Lange Gesichter in Berlin

Wie Schwarz-Gelb versucht, das Debakel zu erklären – aber nicht daran schuld zu sein.
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Lange Gesichter: Kanzlerin Angela Merkel (Mitte) und ihre glücklosen Spitzenkandidaten Stefan Mappus und Julia Klöckner.
AP Lange Gesichter: Kanzlerin Angela Merkel (Mitte) und ihre glücklosen Spitzenkandidaten Stefan Mappus und Julia Klöckner.

Berlin - Einen Tag lang hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel geschwiegen, eine schrecklich lange Wahlnacht sich in ihrem Kanzleramt verschanzt. Dann war die Regierungschefin wieder da, mit düsteren Worten im Mund und immerhin Blumen in der Hand: für die beiden Unionsverlierer Stefan Mappus aus Baden-Württemberg und Julia Klöckner aus Rheinland-Pfalz. Die beiden Frühlingssträuße blieben das einzige, was gestern bei der CDU nach guter Laune aussah. Ansonsten gab sich Merkel wenig blumig: „ein sehr schmerzlicher Tag“, „ein tiefer Einschnitt“, den die Partei auch nicht so schnell wegstecken könne – so sprach Bundeskanzlerin Angela Merkel über das Wahldesaster von Baden-Württemberg.

Richtig Verantwortung übernehmen freilich wollte in der Union niemand für den Verlust der Mehrheit im einstigen Stammland Baden-Württemberg. Schuld ist nicht die Partei, schuld ist der GAU in Japan, so die Sprachregelung bei der CDU. Mit der Katastrophe von Fukushima sei die Ursache für den Absturz der Union „sehr klar gesetzt“, meinte Bundeskanzlerin Angela Merkel. Ähnlich sagte es auch der abgewählte Stuttgarter Regierungschef Mappus.

Auch bei der Frage nach Konsequenzen kommt Bundeskanzlerin Angela Merkel nicht so richtig in die Gänge. Beim umstrittenen Atom-Moratorium will Bundeskanzlerin Angela Merkel auf ihrem Kurs bleiben, wie immer der genau aussieht. Und eine Kabinettsumbildung sei nicht geplant. Das ist aus Merkels Sicht auch nachvollziehbar – schließlich hatte sie ihre Mannschaft nach dem Aus für ihren Ex-Star Karl-Theodor zu Guttenberg gerade erst neu aufstellen müssen.

Da sind einige in der FDP schon weiter. Bei den Liberalen gilt ein Rückzug des Wirtschaftsministers Rainer Brüderle als wahrscheinlich. Der Rheinland-Pfälzer hatte Schwarz-Gelb mit seinen Plaudereien über das angeblich nur Wahlkampfzwecken dienende Moratorium den Todesstoß versetzt. Auf ihn könnte Gesundheitsminister Philipp Rösler folgen, der wiederum würde im Gesundheitsressort von Daniel Bahr beerbt.

Debatten gibt es auch in der CSU. Dort platzte Ex-Parteichef Erwin Huber der Kragen: Die Unionsspitze habe „durch ein chaotisches Krisenmanagement in den letzten 14 Tagen einen wesentlichen Beitrag geleistet, dass Baden-Württemberg verloren gegangen ist“, polterte er. Von einer „Katastrophe“ durch „überstürztes, wahltaktisch orientiertes Handeln“ sprach auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann, ohne Merkel zu nennen. Das rief vorsorglich Parteichef Horst Seehofer auf den Plan: „Wir stehen zur Bundeskanzlerin.“

 

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