„I love Cash“

Peer Steinbrück peilt einen Haushalt ohne Schulden an – er könnte der erfolgreichste deutsche Finanzminister überhaupt werden.
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Er kann scharf rechnen, und er kann scharf sein. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).
dpa Er kann scharf rechnen, und er kann scharf sein. Finanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Peer Steinbrück peilt einen Haushalt ohne Schulden an – er könnte der erfolgreichste deutsche Finanzminister überhaupt werden.

Am Mittwoch Vormittag hat Peer Steinbrück seinen großen Auftritt im Kanzleramt. Im großen Kabinettssaal wird es schöne Bilder für die Kameras von und mit dem Bundesfinanzminister geben: kollegiales Schulterklopfen, joviales Zähnefletschen, dickleibige Aktenstapel. Hintergrund: Der Haushalt 2009 ist unter Dach und Fach.

Das Entscheidende daran ist nicht, dass die Ausgaben um 5,2 Milliarden Euro steigen. Auch nicht, dass der Bund kommendes Jahr noch einmal 10,5 Milliarden neue Schulden aufnehmen muss, obwohl Steinbrück die meisten der ausufernden Ausgabenwünsche seiner Kabinettskollegen in Chefgesprächen noch zurechtstutzen konnte. Steinbrücks entscheidende Botschaft, für die er die Rückendeckung der Kanzlerin und CDUChefin hat, lautet vielmehr: 2011 will die Regierung endlich einen ausgeglichenen Bundeshaushalt vorlegen. Dann soll es, erstmals seit Jahrzehnten, keine neuen Schulden mehr geben. Wenigstens das soll in guter Erinnerung bleiben von der großen Koalition. Der „Spiegel“ nennt Steinbrück schon „den letzten Großkoalitionär“.

Kein falscher Platz

Und fügt über den Mann, der immerhin Parteivize der Sozialdemokraten ist, den vergifteten, aber nicht falschen Satz hinzu: „In der SPD trifft Steinbrück auf Leute, die sind ihm so herzlich zuwider, dass sie ihn fast in die CDU treiben könnten.“

Dort wiederum äußern sie sich auffällig freundlich über den roten Kassenwart: „Dass man mit einem Sozialdemokraten so gut Finanzen ordnen kann, hätte ich vor zwei Jahren nicht gedacht“, lobt CDUHaushälter Steffen Kampeter. Auf der anderen Seite: Der 61-jährige Diplom-Volkswirt pflegt sorgsam sein Image des Bärbeißigen, Kantigen, Unpopulären. Denjenigen Kabinettskollegen, die während der Haushaltsgespräche besonders dreiste Wünsche angemeldet hatten, ließ der Minister blaue Briefe zustellen, in denen er kühl mit dem Entzug der Etathoheit drohte. Und vor dem Fußball-EM-Finale gegen Spanien war Steinbrück kaltschnäuzig genug, sechs Flaschen Wein auf eine deutsche Niederlage zu wetten.

Steinbrück ist – wie sein Vorbild, Altkanzler und Ex-Finanzminister Helmut Schmidt, gebürtiger Hamburger. Man merkt ihm das von weitem an. Dazu gehört nicht nur eine spröde, muffelige Art. Sondern auch ein scharfzüngiger, ironischer, manchmal auch verletzender Humor, der sich intellektuell ausnimmt im Vergleich zum schallenden Westfalen- Lachen Frank-Walter Steinmeiers oder den jovialen Schoppen-Witzen Kurt Becks. „Frau Bundeskanzlerin, schön, dass ich Sie auch mal kennenlerne“, begrüßte Steinbrück jüngst in Wien eine total perplexe Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Zu Beginn ein Versorgungsfall

Zu Beginn seiner Berliner Zeit galt Steinbrück als politischer Versorgungsfall. Der CDU-Populist Jürgen Rüttgers hatte den vormaligen NRW Regenten 2005 aus der Düsseldorfer Staatskanzlei gefegt.

Also kürte der damalige SPD Chef Franz Müntefering den gefallenen Partei-Rechten zum Finanzminister der großen Koalition – als Nachfolger Hans Eichels, der unter Rot- Grün am Anfang als „eiserner Hans“ gefeiert, dann aber zunehmend belächelt und von Kanzler Schröder im Kabinett sogar offen verspottet wurde („Lass mal gut sein, Hans“).

Markus Jox

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