Guttenberg teilt aus: Schwere Vorwürfe gegen Uni

Rundumschlag neun Monate nach dem Rücktritt: In einem mehr als 200-seitigen Interview in Buchform attackiert Karl-Theodor zu Guttenberg die Universität Bayreuth und politische Weggefährten.
| dpa
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Rundumschlag neun Monate nach dem Rücktritt: In einem mehr als 200-seitigen Interview in Buchform attackiert Karl-Theodor zu Guttenberg die Universität Bayreuth und politische Weggefährten. Sein politisches Erbe verteidigt er.

Berlin - Vor allem seiner ehemaligen Hochschule macht der frühere Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat der Universität Bayreuth in der Plagiatsaffäre schwere Vorwürfe. "Die Universität war in dieser Sache leider nicht unabhängig, wie etwa die Staatsanwaltschaft, sondern immer Partei", sagt der 39-jährige CSU-Politiker in dem Interview-Buch "Vorerst gescheitert", das an diesem Dienstag erscheint.

Der bayerische Wissenschaftsminister Wolfgang Heubisch (FDP) wies die Vorwürfe am Montag zurück. Er attestierte der Uni eine sorgfältige und unabhängige Prüfung der Doktorarbeit Guttenbergs. "Daran gibt es nichts zu deuten."

Der frühere Verteidigungsminister greift in dem Buch auch ehemalige Weggefährten aus der CDU an. Er wirft Bildungsministerin Annette Schavan, Bundestagspräsident Norbert Lammert und dem früheren Ministerpräsidenten Sachsen-Anhalts, Wolfgang Böhmer, vor, ihm in der Affäre ohne Vorwarnung in den Rücken gefallen zu sein. Sein politisches Erbe verteidigt er in dem Buch vehement.

Überraschend enthüllt Guttenberg aber, dass er auch ohne die Plagiatsaffäre vor der Bundestagswahl 2013 seinen Regierungsposten als Verteidigungsminister räumen wollte, um sich nicht zu sehr vom Politikbetrieb vereinnahmen zu lassen. "Ich habe der Bundeskanzlerin Ende letzten Jahres angekündigt, dass ich wahrscheinlich vor Ende der Legislaturperiode aufhören werde."

Guttenberg war Anfang März zurückgetreten, nachdem in seiner Doktorarbeit zahlreiche ungekennzeichnete Zitate entdeckt worden waren. In dem Interview, das "Zeit"-Chefredakteur Giovanni di Lorenzo mit ihm im Oktober in einem Londoner Hotel geführt hatte, meldet er sich jetzt erstmals wieder ausführlich zu Wort.

Guttenberg bekennt sich unter anderem zu zahlreichen Fehlern in seiner Doktorarbeit. Den Vorwurf der vorsätzlichen Täuschung, den die Uni Bayreuth erhoben hat, weist er aber entschieden zurück. Das Urteil der Prüfung seiner Arbeit habe von vornherein festgestanden. "Offensichtlich ging es ... um den drohenden Verlust von Forschungsgeldern", sagt Guttenberg. "Ich bin nicht bereit, mir von einer Kommission, die noch nicht einmal mehrheitlich mit Juristen besetzt gewesen ist, eine rechtlich relevante vorsätzliche Täuschung vorwerfen zu lassen."

Von seinen Kritikern in der CDU greift Guttenberg vor allem Bundestagspräsident Lammert an, der im Zusammenhang mit der Plagiatsaffäre von einem Sargnagel für das Vertrauen in die Demokratie gesprochen haben soll. "Ein Sargnagel braucht immer jemanden, der den Hammer hält und den Sargnagel einschlägt", sagt Guttenberg. "Diese Rolle würde ich dem Autor des Satzes zugestehen. Das war wirklich unglaublich."

Der CSU-Politiker wiederholt die These aus seiner Rücktrittserklärung, dass er das Verteidigungsministerium als "bestelltes Haus" hinterlassen habe. Sein Nachfolger Thomas de Maizière habe seine Pläne für die Bundeswehrreform zu 95 Prozent übernommen.

Schon wenige Tage vor dem Verkaufsstart war nach Angaben des Herder-Verlags in Freiburg der Großteil der Startauflage von 80 000 Exemplaren des Guttenberg-Buchs von Händlern gekauft oder von Lesern vorbestellt. Ein Sprecher des Verlags sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag, man stehe bereits in den Startlöchern nachzudrucken.

Am 28. Januar 2012 will der CSU-Politiker erstmals seit seinem Rücktritt wieder vor großem Publikum in Deutschland auftreten - bei der Verleihung des "Ordens wider den tierischen Ernst" des Aachener Karnevalvereins. Wie versprochen wolle er dort die Laudatio auf den Kabarettisten Ottfried Fischer halten. Guttenberg hatte den Orden im vergangenen Jahr zugesprochen bekommen, ihn aber nicht selbst entgegengenommen. Für ihn sprang Bruder Philipp ein und hielt eine viel gelobte Rede. Traditionell hält der Ordensträger im folgenden Jahr die Laudatio auf den Nachfolger.

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