"Wäre Angela Merkel nie passiert": Linken-Mann Dietmar Bartsch stichelt bei Lanz gegen Merz
Bundeskanzler Friedrich Merz steckt spätestens seit der Schlappe der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt in einer ernsten Krise. Seit Tagen wird öffentlich darüber spekuliert, ob er politisch überhaupt noch durchhält. Kurz vor den anstehenden Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern und Berlin meldeten sich nun acht CDU-Ministerpräsidenten mit einer gemeinsamen Erklärung zu Wort und stellten sich demonstrativ hinter den Kanzler.
ZDF-Moderator Markus Lanz wollte deshalb am Mittwochabend wissen, wie es hinter den Kulissen der Union wirklich aussieht: "Woher diese Wendung?" CDU-Politiker Mathias Middelberg reagierte zurückhaltend und erklärte, er habe "nichts von einem D-Day oder einer Vertrauensfrage" mitbekommen: "Ich glaube, das Ganze ist eher medial hochgespielt." Lanz hakte ungläubig nach: "Also es gab das alles nicht?" Daraufhin ruderte Middelberg ein Stück zurück und räumte ein, dass es in der CDU "eine Diskussion (...) um die Situation in der Union" gebe.
Als Lanz wissen wollte, ob dabei auch die Frage im Raum stehe, ob man "vorzeitig" den Kanzler austauschen müsse, bestätigte Middelberg offen: "Ehrlicherweise gibt es auch darüber eine Diskussion." Gleichzeitig versuchte er, die Personalfrage zu relativieren und mahnte, dass ein Wechsel an der Spitze aus seiner Sicht "die Lage" nicht verändern würde. Vielmehr gelte: "Ein neuer Kanzler stünde vor den gleichen Problemen." Journalistin Kerstin Münstermann widersprach indirekt und deutete das Schreiben der Ministerpräsidenten als Notbremse: Der Brief zeige, "dass die Lage kurz vorm Implodieren war". Ihrer Einschätzung nach sollte vor den Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern vor allem eines erreicht werden: "Die Lage zu beruhigen."
Ahmad Mansour bezeichnet soziale Medien als "Massenvernichtungswaffen"
Im Studio ging es anschließend um den politischen Betrieb und um interne Leaks. Mathias Middelberg ärgerte sich offen darüber, dass vertrauliche Details gezielt an Medien gespielt würden: "Es ist Disziplinlosigkeit." Lanz fragte nach: "Was sagt das über den Politikbetrieb?" Middelberg fand deutliche Worte: "Das macht natürlich (...) vertrauliche Gespräche kaputt. (...) Das ist eine Katastrophe."
Ahmad Mansour pflichtete ihm bei und warnte grundsätzlich vor der Dynamik öffentlicher Erregung: "Wir haben eine Politik-Kommunikation, die vor allem in den sozialen Medien stattfindet. Das sind Spaltungsmaschinerien. Ich nenne sie sogar Massenvernichtungswaffen, die tagtäglich nichts anderes tun, außer uns wütend zu machen, emotionaler zu machen."
Lanz bohrte weiter und fragte mit Blick auf Merz: "Dieser Autoritätsverlust - wie kriegt man den wieder geheilt?" Middelberg blieb vage: "Wenn das politische Umfeld insgesamt sich positiv und gut entwickelt, dann entwickelt sich auch das Image von Personen mit." Zugleich räumte er ein, dass Tempo und Umsetzung der Reformpläne eine Rolle spielten: "Wenn wir in der Regierung das, was wir vorhaben und vorhatten, schneller umgesetzt hätten, dann (...) wäre die Gesamtstimmung eine andere und dann wären auch die Zustimmungswerte für Friedrich Merz andere."
Linken-Politiker Dietmar Bartsch setzte derweil einen anderen Akzent. Er warf Merz vor, er habe "ein Erwartungsmanagement aufgerufen", "was niemals realisierbar war". Er legte nach: "Jetzt kommen eben wirklich noch elementare Fehler, weil er keine Erfahrung im Regieren hat, dazu. Das wäre Angela Merkel nie passiert!"
Bartsch über CDU-Wahlschlappen: "Trotzdem wird es so weitergehen"
Angesichts der schlechten Wahlergebnisse der CDU betonte Mathias Middelberg in der ZDF-Sendung, Merz nehme das Votum ernst: "Er geht schon mit dem Ergebnis ehrlich um und er sieht auch den bundespolitischen Impact." Ahmad Mansour widersprach: "Ich habe nicht das Gefühl, dass das wirklich verstanden wird." Seiner Ansicht nach sei "die ganze Wahlkampagne" der Union "eine Anti-AfD"-Kampagne gewesen. Der Soziologe warnte: "Wir stehen vor einer gigantischen Verschiebung der politischen Landschaft. Und die großen Parteien haben keine Antworten auf die Fragen der Menschen."
Dietmar Bartsch blickte derweil nüchtern auf die anstehenden Urnengänge: "Die Union wird in Mecklenburg-Vorpommern (...) verlieren. Die Union wird in Berlin verlieren - das ist sicher. Und trotzdem wird es so weitergehen." Er kritisierte: "Es gibt überhaupt kein Konzept (...) und die einzigen, die davon profitieren, sind die, die keine Antworten haben, aber sehr laut sind." Mansour konterte mit einer Zuspitzung: "Genau, das sind zwei Parteien übrigens. Auf der einen Seite die AfD und auf der anderen Seite die Linkspartei." Bartsch wies dies empört zurück: "Das teile ich überhaupt nicht, diese Gleichsetzung!" Er setzte nach: "Das ist wirklich schwer daneben!"
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