Wiesn-Ableger im Univiertel? Kuriose Idee aus dem Münchner Stadtrat
Wenn am Samstag das 191. Oktoberfest eröffnet wird, dann wird bis zum 4. Oktober reichlich Bier die durstigen Kehlen hinabfließen, und das auch noch nach 22 Uhr.
Davon können zahlreiche Kioskbetreiber im Münchner Univiertel mittlerweile nur noch träumen. Seit Anfang September ist es ihnen ab 22 Uhr verboten, Bier und anderen Alkohol an ihre Kundschaft zu verkaufen.
Kein Bier nach 22 Uhr: Kioskbesitzer im Univiertel fürchten um ihre Existenz
Grund für diese Maßnahme sind die zahlreichen Beschwerden von Anwohnern über Lärm bis spät in die Nacht, vermüllte Straßen und Glasscherben. Die Stadt setzte zunächst auf runde Tische, Konfliktmanagement vor Ort und einen freiwilligen Verzicht der Betriebe auf Alkohol to go nach Mitternacht. Doch die Situation sollte sich nicht merklich verbessern.

Als Folge hat die Stadt ein Verkaufsverbot für Flaschenbier ab 22 Uhr im Univiertel verhängt, was Betreiber wie Rasfan Ido Askar vom Amalienkiosk in finanzielle Schwierigkeiten bringen dürfte. "Wir machen den meisten Umsatz mit Bier", sagt er. Die Kunden seines Kiosks kämen vor allem später am Abend – schließlich hätten die Supermärkte bis 20 Uhr geöffnet. Askar befürchtet nun, dass Kioske im Univiertel wegen des Verbots dichtmachen müssen.
Wiesn-Außenstelle: Die-Partei-Stadträtin stellt kuriosen Antrag an die Stadt
Für Marie Burneleit von der Partei Die Partei ist dieser Umstand und das auf das Univiertel beschränkte Bierverkaufsverbot nach 22 Uhr ein Unding. Die Münchner Stadträtin weist darauf hin, dass auf der Wiesn auch nach 22 Uhr noch Bier ausgeschenkt werden darf und auch die Kioske rund um die Theresienwiese keiner vergleichbaren gebietsbezogenen 22-Uhr-Regelung unterliegen.
In einem durchaus kuriosen Antrag an die Stadt und Oberbürgermeister Dominik Krause fordert Burneleit nun, zur Unterstützung der Kioske im Univiertel, im Zeitraum von April bis Oktober im Bereich Schellingstraße/Amalienstraße eine Außenstelle des Oktoberfestes einzurichten.

Zu diesem Zweck sollen, laut Antrag, das Kreisverwaltungsreferat und das Referat für Arbeit und Wirtschaft beauftragt werden, alle hierfür notwendigen straßen-, veranstaltungs- und gaststättenrechtlichen Voraussetzungen zu schaffen.
Geht es nach Burneleit, sollen die Kioske und die gastronomischen Betriebe im Bereich der "Außenwiesn" hinsichtlich ihrer Alkoholverkaufs- und Ausschankzeiten nach denselben großzügigen Maßstäben behandelt werden, wie es die Stadt München auf dem Oktoberfest für vertretbar hält.
Alternativvorschlag: Schellingstraße soll in Theresienwiese umbenannt werden
Sollte es jedoch rechtlich nicht möglich sein, das Univiertel als Wiesn-Außenstelle auszuweisen, hat Die-Partei-Stadträtin noch einen weiteren Vorschlag parat. In diesem Fall soll dann geprüft werden, "...die Schellingstraße für die Dauer des Verkaufsverbots in 'Theresienwiese' umzubenennen", wie es in dem Antrag an die Stadt weiter heißt.
Ihren Antrag begründet Burneleit damit, dass die Stadt München mit dem späten Bierausschank auf der Wiesn den Verkauf von Alkohol ab 22 Uhr grundsätzlich nicht für unzumutbar halte und das Problem weniger beim Bier als vielmehr bei der geografischen Lage sehe.
"Da es unverhältnismäßig aufwendig wäre, die betroffenen Kioske jeden Abend auf die Theresienwiese zu versetzen, wird das bewährte Münchner Lösungsmodell stattdessen ins Univiertel gebracht", schreibt die Stadträtin in ihrem Antrag weiter. Schließlich, so heißt es weiter, sei die notwendige Infrastruktur im Univiertel bereits vorhanden: Menschen, Bier, Straßen, Lärm und Anwohnende, also genauso wie auf der Wiesn.

