Trotz Lockerungen der Corona-Regeln: Wirte fürchten Insolvenz

Die Brauerei Paulaner unterstützt mit einem Bierfonds und einer Facebookgruppe, nicht aber mit einem Mietnachlass. Einige Wirte fürchten, dass durch Stundungen ihre Pleite nur aufgeschoben wird.
| Jasmin Menrad
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Auftakt zum Oktoberfest. Besucherinnen prosten sich im Paulaner-Festzelt mit ihrer ersten Maß Bier zu.
Matthias Balk/dpa/dpa Auftakt zum Oktoberfest. Besucherinnen prosten sich im Paulaner-Festzelt mit ihrer ersten Maß Bier zu.

München - Immerhin haben die Wirte jetzt einen Zeitplan: Ab dem 25. Mai dürfen Speiselokale unter strengen Auflagen öffnen. Viele Wirte fürchten trotzdem, dass ihre Lokale die Corona-Krise nicht überleben werden und sie über kurz oder lang Insolvenz anmelden müssen. Besonders Mietzahlungen, die gestundet sind und die sie "wie einen gigantischen Berg Schulden vor sich her schieben, der nicht abgetragen werden kann, weil wir sehr lange nicht so ein Geschäft machen werden, wie wir es bräuchten", so sagt es ein Münchner Wirt, machen ihnen Sorgen.

Augustiner und Ayinger haben Wirten in brauereieigenen Immobilien die Pacht für die Hälfte des Märzes und den ganzen April erlassen. Hofbräu hat auf eine Umsatzpacht umgestellt. Wer nichts verdient, muss auch nichts zahlen.

Klagende Wirte, kein Mietnachlass bei Paulaner

Schon seit einigen Wochen klagen Wirte, die in Paulaner-Immobilien sind, die fehlende Gesprächsbereitschaft der Brauerei, wenn es um einen Pachterlass oder Nachlass geht. Weil sie Konsequenzen fürchten, möchten sie ihren Namen nicht in der Zeitung sehen.

"Meine Miete ist gestundet, aber ich weiß noch nicht einmal, wie ich genug verdienen soll, um sie zurückzuzahlen", sagt ein Wirt. "Die Brauerei ist da auf der sicheren Seite. Die haben drei Monatsmieten Kaution von mir und wenn ich pleite gehe, behalten sie die einfach ein."

Die Brauerei und die Bayerische Hausbau sind Teil der Schörghuber Unternehmensgruppe. Wirte erzählen, sie hätten gehört, man sei sich innerhalb des Unternehmens nicht einig. Birgit Zacher von der Brauerei möchte derlei Gerüchte nicht kommentieren.

Paulaners Krisenhilfe: Bierfond, Webinare und Facebook-Gruppe

Die Brauerei-Sprecherin zählt auf, was Paulaner schon alles unternommen hat: "Teilweise schon in der ersten Woche der Schließungen haben wir gelieferte Waren zurückgeholt und erstattet." Alle alkoholfreien Getränke wurden an Krankenhäuser und Hilfsorganisationen verteilt – über 2.500 Tragerl. "Neben den persönlichen Gesprächen der Außendienst-Mitarbeiter mit den Wirten, haben wir über unsere Initiative ‘Erfolgreiche Wirte’ kostenlose Webinare und Informationen zur Beantragung der staatlichen Unterstützung angeboten sowie eine Facebook-Gruppe zum Erfahrungsaustausch gegründet", sagt Zacher.

Zudem hat die Brauerei die Gastro-Starthilfe ins Leben gerufen, eine Art Bierfonds. Für jeden im Handel verkauften Kasten Bier geht ein Liter gratis in die Gastronomie für den Neustart. Hier ist das Ziel, bis zu 4.000.000 Liter verteilen zu können – "gerecht an alle unsere Partner", sagt Zacher. Denn ein Mieterlass würde jene Wirte in Paulaner-Immobilien bevorzugen.

Einige Wirte beklagen, dass diese Maßnahme erst greife, wenn die Wirtshäuser und Kneipen wieder offen haben. Zudem sei die Gastro-Starthilfe "nur ein Tropfen auf dem heißen Stein". Zacher verweist darauf, dass mit jedem Gastro-Partner Gespräche über individuelle Lösungen geführt werden, nimmt den Wirten aber die Hoffnung auf einen Mietnachlass. "Die Gastronomie-Branche ist massiv von den Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie betroffen", sagt Zacher. "Entsprechend sind auch wir als Brauerei davon betroffen."


Spaten zahlt keine Pacht

Die Brauerei Spaten-Löwenbräu zahlt im Mai keine Pacht für rund 80 Gastro-Objekte in München, das berichtet die "Bild"-Zeitung. Wie eine Sprecherin des Brauereikonzerns Inbev "Bild" bestätigte, wird die Zahlung für etwa 30 Prozent der 280 Pachtobjekte ausgesetzt. Für 70 Prozent der Gastro-Objekte seien Vereinbarungen mit den Eigentümern getroffen worden, zum Beispiel Stundungen. Begründet wird das von der Brauerei damit, dass ein Großteil der Gastrobetriebe nicht mehr in der Lage sei, die Pacht an die Brauerei zu zahlen.

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