Aktionsrat Bildung fordert bundesweites Abi

Mathe, Deutsch und Englisch: In diesen Fächern sollen Abiturienten künftig an einem eigenen Prüfungstag die gleichen Fragen gestellt bekommen.
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Schwitzende Schüler über der Abiprüfen: Diese soll in Zukunft in jedem Bundesland gleich sein.
dpa Schwitzende Schüler über der Abiprüfen: Diese soll in Zukunft in jedem Bundesland gleich sein.

Mathe, Deutsch und Englisch: In diesen Fächern sollen Abiturienten künftig an einem eigenen Prüfungstag die gleichen Fragen gestellt bekommen. Das fordern Bildungsexperten. Ihr Ziel: Uni-Anwärter sollen die gleichen Chancen haben.

München – Gleiche Chancen für Gymnasiasten: Bildungsexperten haben ein gemeinsames sogenanntes Kernabitur für alle Bundesländer gefordert. Dabei soll es zusätzlich zu den regulären Abiturprüfungen einen weiteren Prüfungstag geben, an dem mit zentral gestellten Fragen die Fähigkeiten in den Fächern Deutsch, Mathe und Englisch getestet werden.

Damit solle sichergestellt werden, dass die nationalen Bildungsstandards für die gymnasiale Oberstufe eingehalten würden, sagte der Vorsitzende des Aktionsrats Bildung, Dieter Lenzen, am Mittwoch in München. Das Gremium empfiehlt den Kultusministern, die Einführung des Kernabiturs im kommenden Jahr mit einem Staatsvertrag aller Bundesländer zu beschließen.

Spätestens bis zum Abiturjahrgang 2018 sollte es umgesetzt sein. Die gemeinsamen drei Prüfungen sollten zehn Prozent der Abiturnote ausmachen. Sowohl Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) als auch der Deutsche Philologenverband begrüßten den Vorstoß zu mehr Vergleichbarkeit bei den Abiturprüfungen.

Den konkreten Fahrplan des Aktionsrates zur Umsetzung des gemeinsamen Kernabiturs sehen sie jedoch kritisch. Bei den Abiturprüfungen in den einzelnen Bundesländern gibt es bisher erhebliche Unterschiede.

Diese sorgten für Ungerechtigkeiten, die spätestens beim Hochschulzugang deutlich würden, sagte der Bildungsforscher an der Münchner Universität, Ludger Wößmann, bei der Vorstellung des Gutachtens. Lediglich neun der 15 Bundesländer, darunter Bayern und Baden-Württemberg, stellten bislang die Prüfungsaufgaben zentral.

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) fordert seit längerem ein deutschlandweites Zentralabitur. Studien zeigten, dass es erhebliche Niveau-Unterschiede zwischen den Bundesländern gibt. Manche Abiturienten seien vom Leistungsstand her anderen um zwei Schuljahre voraus.

„So kann es passieren, dass eine Abiturientin aus Bayern mit Abiturnote 2,0 einen Studienplatz nicht bekommt, obwohl sie de facto besser ist als der Abiturient aus Berlin mit Abiturnote 1,9“, sagte Wößmann, der auch Mitglied des Aktionsrats ist. Hochschulen sind juristisch verpflichtet, alle Abiturnoten als vergleichbar anzusehen und zur Grundlage der Zugangsentscheidung zu machen.

Bessere Vergleichbarkeit bei den Abiturnoten fordert auch Kultusminister Spaenle. Den Vorschlag des Aktionsrates, einen zusätzlichen Prüfungstag anzusetzen, hält er für schwer umsetzbar. Zumal diese Tests auch bundesweit zentral korrigiert werden müssten.

Bayern sei bereits mit sechs weiteren Bundesländern auf dem Weg zu einer vergleichbaren Abiturprüfung. 2014 sollen Schüler in diesen Ländern in den Fächern Deutsch, Mathematik und Englisch erstmals gemeinsam gestellte Abituraufgaben lösen.

Von „beklagenswerten Leistungsunterschieden“ zwischen den Bundesländern spricht auch der Deutsche Philologenverband. Dessen Vorsitzender Hans-Peter Meidinger sieht beim Vorschlag des Aktionsrates jedoch die Gefahr, dass der Fokus bei der Bewertung eines Abiturzeugnisses künftig zu stark auf den gemeinsamen Zusatztest gelegt werden könnte.

Der Vorsitzende des Bildungsausschusses im Bayerischen Landtag, Martin Güll (SPD), fürchtet laut Mitteilung, ein zusätzlicher Prüfungstag brächte doppelten Stress für die Abiturienten mit sich, da die Kernfächer doppelt geprüft würden.

Der Aktionsrat Bildung wurde 2005 auf Initiative der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) gegründet. Ihm gehören vor allem Bildungsforscher an.

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