Interview

Thomas Hampel: So geht Münchens Polizeichef seine Aufgabe an

Münchens neuer Polizeichef ist seit gut einen Monat im Amt. "Wir müssen das hohe Vertrauen, das 99 Prozent der Bürger in uns haben, bewahren", sagt Thomas Hampel.
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Thomas Hampel war Präsident des neuen Bayerischen Asyl-Landesamts, seit November ist er Polizeichef in München.
Thomas Hampel war Präsident des neuen Bayerischen Asyl-Landesamts, seit November ist er Polizeichef in München. © Präsidium

München - Der neue Polizeichef übernimmt in Zeiten der Pandemie eine schwere Aufgabe. Vor allem Weihnachten und der Jahreswechsel könnten die Polizei in der Stadt vor knifflige Aufgaben stellen. Thomas Hampel im AZ-Interview.

AZ: Herr Hampel, wie ist es denn so, in Corona-Zeiten Bayerns größte Polizeibehörde zu übernehmen?
THOMAS HAMPEL: Die Übernahme ist eine spannende Aufgabe - speziell in der aktuellen Corona-Pandemie. Aber eine noch größere Herausforderung ist es für die Kolleginnen und Kollegen. Gerade im Streifendienst sind sie besonders gefordert: einerseits die Umsetzung und Kontrolle der Infektionsschutzmaßnahmen, andererseits natürlich in allen Einsatzlagen auch der Schutz der eigenen Gesundheit vor einer Infektion. Der größte Teil der Polizei kann nicht ins Homeoffice gehen, sondern muss rund um die Uhr beispielsweise im Streifendienst oder bei der Tatortaufnahme tätig werden.

Polizeichef: Mehrheit wird sich an Corona-Vorgaben über Feiertage halten

Sie führen also vom Schreibtisch aus und nicht von zu Hause aus?
So ist es. Die Münchner Polizei ist eine hochmoderne Großstadtpolizei und bewältigt täglich rund 1.000 Einsätze, die durch die Einsatzzentrale koordiniert werden. Wir beim Führungsstab nützen vielfach Video- und Telefonkonferenzen.

Es wird viel über Weihnachten und Silvester gesprochen. Rechnen Sie mit Ärger?
In München werden wir in Abstimmung mit der Stadt ein innerstädtisches Feuerwerksverbot überwachen und Kontrollen durchführen. Ich gehe davon aus, dass sich die überwiegende Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger an die Vorgaben halten wird. Wir werden natürlich auch mit entsprechender Streifenpräsenz die Zeit zwischen den Jahren begleiten. Weihnachten dürfte weniger problematisch werden, aber auch an Silvester werden wir dafür sorgen, dass die Regeln zum Hygieneschutz, sowie die entsprechenden Sicherheitsvorschriften eingehalten werden und es in der Stadt ruhig bleibt.

Münchner Polizei setzt Regelungen durch, auch bei Querdenker-Demos

Immer wieder ändern sich die Regeln, die Akzeptanz sinkt bei manchem. Wie bekommt das die Polizei zu spüren?
Natürlich passen wir unsere Vorgehensweise entsprechend der Lage und den Vorgaben an. Wir haben eine große Routine in den letzten acht bis neun Monaten entwickelt. Wir merken, dass sich die überwiegende Mehrheit der Menschen an die Spielregeln hält. Die Maskenpflicht wird beachtet. Wenn man durch die Fußgängerzone geht, findet man kaum einen, der Anlass zu Beanstandungen gibt.

Wie sieht es mit den Querdenkern aus?
Die Querdenker sind ein sehr schwieriges Klientel. Bei den Kundgebungen der Corona-skeptiker war eine bunte Mischung vertreten, von besorgten Bürgern und Impfgegnern bis hin zu Reichsbürgern und Rechtsextremisten. Das macht es für die Polizei besonders schwierig und wir müssen die Entwicklung unter Einbindung der Staatsschutzdienststellen und des Verfassungsschutzes sehr genau beobachten. Wir stellen immer wieder fest, dass nur durch klare Ansagen und konsequentes Einschreiten der Polizei in enger Zusammenarbeit mit dem KVR die Durchsetzung der Maßnahmen erfolgreich ist. Wir legen großen Wert auf die Einhaltung der Regelungen zum Infektionsschutz und Abstand, denn es wäre schwer vermittelbar, dass sich die Bürger im Alltag an die Vorgaben halten, andererseits sich aber wie zuletzt in Berlin oder Leipzig Tausende Demonstranten ohne Masken auf engstem Raum tummeln.

Hampel: Prognosen sind schwierig - eine Patentlösung gibt es nicht

Wo sehen Sie die größten Probleme in den kommenden Monaten?
Ich kann das ganz schwer abschätzen, wie sich das weiter entwickelt. Ich bin kein Mediziner und Experte für Pandemien. Es ist wirklich schwierig, eine Prognose zu treffen. Gerade beim Thema Freizeitverhalten wird es auch eine Frage der Akzeptanz sein, je nachdem, wie lange die Beschränkungen notwendig sein werden.

Stichwort Partys.
Das wird möglicherweise schwierig, je länger der Winter und die Beschränkungen dauern. Aber da habe ich keine Patentlösung parat. Wir werden die Thematik in den kommenden Wochen auf jeden Fall genau beobachten und eng begleiten.

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Werden die Feiern zunehmend im Privaten stattfinden? Was macht dann die Polizei?
Wenn wir im Rahmen eines normalen Ruhestörungseinsatzes erfahren, dass jemand in seiner Wohnung eine Party feiert und gegen die Corona-Bestimmungen verstößt, werden die Kollegen dies entsprechend ahnden. Das sind Situationen, die wir immer wieder erleben. Anrufer melden überlauten Lärm, da feiern welche. Wir werden aber nicht anlasslos im heimischen Wohnzimmer Leute kontrollieren.

Verantwortungsvoll gegen die Corona-Pandemie

Was würden Sie sagen, sollte man in puncto Coronaregelungen besonders beachten?
Fragen Sie mich als Polizist? Ich bin kein Arzt.

Als Polizist.
Man sollte größere Menschenansammlungen vermeiden, nicht nur um sich, sondern auch um andere zu schützen. Konsequentes und korrektes Anlegen der Mund-Nasen-Bedeckung. Vor allem bei Besuchen von Angehörigen beispielsweise in Altenheimen und Kliniken sollte man alle Vorsichtsmaßnahmen konsequent beachten. Es wird viel darauf ankommen, wie sehr die Menschen bereit sind, sich verantwortungsvoll zu zeigen und mithelfen, die Pandemie erfolgreich zu bewältigen.

Nächste große Einsätze: Sicherheitskonferenz und Fußball-EM

Der nächste große Einsatz wird die Sicherheitskonferenz im Februar. Wie, glauben Sie, wird dieses Wochenende ablaufen?
Die Polizei wird sich wie jedes Jahr auf die Sicherheitskonferenz vorbereiten, um einen reibungslosen Ablauf sicherzustellen.

Und die Fußball-EM?
Wir erleben aktuell Fußballspiele in der Bundesliga oder in der Champions League. Warten wir ab. Werden es Spiele mit weniger Zuschauern, oder werden es Geisterspiele? Gibt es Public Viewing? Bis zur EM ist es noch etwas hin, da kann sich viel ändern. Wir stellen uns in der laufenden Vorbereitung auf alle Szenarien ein.

Haben Sie noch Hoffnung für die Wiesn 2021?
Das ist eine Entscheidung der Stadt München. Wie schnell sich die Dinge in der Corona-Pandemie ändern, haben wir die letzten Wochen und Monate erlebt.

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Neue Besen kehren gut, heißt es. Sind Sie demnach ein guter Besen?
Ich bin gut einen Monat im Amt und werde mich mit meinem Team intensiv den anstehenden Aufgaben widmen.

"Wir müssen das hohe Vertrauen, das Bürger haben, bewahren"

USK-Skandal, Koks-Skandal und nun Geheimnisverrat durch einen hohen Polizeibeamten: Klingt nach einer Menge Probleme. Was ist Ihre Strategie?
Ich habe eine klare Strategie. Wir müssen das hohe Vertrauen, das 99 Prozent der Bürger in uns haben, bewahren. Darum ist es wichtig, dass die Polizei bürgernah und rechtsstaatlich agiert, und bei Fehlverhalten in den eigenen Reihen konsequent handelt.

Katharina Schulze, Fraktionschefin der Grünen im Landtag, sprach von einem Führungsproblem. Braucht's einen unabhängigen Polizeibeauftragten in Bayern?
Ich persönlich halte es nicht für notwendig. In Bayern gibt es bereits seit Jahren Interne Ermittler beim Landeskriminalamt. Darüber hinaus kann Jedermann Verstöße beispielsweise bei der Staatsanwaltschaft anzeigen, man kann sich im Rahmen des Petitionsrechts an den Landtag oder Abgeordnete oder auch direkt an den Polizeipräsidenten wenden.

"Man sollte das Thema Rassismus nicht nur auf eine Behörde begrenzen"

Was halten Sie von einer bundesweiten Studie, zum Thema Rassismus in der Polizei?
Man sollte das nicht nur auf eine Behörde oder die Polizei begrenzen. Ich halte es für sinnvoller, insgesamt in der Gesellschaft nach Rassismus und rechtsextremen Tendenzen zu forschen und dann entsprechend zu handeln.

Wo muss die Münchner Polizei besser werden?
Es hat sich viel in puncto Kriminalität ins Internet verlagert, verstärkt noch durch Corona. Daneben geht es beispielsweise um das Thema Hasskriminalität oder Kinderpornografie, Bereiche in denen wir noch energischer vorgehen müssen. Auch die skrupellose Abzocke von Senioren durch falsche Polizeibeamte macht mir Sorge. Darüber hinaus haben wir neben der EM die IAA im Herbst 2021 erstmals in München und dann die European Championships 2022. Das wird das Mega-Sport-Event genau 50 Jahre nach den Olympischen Spielen in München.

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