Seehofer, Stoiber, Strauß: CSU-Harmonie in Passau

Trotz Krisen und Kriege: Bei der CSU ist die Welt beim politischen Aschermittwoch noch in Ordnung. Die Partei erlebt eine harmonische Passauer Kundgebung, bei der der tote Franz Josef Strauß eine große Rolle spielt.
| dpa/az
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Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt (von links unten, im Uhrzeigersinn), der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber, der Bezirksvorsitzende in Niederbayern, Manfred Weber, Generalsekretär Andreas Scheuer, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (alle CSU) und seine Frau Karin
dpa Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt (von links unten, im Uhrzeigersinn), der ehemalige Ministerpräsident Edmund Stoiber, der Bezirksvorsitzende in Niederbayern, Manfred Weber, Generalsekretär Andreas Scheuer, der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer (alle CSU) und seine Frau Karin

Passau - Bayern sei die Vorstufe zum Paradies, lautet ein Lehrsatz von CSU-Chef Horst Seehofer. Zum Beginn der Fastenzeit erleben die mehr als 3000 Teilnehmer beim politischen Aschermittwoch der CSU zwar eine spannungsfreie Kundgebung ohne interne Dissonanzen. Doch die Schatten der Krisen und Kriege in der Ukraine, Nordafrika und dem Nahen Osten reichen bis in die Dreiländerhalle. "Die Welt hat sich verändert", sagt der niederbayerische Lokalmatador Manfred Weber, als Fraktionschef der konservativen EVP im Europaparlament der einflussreichste Außenpolitiker der CSU. "Wir Europäer müssen vorsichtig sein."

In der Ukraine-Krise unterstützt die CSU Kanzlerin Bundeskanzlerin Angela Merkel Kurs ohne Wenn und Aber. "Es gibt keine militärische Lösung", sagt Weber. Aber die Europäer dürften sich nicht veralbern lassen oder wegsehen. "Wir müssen die größte Waffe, die wir haben, auch einsetzen, und das sind Wirtschaftssanktionen." Der Beifall ist verhalten - zu bedrohlich der Krieg in der Ostukraine. "Russland ist eine Atommacht", sagt Weber. "Das müssen wir respektieren."

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Weitaus leichter verdaulichen Stoff für den politischen Aschermittwoch der CSU bieten die neue griechische Regierung und deren Versuche, die Sparauflagen der EU auszuhebeln. "Wir sind es leid, die Provokationen aus Griechenland jeden Tag zu hören", sagt Weber. "Ganz Europa ist nicht mehr bereit, die Wahllügen der Griechen zu bezahlen." Ein Beifallssturm tost durch die Halle.

Seit jeher ist die CSU-Aschermittwochskundgebung eine Veranstaltung, bei der sich Parteispitze, -basis und die angereisten CSU-Fanklubs der CDU selbst feiern. Manche kommen seit Jahrzehnten. Der CDU-Ortsverband aus der niedersächsischen Kleinstadt Peine ist zum 40. Mal dabei - mit einer achtzig-Mann-Delegation.

Die Rolle des Wohlfühl-Redners übernimmt zunächst der Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber. Im September jährt sich der 100. Geburtstag von Franz Josef Strauß, Stoiber feiert den 1988 gestorbenen Patriarchen schon vorab. "Wir grüßen dich logischerweise im Himmel, aus der Stadt, wo Du uns immer so begeistert die Zukunft erklärt hast", sagt Stoiber zum toten Strauß.

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Doch reine Vergangenheitsverklärung ist Stoibers Sache nicht. Er beschwört die CSU, der AfD am rechten Rand keinen Raum zu geben. "Wir brauchen keine Parteien, die nur anklagen, ohne Lösungsvorschläge zu haben." Rechts der Union dürfe es keine demokratisch legitimierte Partei geben, zitiert er einen alten FJS-Grundsatz. "Dieses Wort ist für mich ein Vermächtnis, ein Auftrag, eine Verpflichtung."

Die Zuhörer sind von Beginn an guter Stimmung. "Es gibt eigentlich kein Thema, das die CSU derzeit belastet", sagt ein führendes Vorstandsmitglied. Andere CSU-Politiker stimmen zu. "Wir haben in diesem Jahr ja auch keine Wahlen." Auch die mit CSU-internem Gefahrenpotenzial verbundene Klärung der Seehofer-Nachfolge wird nicht in diesem Jahr erwartet.

Für Gesprächsstoff sorgt zwar ein Treffen junger CSU-Politiker, zu dem der verblasste Hoffnungsträger Karl-Theodor zu Guttenberg am Wochenende nach Niederbayern anreisen wird. Der niederbayerische CSU-Bezirkschef und EVP-Fraktionschef Weber ist ein langjähriger Verbündeter Guttenbergs. Zwar rätseln manche, ob Guttenberg ein weiteres Mal sein Comeback plant, doch Alarmstimmung löst das geplante Treffen nicht aus.

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