30 Millionen Impfungen, aber Zahl der Ungeimpften unverändert (zu) hoch

Carsten Breuer, Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung, will bis Ende Januar weitere 30 Millionen Menschen immunisieren lassen - das wird schwer.
| Stefan Lange
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Schwere Aufgabe: Carsten Breuer, Generalmajor und Leiter des Corona-Krisenstabes, bei seinem Antrittsbesuch in Sachsen.
Schwere Aufgabe: Carsten Breuer, Generalmajor und Leiter des Corona-Krisenstabes, bei seinem Antrittsbesuch in Sachsen. © Robert Michael/dpa

Berlin - Die Erfolgsmeldung geriet militärisch knapp. "Geschafft! Seit dem 18. November wurden 30 Millionen Menschen in Deutschland geimpft", twitterte Carsten Breuer, nachdem das von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) ausgerufene Ziel erreicht war.

Ein Danke für die Solidarität

Der Generalmajor und Leiter des Corona-Krisenstabes der Bundesregierung dankte noch "allen Beteiligten auf beiden Seiten der Spritze für die Solidarität" und gab die Parole für die nächsten Wochen aus: "Nun gilt es, gemeinsam die nächsten 30 Millionen Impfungen anzupacken."

Auch diese Zielmarke könnte erreicht werden, die vielen Impfungen über die Feiertage geben Anlass zum Optimismus. Dafür krankt es weiterhin an anderer Stelle. Die Zahl der vollständig Geimpften steigt nur sehr langsam, die Regierung ist vom Wunschziel einer 80-prozentigen Impfquote noch weit entfernt.

Vorläufiges Ziel wurde sogar früher erreicht

Bis Jahresende, hatte Scholz vorgegeben, sollten 30 Millionen Impfungen verabreicht worden sein. Das Ziel wurde eine Woche früher erreicht, genau waren es offiziellen Angaben zufolge 30,27 Geimpfte. Die Zahl derer mit mindestens einer Impfung stieg auf rund 74 Prozent, das sei "ein hoffnungsfrohes Zeichen, dass sich auch da noch mal etwas bewegt", sagte ein Sprecher von Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD).

Zudem habe die Debatte über die Einführung einer allgemeinen Impfpflicht offenbar "bei vielen zu einem Umdenken geführt", sich nun "doch noch und möglichst schnell impfen zu lassen". Bis Ende Januar sollen nun, so die neue Prognose, in einem zweiten Schritt insgesamt 60 Millionen Impfungen erreicht worden sein. Dazu zählen alle Erst- und Zweitimpfungen sowie Auffrischungsimpfungen.

Werden 80 Prozent wirklich ausreichen?

"Dementsprechend wird sich hoffentlich auch die Impfquote erhöhen, so dass wir - wenn alles wirklich gut läuft - bei den angestrebten 80 Prozent landen", sagte der Sprecher. Die 80 Prozent galten in den ersten Monaten der Corona-Pandemie zunächst als wichtige Wendemarke.

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte erklärt, bereits bei einer Impfquote von 70 Prozent könne die Pandemie gestoppt werden. Das war vor einem Jahr. Zwölf Monate und einige Virusmutationen später ist man schlauer, und auch die 80 Prozent sind nur eine ungefähre Hausnummer.

Omikron könnte alles ändern

Minister Lauterbach gehe davon aus, dass "wahrscheinlich bei der Omikron-Variante auch 80 Prozent nicht reichen werden", so sein Sprecher. "Das Ziel muss sein, so rechtzeitig und schnell zu impfen, dass wir die sich aufbauende Omikron-Welle möglichst weit fernhalten und anschließend ausreichend Immunisierung in der Bevölkerung aufbauen, damit eine Überlastung im Gesundheitsbereich, beispielsweise bei den Krankenhäusern, und der kritischen Infrastruktur vermieden wird."

Selbst die 80 Prozent sind noch lange nicht erreicht. Aktuell sind den Angaben zufolge rund 71 Prozent der Gesamtbevölkerung vollständig geimpft. Knapp 74 Prozent haben mindesten die erste Impfung erhalten. Rund 21,7 Millionen Menschen (26 Prozent) sind nicht geimpft, darunter etwa vier Millionen Kinder bis vier Jahren, für die kein zugelassener Impfstoff zur Verfügung steht.

Ferienverlängerung - ja oder nein?

Die Regierung geht weiterhin davon aus, dass es durch die Omikron-Variante "zu einem sehr dynamischen Infektionsgeschehen kommt", wie Vize-Regierungssprecher Wolfgang Büchner sagte. "Aber jede einzelne Erstimpfung, die dazukommt, und jeder einzelne Booster, der dazukommt, ist ein Stück Abwehr gegen die sich aufbauende Welle."

Aus dem politischen Raum kommen da erneut Forderungen, die laufenden Schulferien zu verlängern. Doch die Ampel-Koalition hält davon wenig. Büchner mahnte, bei möglichen Schließungen müsse auf die "psychischen und sozialen Herausforderungen und Folgen" geachtet werden. An dieser Einschätzung habe sich auch durch die neue Omikron-Variante nichts geändert.

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Von Bußgeldern hält die Bundesregierung wenig

Ein Sprecher des Bundesbildungsministeriums sagte, für Ministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) seien Schulschließungen das "letzte Mittel". An dieser Auffassung habe sich nichts geändert. Auf die Frage, ab welcher Schwelle Schulschließungen als letztes Mittel zulässig seien, hieß es lediglich, der anzulegende Maßstab verändere sich mit der dynamischen Corona-Lage.

Zurückhaltend reagierte die Bundesregierung auf einen Vorstoß des bayerischen Gesundheitsministers Klaus Holetschek. Er hatte vorgeschlagen, bei Verstößen gegen die geplante Corona-Impfpflicht nicht nur Bußgelder zu verhängen, sondern auch finanzielle Konsequenzen bei der Krankenkasse zu erwägen.

Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums sagte dazu, "möglich ist so ziemlich alles". Aber zunächst gehe es darum, überhaupt über eine allgemeine Impfpflicht zu debattieren, "bevor man dann im nächsten Schritt Maßnahmen überlegen kann".

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