Stephan Pilsinger (CSU): Der Arzt, der die Leute nicht erziehen will

Stephan Pilsinger kandidiert im Wahlkreis München-West/Mitte für die CSU. Wie schon 2017 will der Arzt auch 2021 mit dem Direktmandat in den Bundestag einziehen.
| Christina Hertel
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Stephan Pilsinger.
Stephan Pilsinger. © Tobias Koch

München - Wenn man das Wahlkreisbüro des CSU-Bundestagsabgeordneten Stephan Pilsinger in Obermenzing besucht, fällt es einem schwer zu glauben, dass sich hier nach der letzten Bundestagswahl ein 34-Jähriger eingerichtet hat: Auf einem Sims stehen ein Kruzifix (Pilsinger bezeichnet sich selbst als liberal-wertkonservativen Christen, der die Meinung vertritt, dass jedes Leben wertvoll ist). Daneben lehnen ein schweres, dunkles Ölgemälde von Schloss Blutenburg (in der Nähe wuchs Pilsinger auf) und eine Urkunde für eine Baumpatenschaft (Um Bäume wird es im Laufe des Gesprächs noch häufiger gehen. Pilsinger sitzt im Bezirksausschuss Pasing-Obermenzing. Eines seiner Lieblingsthemen dort seien illegale Baumfällungen). Um die Füße springt ein Dackel namens Jännerwein, eineinhalb Jahre alt. 

Die Wähler im Münchner Westen schickten Pilsinger 2017 als Direktkandidaten in den Bundestag. Sein Mandat will er behalten, im Herbst tritt er bei der Wahl wieder an. Doch diesmal muss er hart kämpfen: Denn Dieter Janecek von den Grünen hat gute Chancen, ihm das Mandat abzuluchsen. 

"Habe mir geschworen, dass mich Berlin nicht verändert"

Von Berlin habe er wegen der Arbeit in den vergangenen fünf Jahren kaum etwas gesehen, keine Kultur, kein Nachtleben, sagt er in seinem Büro, es gibt Mineralwasser. Er miete in Berlin für 450 Euro im Monat ein kleines Zimmer in Moabit, ein Viertel im Westen der Stadt. Am liebsten gehe er in das Wirtshaus in seiner Straße, weil es da bodenständige Gerichte gebe, Strammen Max, zum Beispiel. 

“Ich habe mir geschworen, dass mich Berlin nicht verändert”, sagt Pilsinger. “Und deshalb lebe ich einfach so weiter wie bisher.” Pilsinger hörte trotz Mandat  nicht auf, als Arzt zu arbeiten. Wenn nicht gerade Sitzungen in Berlin sind, behandelt er Patienten in Oberhaching im Landkreis München. Er wolle nicht eines Tages in einer Politiker-Blase in Berlin den Kontakt zu den normalen Menschen verlieren, sagt er. Die Schicht, für die er Politik machen will, nennt Pilsinger  “Leberkäs-Etage” – normale Leute, die es sich nicht leisten können, alles im Bio-Supermarkt zu kaufen.

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Als Arzt kann Pilsinger hinter Türen schauen, die für andere verschlossen bleiben. “In München versuchen viele, eine schöne Fassade aufrechtzuerhalten”, meint Pilsinger. Doch wenn er die Patienten zu Hause besucht, sehe er, wie groß die Armut und die Einsamkeit in dieser reichen Stadt wirklich seien. Pilsinger fordert deshalb, dass die Mütterrente  ausgebaut wird. Außerdem will er, dass München für Menschen, die hier geboren und aufgewachsen sind, eine Heimat bleiben kann. Gelingen könne dies aus seiner Sicht durch Einheimischen-Modelle beim Wohnungsbau. 

Stephan Pilsinger lehnt Zwang ab

Wie er mit den Grünen zusammenarbeiten kann, hat Pilsinger im Bundestag schon ausprobiert: Gemeinsam mit deren Kanzlerkandidatin Annalena Baerbock gehörte Pilsinger zu jenen Abgeordneten, die nach einer Lösung suchten, um die Organspendezahlen zu erhöhen. Die Gruppe erwirkte, dass Menschen nun häufiger gefragt werden, ob sie  Organspender werden wollen,  zum Beispiel, wenn sie einen neuen Personalausweis beantragen. 

Pilsinger hielt es für falsch, dass geplant war, dass die Bürger nur dann nicht zum Organspender werden, wenn sie aktiv widersprechen. Hauptsächlich war er aus organisatorischen Gründen dagegen: "Wissenschaftler fanden heraus, dass sich die Zahlen so nicht erhöhen", sagt Pilsinger. Aber auch ein wenig Ideologie steckte dahinter: Zwang lehne er ab. "Die Menschen kann man nicht erziehen", sagt Pilsinger. Auch das habe er als Hausarzt gelernt.

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