet doch noch die Krone auf: Nach Bronze in Peking und Silber in London gewann Hambüchen in Rio Olympiagold. Ein sauberer Abgang für Deutschlands Sportler des Jahres 2016.

Laura Dahlmeier (23): Auf Gold-Lena folgt Gold-Laura: Mit dem Titel in der Verfolgung bei der WM in Oslo lief und schoss sich Laura Dahlmeier aus dem Schatten der Rekordweltmeisterin Magdalena Neuner. Insgesamt fünf WM-Medaillen gaben der passionierten Bergsteigerin so viel Aufwind, dass sie in der neuen Saison den Weltcup dominiert.

Glück, Trauer, Action: Die Bilder des Jahres 2016

Jan Frodeno (35): Sportler des Monats Oktober, Triathlet des Jahres und Platz zwei bei der Sportlerwahl 2016: Auch wenn nur die wenigsten die Qualen des Ironman Jan Frodeno aus eigener Erfahrung kennen, Anerkennung bekommt der Weltmeister reichlich. Auf Hawaii verteidigte Frodeno nach 3,86 km Schwimmen, 180,2 km Radfahren und einem abschließenden Marathon seinen Titel als erster Deutscher erfolgreich.

Thomas Röhler (25): 44 Jahre hatten die deutschen Speerwerfer warten müssen, bis Thomas Röhler im Olympiastadion von Rio de Janeiro zum fünften Versuch anlief. Bis auf 90,30 m segelte sein Speer - Gold! In der Heimat fieberte Klaus Wolfermann mitten in der Nacht vor dem Fernseher mit. "Es war kurz nach drei, es war wunderbar, ein absoluter Höhepunkt. Endlich wieder ein Olympiasieger!", jubelte der Goldmedaillengewinner von München 1972.

Laura Ludwig (30) und Kira Walkenhorst (26): Die beiden Beach-Girls brachten in einer magischen Vollmondnacht die Fans an der weltberühmten Copacabana zum Schweigen. Im Finale von Rio de Janeiro ließen sie den Brasilianerinnen Agatha und Barbara kaum eine Chance und holten das zweite deutsche Olympiagold im Beachvolleyball nach Jonas Reckermann/Julius Brink 2012 in London. Anders als ihre Vorgänger wurden Ludwig und Walkenhorst zur besten Mannschaft des Jahres gewählt.

Handball-Nationalmannschaft: Verdient gehabt hätte diese Auszeichnung auch das DHB-Team. Immerhin triumphierten die Bad Boys zu Beginn des Jahres überraschend bei der EM in Polen. In Rio folgte Olympia-Bronze und die Erkenntnis: Der deutsche Männer-Handball ist zurück in der Weltspitze.

Die Sport-Flops 2016

Hamburger SV: Beinahe hätte der HSV den Sprung von der Flop-Liste geschafft, immerhin hatte Bruno Labbadia dem Dino nach zwei Zitterjahren die Relegation erspart. In der zweiten Jahreshälfte 2016 kehrte jedoch das Chaos an die Elbe zurück. Erst flog Labbadia, dann wurde Klubchef Dietmar Beiersdorder entmachtet. Besser wurde es nicht: Der HSV überwintert wieder im Tabellenkeller.

TSV 1860 München: Die Löwen sind der HSV der 2. Liga - nur noch viel schlimmer. Im Sommer retteten die Löwen knapp die Klasse, mit Trainer Kosta Runjaic, Sportdirektor Thomas Eichin und einigen namhaften Neuzugängen wollte Investor Hasan Ismaik so schnell wie möglich in die Bundesliga. Am Ende des Jahres reagierte aber nur noch Chaos: Die Hoffnungsträger sind längst weg, die Journalisten bekamen Hausverbot und Ismaik legte sich zu allem Überfluss mit Uli Hoeneß an. Die graue Realität lautet wieder einmal Abstiegskampf.

Jahresrückblick 2016: Turbulentes Löwen-Jahr – Die große Show des Hasan Ismaik

Julian Draxler (23): Der Offensivspieler hatte es endlich geschafft. Als Stammspieler der deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der EM in Frankreich rückte das einstige Top-Talent ins Blickfeld der ganz großen Klubs in Europa. Zu dumm, dass Draxler sich ein Jahr zuvor dem VfL Wolfsburg angeschlossen hatte. Obwohl der frühere Schalker im Sommer alles probierte, um die Autostadt zu verlassen, blieb der VfL hart. Im Winter nahm Draxler den nächsten Anlauf, während sein Klub immer tiefer in die Krise schlitterte. Nach diesem Alleingang, der ihn schließlich zu Paris St. Germain führte, muss sich Draxler völlig zurecht Kritik gefallen lassen.

Die deutschen Schwimmer: Auf die Schmach von London folgte das Debakel von Rio: Die deutschen Schwimmer gingen bei den Olympischen Spielen erneut baden. Keine Medaille und noch weniger Finalplätze als vor vier Jahren - nun drohen im Zuge der Spitzensportreform Einschnitte in der Förderung. Die befürchten auch die deutschen Fechter, die in Rio erstmals seit 36 Jahren ohne olympisches Edelmetall blieben. Die Kürzung der Fördermittel könnte den traditionsreichen Olympiastützpunkt Tauberbischofsheim treffen, an dem einst der heutige IOC-Präsident Thomas Bach die Grundlagen für sein Olympiagold von Montreal 1976 legte.

Apropos Thomas Bach: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) mit dem gebürtigen Würzburger an der Spitze hat spätestens im Jahr 2016 die Kontrolle verloren. Inmitten des russischen Dopingskandals weigerte sich das IOC, Verantwortung zu übernehmen. Längst haben allerlei zwielichtige Gestalten das Kommando übernommen und lassen es sich in ihren Luxushotels gutgehen, während Whistleblowerin Julia Stepanowa an einem unbekannten Ort um ihr Leben bangen muss. Zu vieles ist aus den Fugen geraten im IOC und Thomas Bach mitnichten der Reformer einer längst vergessenen Idee.

Das Jahr 2016 zum Durchklicken: Die AZ-Top-Stories

Bach und seine Mitstreiter hielten vor und nach den Spielen in Rio zu Russland, obwohl dem Riesenreich Staatsdoping nachgewiesen worden war. Ermittler Richard McLaren deckte Russlands Machenschaften in zwei Berichten auf, selten zuvor bekamen die Sportfans einen derart detaillierten Einblick in den Dopingsumpf. Mehr als 1000 Sportler haben vom schmutzigen System profitiert. Wenn Einsicht der erste Schritt zur Besserung ist, bestehen große Zweifel, dass sich in Russland etwas ändert. Das Doping-Geständnis kurz vor dem Jahreswechsel dementierte die russische Anti-Doping Agentur RUSADA postwendend.

Ryan Lochte (32): Manchmal hüpft im Kopf von Ryan Lochte eine Banane, so erklärte er zumindest seine gelegentlichen Blackouts in Interviews. Was dem US-Schwimmer durch die Birne sprang, als er während der Olympischen Spiele in Rio mit ein paar Teamkollegen an einer Tankstelle randalierte und sich danach eine Räuberpistole vom Allergemeinsten ausdachte, bleibt sein Geheimnis.

Anna und Lisa Hahner (27): Hand in Hand liefen sie über die Ziellinie, sie strahlten, feixten und jubelten über ein Rennen, das mit den Plätzen 81 und 82 sportlich weit unter ihrem Niveau lag. Der Auftritt der Marathon-Zwillinge Anna und Lisa Hahner in Rio war befremdlich, der Zieleinlauf hatte etwas von einem Marketing-Gag. Der ging allerdings gründlich schief. Einige deutsche Marathon-Veranstalter gingen auf Distanz zu den Hahner-Schwestern.

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