Gregor Gysi im Interview über die SPD, die GroKo und Horst Seehofer

Im Presseclub München spricht Gregor Gysi über SPD und GroKo. Die AZ wollte noch mehr wissen.
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Gregor Gysi: Der 70-jährige Jurist und Autor ist Mitglied des Deutschen Bundestags und war Fraktionsvorsitzender der Linken.
dpa Gregor Gysi: Der 70-jährige Jurist und Autor ist Mitglied des Deutschen Bundestags und war Fraktionsvorsitzender der Linken.

Es habe ihn nicht überrascht, aber auch nicht gefreut, dass 66 Prozent der SPD-Mitglieder für eine Große Koalition gestimmt haben, sagt Gregor Gysi (Linke) am Montag im Presseclub München. Andere Alternativen wären ihm lieber gewesen. Die AZ hat ihn gefragt, was man von der neuen Regierung erwarten kann, warum er dem Nockherberg fernblieb und wie er zum Ministerpräsidentenwechsel in Bayern steht.

AZ: Herr Gysi, wie sehr freuen Sie sich auf CSUler Horst Seehofer in Berlin?
GREGOR GYSI: Ich freue mich auf ihn so wie er sich auf mich freut.

Und wie sehr tut es Ihnen leid, dass Markus Söder (CSU) Ministerpräsident wird?
Er versucht, aus der CSU eine ,AfD light’ zu machen. Ich halte das nicht für eine kluge Methode.

Wenn wir schon in Bayern sind: Warum waren Sie heuer nicht auf dem Nockherberg? Hat Ihnen das Starkbier nicht geschmeckt?
Doch, sehr gut. Aber ich bin ja seit dem letzten Mal nicht wieder eingeladen worden. Ich kann Ihnen auch sagen weshalb: Weil ich der Einzige bin, der nicht geschummelt hat. Die anderen lassen sich ja alle Saft in ihren Becher geben, der Einzige, der Starkbier getrunken hat, war ich. So war dann auch meine Stimmung, als ich in der TV-Aufzeichnung saß.

"Die SPD hätte offensiv sein müssen"

Sie sind nicht glücklich mit der Entscheidung der SPD zur GroKo. Wären Neuwahlen die bessere Alternative gewesen?
Ja.

Hätte Die Linke dann auch besser abgeschnitten?
Das weiß ich gar nicht. Ich hoffe es natürlich. Aber es wäre mir darum gegangen, dass wir Alternativen aufzeigen. Dass wir der Bevölkerung gesagt hätten: Ihr wolltet Mitte-rechts, das ist gescheitert, die Große Koalition habt ihr abgewählt. Die SPD hätte offensiv sein müssen, sagen müssen: Gut, dann wählt jetzt Mitte-links. Aber wenn sie sich natürlich erst auf Sondierungen einlässt, ist es zu spät. Dann ist das ja nicht mehr glaubwürdig.

Hält die Große Koalition überhaupt vier Jahre durch?
Wir Deutschen halten ja alles durch.

Bundeskanzlerin Angela Merkel soll am 14. März wiedergewählt werden. Was erwartet uns in der neuen Regierung mit ihr? 
In erster Linie verwaltet sie, sie hält sich zurück. Sie wartet, bis sich ein Zeitgeist in irgendeine Richtung entwickelt. Die SPD wird versuchen, Stärke zu zeigen, aber nur eine Weile lang. Denn die CSU muss ja auch Stärke zeigen, ihr stehen Landtagswahlen bevor. Ich befürchte, wir werden doch mehr Stillstand erleben als Entwicklung. Aber die Herausforderungen sind groß, für die EU, für Deutschland, dazu die Flüchtlingsfrage. Da braucht man eine entschlossene Regierung, die auch mal unpopuläre Schritte geht.

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