Die Laienspieltruppe

Die FDP wird es nach vielen Jahren Pause wohl wieder in den Landtag schaffen - und vielleicht sogar auf die Regierungsbank. Erfahrenes Personal ist in ihren Reihen allerdings Mangelware.
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Kräftige Unterstützung aus Berlin: FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil (r.) mit Bundesparteichef Guido Westerwelle.
dpa Kräftige Unterstützung aus Berlin: FDP-Spitzenkandidat Martin Zeil (r.) mit Bundesparteichef Guido Westerwelle.

MÜNCHEN - Die FDP wird es nach vielen Jahren Pause wohl wieder in den Landtag schaffen - und vielleicht sogar auf die Regierungsbank. Erfahrenes Personal ist in ihren Reihen allerdings Mangelware.

Von null auf die Regierungsbank: Die FDP in Bayern träumt schon von der Macht. Nach 14 Jahren schafft sie es wieder in den bayerischen Landtag. Vielleicht sogar ins Kabinett, wenn die CSU die absolute Mehrheit verpasst. Doch kann die FDP-Truppe Bayern überhaupt regieren?

Die meisten ihrer künftigen Abgeordneten sind Neulinge im Politikbetrieb und bringen keine Erfahrung mit. Bis auf ihren Spitzenkandidaten Martin Zeil (52), der bisher als Hinterbänkler im Bundestag sitzt. Und den Anführer der Liste in Mittelfranken, Jörg Rohde (42), der 2005 den Sprung nach Berlin schaffte.

Hauptsache Doktortitel

In Bayern sind die Liberalen vor allem eine Kandidatenpartei. Das heißt: Sie stellt zu jeder Wahl Kandidaten auf, Rechtsanwälte, Ärzte, Unternehmer, die meist einen Doktor-Titel haben. Denn der zählt bei den Wählern.

Doch Bayern ist für sie bisher Diaspora. Selbst auf der kommunalen Ebene sind sie kaum verankert – ohne einen einzigen Bürgermeister oder Landrat. In den 2056 bayerischen Gemeinden stellen sie gerade mal 414 Mandatsträger. Im Münchner Stadtrat ist die FDP mit fünf Sitzen vertreten. In Nürnberg hat sie zwei und in Augsburg einen Sitz. Seit 1982 schaffte sie es nur einmal in den Landtag, das war 1990. Nach vier Jahren waren die Liberalen wieder weg.

Ein Schlagersänger auf Platz vier

Für die Wahl am Sonntag aber sagen ihnen die Umfragen stabile acht Prozent voraus. Das heißt: Die FDP kann mit 12 bis 14 Landtagsmandaten rechnen. Aus Oberbayern könnten somit die ersten fünf Listen-Kandidaten ins Maximilianeum einziehen: Auf Platz eins ist Martin Zeil. Auf Platz zwei folgt die Dolmetscherin Renate Will. Sie ist stellvertretende Vorsitzende der Bayern-FDP und Kreisrätin im Landkreis Ebersberg.

Dritter im Bunde könnte der Arzt Otto Bertermann werden, der bisher keine Erfahrung hat. Als Vierter auf dem Sprung ins Maximilianeum ist Tobias Thalhammer, der bisher als Schlagersänger auf der Bühne stand. Auch der Münchner Zahnarzt Wolfgang Heubisch könnte es schaffen. Als Präsident des Verbandes freier Berufe kennt er sich zumindest im Verbandswesen aus. Chancen hat auch die Apothekerin Annette Bulfon, ebenfalls ohne Politik-Erfahrung.

"Geh zum Arzt"

Zeil, der Wirtschaftsminister werden will: „Wir werden kompetentes Personal für ein Kabinett haben.“

Die Bundespartei trommelt auf jeden Fall. Parteichef Westerwelle griff gestern bei der Schlusskundgebung vor allem die CSU an: „Sie sammelt daheim Unterschriften gegen das, was sie in Berlin beschlossen hat. In der Politik nenne ich das Heuchelei, zu Hause würde ich sagen: ,Geh zum Arzt.’“

Angela Böhm

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