Reich-Ranicki schildert Deportation der Warschauer Juden

Stille und Erschütterung im Bundestag – mit brüchiger Stimme erzählt Marcel Reich-Ranicki, was er unmittelbar vor der Ermordung der Juden aus dem Warschauer Ghetto erlebte.
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Zum Holocaust-Gedenktag hat der Bundestag in einer 
Gedenkstunde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
dpa 14 Zum Holocaust-Gedenktag hat der Bundestag in einer Gedenkstunde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.
In seiner 
Rede erinnerte der Ghetto-Überlebende Marcel Reich-Ranicki an die 
Gräueltaten der Nazis.
dpa 14 In seiner Rede erinnerte der Ghetto-Überlebende Marcel Reich-Ranicki an die Gräueltaten der Nazis.
Nicht als Historiker, sondern als Zeitzeuge 
trete er vor den Bundestag, so Reich-Ranicki.
dpa 14 Nicht als Historiker, sondern als Zeitzeuge trete er vor den Bundestag, so Reich-Ranicki.
Während seiner Zeit in 
Warschau habe er Erschießungen und Verhaftungen mit ansehen müssen. 
Der 91-jährige berichtete von der Umsiedlung, Vertreibung und 
Verfolgung der Warschauer Juden.
dpa 14 Während seiner Zeit in Warschau habe er Erschießungen und Verhaftungen mit ansehen müssen. Der 91-jährige berichtete von der Umsiedlung, Vertreibung und Verfolgung der Warschauer Juden.
Er beendete seine Rede mit den 
Worten: „Die Aussiedlung aus Warschau hatte nur einen Zweck – nur 
ein Ziel: den Tod.“
dpa 14 Er beendete seine Rede mit den Worten: „Die Aussiedlung aus Warschau hatte nur einen Zweck – nur ein Ziel: den Tod.“
Der Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), 
Hans-Gert Pöttering, verwies auf die besondere Verantwortung 
Deutschlands und der EU im Kampf gegen Antisemitismus.
dpa 14 Der Vorsitzende der CDU-nahen Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS), Hans-Gert Pöttering, verwies auf die besondere Verantwortung Deutschlands und der EU im Kampf gegen Antisemitismus.
Darüber 
hinaus übte Pöttering in Brüssel scharfe Kritik an jeder Form der 
Holocaust-Leugnung. „Wer den Holocaust leugnet, der leugnet die 
Menschlichkeit, der leugnet den menschlichen Willen, aus der 
Geschichte zu lernen“, so der KAS-Vorsitzende.
dpa 14 Darüber hinaus übte Pöttering in Brüssel scharfe Kritik an jeder Form der Holocaust-Leugnung. „Wer den Holocaust leugnet, der leugnet die Menschlichkeit, der leugnet den menschlichen Willen, aus der Geschichte zu lernen“, so der KAS-Vorsitzende.
Gleichzeitig warnte 
er mit Blick auf den Nahost-, Kritik an politischen Entscheidungen 
der israelischen Regierung dürfe nicht als Antisemitismus verstanden 
werden.
dpa 14 Gleichzeitig warnte er mit Blick auf den Nahost-, Kritik an politischen Entscheidungen der israelischen Regierung dürfe nicht als Antisemitismus verstanden werden.
Weltweit wird am Holocaust-Gedenktag der Opfer des 
Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die 
Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden.
dpa 14 Weltweit wird am Holocaust-Gedenktag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden.
Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen 
Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 
1996 erinnert auch der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an 
die Befreiung des Vernichtungslagers.
dpa 14 Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert auch der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers.
Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
dpa 14 Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
dpa 14 Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
dpa 14 Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki
dpa 14 Holocaust-Gedenktag mit marcel Reich-Ranicki

Berlin  – In einer eindringlichen Schilderung hat der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki im Bundestag vom Beginn der Deportation der Juden aus dem Warschauer Ghetto berichtet. Zum 67. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz erzählte der 91-jährige Überlebende als Zeitzeuge, wie die SS im Juli 1942 die „Umsiedlung“ anordnete.

Reich-Ranicki arbeitete als Übersetzer für den Judenrat und wurde in das Zimmer des Obmanns Adam Czerniaków gerufen. Der SS-Sturmbannführer Hermann Höfle suchte einen Protokollanten. „Ich bejahte knapp“, erzählte Reich-Ranicki mit brüchiger Stimme. Reich-Ranicki erfuhr als Protokollant, dass die SS die sofortige „Umsiedlung“ der Warschauer Juden „nach Osten“ anordnete. Unter anderem die Ehefrauen und Kinder der beim Judenrat Beschäftigten würden ausgenommen. Sofort habe er seine Freundin Teofila gerufen. Sie heirateten noch am gleichen Tag. Reich-Ranickis Ehefrau starb 2011 nach 69 Ehejahren.

Zum Schluss seiner bewegenden Rede sagte er bilanzierend: „Die in den Mitvormittagsstunden des 22. Juli 1942 begonnene Deportation der Juden aus Warschau nach Treblinka dauerte bis Mitte September. Was die 'Umsiedlung der Juden' genannt wurde, war bloß (...) eine Aussiedlung, die Aussiedlung aus Warschau. Sie hatte nur ein Ziel, sie hatte nur einen Zweck – den Tod.“

Reich-Ranicki war ganz offensichtlich gesundheitlich angeschlagen. Bundespräsident Christian Wulff und der Präsident des Bundesverfassungsgerichtes, Andreas Voßkuhle, stützten den 91-Jährigen auf dem Weg zum und vom Rednerpult. An dem Gedenken nahmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Bundesratspräsident Horst Seehofer (CSU) teil. Nach der Rede herrschte im Bundestag minutenlange Stille, unterbrochen durch verhaltenen Beifall.

Am Holocaust-Gedenktag wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Am 27. Januar 1945 waren die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz befreit worden. Auschwitz steht für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Seit 1996 erinnert auch der Bundestag jährlich in einer Gedenkstunde an die Befreiung des Vernichtungslagers.

Zunächst hatte Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) Bürger gewürdigt, die sich gegen Rechtsextremismus und Neonazi-Umtriebe engagieren. „Es sind Menschen, die ein Beispiel geben und Mut machen“, sagte er.

Lammert erinnerte an die im vergangenen Herbst aufgedeckte Neonazi-Mordserie. Diese Gewalt und dieser Hass seien nicht zu akzeptieren, sagte er. Der Parlamentspräsident wies auch darauf hin, dass nach aktuellen Untersuchungen 20 Prozent der Bundesbürger latent antisemitisch eingestellt seien. „Das sind in Deutschland genau 20 Prozent zu viel“, sagte er. Am Mittag sollte sich der Neonazi-Untersuchungsausschuss des Bundestags konstituieren.

 

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