Keine Interessenten für die Bräurosl: Niemand will mehr Wiesnwirt werden!

Warum die Brauerei für das Oktoberfest-Zelt (mit dem Donisl obendrauf) keinen Nachfolger findet, wie viele Millionen man investieren muss und wer noch eine Hoffnung ist.
| Kimberly Hagen
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Ein Problem, das es so noch nie auf dem Oktoberfest gegeben hat: Die Bräurosl (6490 Sitzplätze, 1760 Außen-Sitzplätze) sucht einen Wiesnwirt - und findet keinen.
Ein Problem, das es so noch nie auf dem Oktoberfest gegeben hat: Die Bräurosl (6490 Sitzplätze, 1760 Außen-Sitzplätze) sucht einen Wiesnwirt - und findet keinen. © imago images/Michael Westermann

München - In manchen Situationen wird es besonders schmerzhaft deutlich, wie sehr sich die Welt in sehr kurzer Zeit verändert hat. Beispiel Bräurosl. Vor Corona hätten sich die Interessenten nach dem überraschenden Rückzug von Wirt Georg Heide vor der Brauerei Hacker-Pschorr gestapelt, um vorstellig bei Chef Andreas Steinfatt zu werden – und sie hätten auch sonst so ziemlich alles dafür getan, Wirt dieses Wiesnzeltes zu werden. Und jetzt? Betretenes Schweigen und freundliches Abwinken.

Münchner Traditionslokal Donisl gehört zum Kombipaket

Niemand reißt sich momentan um ein Wiesnzelt, das in Kombination angeboten wird mit dem Donisl – Traditionslokal am Marienplatz, aus dem sich Wirt Karlheinz Reindl jetzt frühzeitig verabschiedet hat. Traurig, aber neuerdings wahr. Wäre die Kombination Bräurosl + Donisl vor nicht all zu langer Zeit ein Multi-Millionen-Jackpot gewesen, so wirkt das Doppel-Paket nun wie eine Herkulesaufgabe, fast unmöglich zu schultern in Zeiten von Lockdown light, fehlender Touristen und größter Gastro-Ungewissheit.

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Brauerei-Chef Steinfatt sucht verzweifelt

Ob und wann es wieder eine Wiesn geben wird? Ebenso unklar. Somit ist auch ein Geldregen in sehr weite Zukunft gerutscht. Nach AZ-Informationen hat Brauerei-Chef Andreas Steinfatt gerade die nicht leichte Aufgabe, einen Nachfolger für Bräurosl/Donisl zu finden. Er beißt sich dabei, so hört man, die Zähne aus – auch für ihn eine ungewöhnliche Situation.

Er hat eine schwierige Aufgabe: Brauerei-Chef Andreas Steinfatt.
Er hat eine schwierige Aufgabe: Brauerei-Chef Andreas Steinfatt. © Tobias Hase/dpa

Keiner traut sich an die Mammutaufgabe

Das Duo Florian Lechner (führt mit Christian Schottenhamel den Nockherberg) und Florian Oberndorfer (u. a. Wirtshaus in der Au) brachte schon im Sommer die Gerüchteküche zum Brodeln – beide Männer wären ein ideales Wirte-Team.

Doch nach AZ-Informationen sollen die beiden signalisiert haben, dass sie derzeit die Mammutaufgabe Bräurosl und Donisl nicht angehen wollen. Brauerei-Chef Steinfatt hat nach AZ-Informationen auch schon bei seinem Spezl Jürgen Lochbihler (Der Pschorr) nachgefragt – und beim Frauen-Duo Lisa Strauss (mit der Steinfatt einst liiert war) und Irene Scopel, die im Sommer in Alfons Schuhbecks Fine Dining im ehemaligen Boettners ihr Italo-Restaurant Goldig eröffnet haben. Alle Angefragten gaben Steinfatt einen Korb.

Die Bräurosl, das Zelt, das niemand will

Warum nur? Schuld sind natürlich die Kosten. In Kombination mit dem Donisl muss der potenzielle Nachfolger eine äußerst saftige Summe hinblättern, ohne, dass in nächster Zeit Einnahmen erwartbar sind. Auch der Donisl verschlingt an Miete und mehr sehr viel Geld.

Der Donisl - Münchens zweitälteste Gaststätte in bester Lage am Marienplatz - ist momentan geschlossen und führungslos.
Der Donisl - Münchens zweitälteste Gaststätte in bester Lage am Marienplatz - ist momentan geschlossen und führungslos. © imago images/Peter Widmann

Ein Insider zur AZ: "Fünf bis sieben Millionen Euro muss für beide Objekte erstmal gezahlt und investiert werden, auch die Bank will ja vorab eine Garantiesumme, was einer Gastro-Kaution entspricht. So viel Geld macht niemand in diesen Zeiten mal eben locker. Wer will Millionen zahlen – für ein Restaurant, das geschlossen ist, und ein Zelt, das nächstes Jahr mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht aufgebaut wird?"

Wiesnwirt: "Irgendjemand wird sich schon finden"

Eine Antwort könnte vielleicht noch in Straubing gefunden werden. Eine Groß-Gastro-Familie, bisher nicht in München tätig, soll dort ebenfalls eine konkrete Anfrage bekommen haben. Ein Wiesnwirt, der nicht genannt werden will, zur AZ: "Irgendjemand wird sich irgendwann schon finden. Es ist wie mit völlig überteuerten Wohnungen in München, da gibt es letztendlich doch auch immer jemanden, der sie kauft."

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