"Wollen nicht einmal, dass die Stadt Geld ausgibt": Streit um die Eisbachwelle spitzt sich zu

Am Eisbach in München fordern Surfer und Unterstützer die Wiederöffnung der legendären Welle – trotz Haftungsstreit und Sicherheitsbedenken. CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner stellt sich demonstrativ an ihre Seite und wirft der Stadt Untätigkeit und Wahlkampf-Posen vor.
Ruth Frömmer
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Die Brüder Elliott (Mittre) und Tommy van Luchem (r.) wohnen in der Nähe und sind mit der Eisbachwelle aufgewachsen. Fast täglich sind sie nach der Schule hier gewesen und gesurft.
Die Brüder Elliott (Mittre) und Tommy van Luchem (r.) wohnen in der Nähe und sind mit der Eisbachwelle aufgewachsen. Fast täglich sind sie nach der Schule hier gewesen und gesurft. © Felix Hörhager

Eigentlich fehlen am Sonntag nur die Surfer in ihren Neoprenanzügen auf der Eisbachwelle. Conni Grundmann und Tanja Thaler haben dazu aufgerufen, für die Rückkehr der Surfwelle zu demonstrieren. Und so stehen viele Menschen auf der Eisbachbrücke und halten Schilder in die Luft. "Posen reicht nicht: Welle statt Wahlkampf“ steht auf einem Schild mit dem Foto von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) vor der Surfwelle. Oder "Make the Eisbach great again“.

Tanja Thaler ist selbst begeisterte Surferin. "30 Jahre lang ist hier eigenverantwortlich gesurft worden“, erzählt sie der AZ. 2022 wurde dann die Rampe unter der Welle herausgenommen. Es sei ein glücklicher Zufall gewesen, dass die Welle trotzdem weiter gelaufen sei. Der tragische Unfall – eine Surferin ist letztes Jahr dort ums Leben gekommen – sei "nun als Legitimation genommen worden“, die Welle zu verbieten.

Tanja Thaler (l.) und Conni Grundmann sind die Organisatorinnen.
Tanja Thaler (l.) und Conni Grundmann sind die Organisatorinnen. © ruf

"Wir wollen nicht einmal, dass die Stadt Geld ausgibt"

Aber das Problem bleibt: Wer haftet? "Ich vergleiche das immer mit einem Klettersteig“, erklärt Thaler. Ein solcher werde jedes Jahr von der Bergwacht geprüft. Dann liege es ja auch in der Eigenverantwortung der Kletterer, wenn sie ihn benutzen. "Wir würden Schäden auch selbst reparieren“, sagt Thaler, "Wir wollen nicht einmal, dass die Stadt Geld ausgibt.“

Ihre Mitstreiterin Conni Grundmann spricht zur Menschenmenge: "Die Politik nutzt die Welle als Wahlprogramm. Aber leider passiert nichts“, beschwert sie sich.

Clemens Baumgärtner: "Ich habe immer gesagt, ich bin für die Surfwelle"

Ein Politiker steht in der Menschenmenge und voll hinter der Aktion, wie er der AZ erzählt: OB-Kandidat Clemens Baumgärtner (CSU). "Ich habe immer gesagt, ich bin für die Surfwelle“, so Baumgärtner, und das habe mehrere Gründe. Da seien zum einen die Sportler. Zum anderen der Einfluss auf den guten Ruf der Stadt München. "Wir sind die einzige Stadt, die nicht am Meer liegt und trotzdem unter den 100 Top-Surf-Städten ist.“

Clemens Baumgartner (CSU) gibt den Surfern Rückendeckung.
Clemens Baumgartner (CSU) gibt den Surfern Rückendeckung. © Ruth Frömmer


Er findet es ein Unding, wenn sich Politiker aller Couleur mit Worten hinter die Surfwelle stellen und den Worten dann keine Taten folgen lassen. Was wäre sein Vorschlag? "Erst einmal die ganzen Gutachten vorlegen, die sich mit der Haftung beschäftigen.“ Einfach, um der Öffentlichkeit zu sagen, was ist der Grund, warum die Surfwelle immer noch nicht offen ist.

Sylvie van Luchem demonstriert mit ihren beiden Söhnen Tommy und Elliott. Die beiden sind mit der Welle aufgewachsen. Fast täglich seien sie hier nach der Schule gesurft. "Wir wollen das Freiheitsgefühl zurück“, fordern sie. "Das Oktoberfest, die Berge und die Welle. München ist nichts ohne die Welle.“

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  • Manfred_Festa vor 59 Minuten / Bewertung:

    Es ist ein klassisches Münchner Dilemma zwischen Lebensfreude und Paragrafen(Reiter)ei.

    Während die Surfer und ihre Unterstützer – prominent flankiert von CSU-OB-Kandidat Clemens Baumgärtner – lediglich die Rückkehr zu einer gelebten Tradition fordern, verharrt die Stadtverwaltung in einer Starre aus Haftungsängsten und Sicherheitsbedenken.

    Es wirkt fast paradox: Eine weltbekannte Attraktion, die das Image der Stadt als sportliche Metropole prägt, wird durch bürokratische Hürden ausgebremst, obwohl die Beteiligten sogar bereit sind, finanzielle Lasten selbst zu tragen.

    Der Vorwurf der Wahlkampfhilfe liegt in der Luft, doch im Kern geht es um die Frage, wie viel Eigenverantwortung eine Stadt ihren Bürgern noch zutraut.

    Die Welle ist mehr als nur Sport; sie ist ein Stück Identität, das gerade im Treibsand der Zuständigkeiten zu versinken droht.

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  • Boandl_kramer vor einer Stunde / Bewertung:

    Nachdem das Ganze ja mit einer übertriebenen "Bachauskehr" begann, wäre es an der Zeit diese Praxis der jährlichen Bachauskehren auf den Prüfstand zu stellen. Und dabei die Frage zu klären, wer für die dabei angerichteten Schäden haftet.

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  • Radl Rainer vor einer Stunde / Bewertung:

    Kann man Herrn Baumgärtner nach der Wahl als Heizlüfter mieten?

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