Rücktritt: Haderthauer stolpert über Modellauto-Affäre

Das Aus kommt für ihre Kritiker viel zu spät, aber am Ende schneller als erwartet: Am Montagabend erklärt Bayerns Staatskanzleichefin Haderthauer wegen der "Modellauto-Affäre" ihren Rücktritt. Der Druck auf sie und ihren Chef Seehofer war am Ende zu groß.
| dpa
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Christine Haderthauer erklärte am Montagabend ihren Rücktritt als Staatskanzleichefin.
dpa Christine Haderthauer erklärte am Montagabend ihren Rücktritt als Staatskanzleichefin.

München - Drei Minuten. Gerade mal drei Minuten braucht Christine Haderthauer am Montagabend in der Staatskanzlei, um vor den eilends zusammengerufenen Journalisten ihren Rücktritt zu erklären. In einem "sehr freundschaftlichen Gespräch" habe sie Ministerpräsident Horst Seehofer zuvor ihren Entschluss mitgeteilt. Der lässt nachher mitteilen, er persönlich bedaure es, ein meinungsstarkes und couragiertes Kabinettsmitglied verloren zu haben.

Aus, vorbei. Mit Haderthauer verliert Seehofer tatsächlich eine politische Allzweckwaffe, die stets lautstark für die bayerischen Belange und die der CSU gekämpft hat, in Berlin und anderswo. Allzu leicht wird es für Seehofer nicht, die 51-Jährige zu ersetzen.

AZ-Kommentar: Haderthauer-Rücktritt: Totalschaden!

Und doch ist Haderthauer, vor allem aber auch Seehofer selbst in den vergangenen Wochen offenbar zu der Erkenntnis gelangt, dass es so nicht weitergeht. Zwar haben die Betrugsermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen Haderthauer bisher zu keinen öffentlich bekannten Ergebnissen geführt. Zwar ist die CSU-Politikerin nicht der Lüge überführt. Zwar gibt es auch ansonsten keinen Vorwurf, der unweigerlich zum sofortigen Rücktritt hätte führen müssen. Allerdings ist die Summe der immer neuen Fragen, der immer neuen Zweifel am Gebaren Haderthauers schlichtweg zu groß geworden - auch und besonders für Seehofer.

Lesen Sie hier die Chronologie im Fall Christine Haderthauer

Der Fall Haderthauer gleicht mittlerweile einem fast undurchdringlichen Dickicht. Da ist Haderthauers Ehemann Hubert, von Beruf Landgerichtsarzt, der irgendwann damit begann, Geschäfte mit von Straftätern gebauten Luxus-Modellautos zu machen. Der talentierteste Bastler war ein in der Psychiatrie untergebrachter Dreifachmörder. Mit im Boot bei der Firma Sapor Modelltechnik war über viele Jahre hinweg Christine Haderthauer, damals noch nicht in der aktiven Politik.

Als sie 2003 in den Landtag gewählt wird, stiegt sie aus der Firma aus - wobei es inzwischen auch Zweifel gibt, ob dieser Ausstieg rechtlich korrekt abgewickelt wurde. Und heute wirft der damalige Geschäftspartner der Haderthauers, Roger Ponton, dem Ehepaar vor, sie bei einer Abfindungsvereinbarung im Jahr 2011 übers Ohr gehauen zu haben.

Rechtlich, so sagt Haderthauer, ist sie sich ihrer Sache nach wie vor sicher. Allein wegen des Ermittlungsverfahrens sei ein Rücktritt "nicht angemessen", an dieser Einschätzung habe sich nichts geändert. "Damals wie heute bin ich auch davon überzeugt, dass ich die juristischen Vorwürfe vollständig ausräumen kann." Und auch Seehofer betont am Montag, es gelte weiter die Unschuldsvermutung.

Lesen Sie hier: Seehofer zollt Christine Haderthauer

Eine monatelange Hängepartie mit einer derart angeschlagenen Ministerin aber konnte sich der Regierungschef nicht leisten. Was, wenn das Ermittlungsverfahren noch Monate dauert? Zudem hatte die Opposition eine Sondersitzung des Landtags erzwungen, für den 16. September. Auch ein Untersuchungsausschuss soll Licht ins Dunkel bringen.

Das alles mit Haderthauer auf einem der wichtigsten Schaltposten hätte die CSU-Arbeit in Berlin und in München schwer beeinträchtigt. Darauf verweist auch Haderthauer in ihrer Rücktrittserklärung. Zur Klärung der vielen aufgeworfenen Fragen brauche sie "Kraft und Konzentration". Und es sei zu befürchten gewesen, dass die mediale Berichterstattung ansonsten ihr Amt und die damit verbundenen politischen Themen komplett überlagern würde. Das entspreche nicht ihrem Amtsverständnis.

Den entscheidendsten Fehler der vergangenen Wochen hat Haderthauer nach Einschätzung von Parteifreunden möglicherweise gemacht, als sie ihr Engagement in der Firma Sapor Modelltechnik als "von Idealismus getragen" bezeichnete. Diese Äußerung kritisierte sogar Seehofer. Jetzt muss er schnell einen Ersatz für Haderthauer finden.

 

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