Wähler mit Migrationshintergrund wenden sich von Parteien ab

Immer weniger Menschen mit Migrationshintergrund fühlen sich von deutschen Parteien angesprochen. Die SPD schneidet bei ihnen insgesamt noch am besten ab.
dpa |
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Cem Özdemir (Grüne) aus Baden-Württemberg ist der erste Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes mit Wurzeln in der Türkei. (Archivfoto)
Cem Özdemir (Grüne) aus Baden-Württemberg ist der erste Ministerpräsident eines deutschen Bundeslandes mit Wurzeln in der Türkei. (Archivfoto) © Jennifer Kramer/dpa
Berlin

Wählerinnen und Wähler mit Migrationshintergrund gehen noch stärker auf Distanz zu den Parteien als andere Wahlberechtigte. Das zeigen die Ergebnisse einer Untersuchung des Deutschen Zentrum für Integrations- und Migrationsforschung (Dezim) zur Wahlneigung verschiedener Bevölkerungsgruppen. 

Vor allem eine Gruppe geht auf Abstand

Unter deutschen Staatsbürgern mit Migrationshintergrund war der Anteil derer, die eine bestimmte Partei für wählbar halten, demnach im Winter 2024/2025 deutlich geringer als ein Jahr zuvor. Das gilt insbesondere für Wählerinnen und Wähler, die Wurzeln in der Türkei haben, in Nahost, Nordafrika, Afghanistan oder Pakistan. Von ihnen konnte sich zum Zeitpunkt der Befragung nur jeder Zweite vorstellen, jemals CDU oder CSU zu wählen, nach 67 Prozent ein Jahr zuvor. Die SPD rutschte in dieser Gruppe von 71 Prozent auf 60 Prozent ab. Auch die Linke verlor unter Wahlberechtigten mit familiären Wurzeln in diesen Staaten deutlich an Zuspruch.

AfD kommt bei Zugewanderten aus Ex-Sowjetstaaten besser an

Die AfD kommt bei Wahlberechtigten mit Migrationshintergrund insgesamt weniger gut an als bei Wählern, deren Eltern beide von Geburt an Deutsche waren. Die einzige Ausnahme bilden hier Menschen, die ihre Wurzeln in Russland oder anderen Staaten der früheren Sowjetunion haben. Im Winter 2024/2025 konnten sich überdurchschnittlich viele Befragte aus dieser Gruppe vorstellen, die Partei zu wählen, die vom Verfassungsschutz als rechtsextremistischer Verdachtsfall beobachtet wird und die Unterstützung der Ukraine in ihrem Abwehrkampf gegen Russland kritisiert. 

Die Forscher hatten für ihre Untersuchung nicht gefragt, wen die Teilnehmer der Umfrage wählen würden, wenn schon am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, sondern, wie wahrscheinlich es ist, dass sie eine bestimmte Partei jemals wählen würden. 

SPD trotz mangelnden Vertrauens auf erstem Platz

Danach hat die SPD bei zugewanderten Wählern und ihren Nachkommen insgesamt noch das größte Wählerpotenzial. Rund zwei Drittel der Wahlberechtigten mit Migrationsgeschichte halten die Sozialdemokraten für wählbar. CDU und CSU belegen laut Dezim mit relativ geringem Abstand den zweiten Platz. 

Als Mensch mit Migrationshintergrund im Sinne der Studie gelten Menschen, die einen Elternteil haben, der ohne deutsche Staatsangehörigkeit geboren wurde.

Hinweis: Diese Meldung ist Teil eines automatisierten Angebots der nach strengen journalistischen Regeln arbeitenden Deutschen Presse-Agentur (dpa). Sie wird von der AZ-Onlineredaktion nicht bearbeitet oder geprüft. Fragen und Hinweise bitte an feedback@az-muenchen.de

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