Seija Knorr-Köning (SPD): Krankenschwester mit Außenseiterchance

Seija Knorr-Köning tritt im Wahlkreis München-West/Mitte für die SPD an.
| Christina Hertel
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Seija Knorr-Köning kandidiert für die SPD im Wahlkreis West/Mitte.
Seija Knorr-Köning kandidiert für die SPD im Wahlkreis West/Mitte. © Julian Schulz

München - Der Tag beginnt für Seija Knorr-Köning um kurz nach 6 Uhr, dann zieht sie sich ihr rotes Shirt an, wirft ihre rote Jacke über, packt einen Stapel Flyer ein und macht sich auf den Weg zu einer U-Bahn-Station im Münchner Westen. Dort will Seija Knorr-Köning, Krankenschwester, Mutter, 27  Jahre alt, für die SPD das Direktmandat holen. "Früh-Verteilung" nennt Knorr-Köning diese Aktion. Danach steht sie auf Wochenmärkten, danach auf Spielplätzen. "Da kann ich auch mal mein eigenes Kind lüften", sagt sie. Ihr Sohn ist ein Jahr alt und heißt Paul Levi, benannt nach dem Anwalt der Marxistin Rosa Luxemburg. Levi haderte und stritt mit der SPD - kehrte aber letztlich zu ihr zurück. 

Zum Zurückkehren will Seija Knorr-Köning die Menschen auch überreden. Denn sie klingelt an Tausenden Haustüren, vor allem dort, wo Wohnblöcke stehen, in denen die Menschen leben, die früher einmal zur Kern-Wählerschaft der SPD gehörten: Arbeiter, Handwerker, Geringverdiener. 

Knorr-Köning steht für eine moderne SPD

Gleichzeitig steht Sejia Knorr-Köning für eine moderne SPD: Hintergrundgespräche mit Zigarre und Whiskey bis in die Nacht hinein werde es mit ihr nicht geben, sagt sie. Die 27-Jährige fordert Kinderbetreuung auf allen Parteitagen.

Knorr-Köning ist Krankenschwester auf einer Intensivstation. Auch als Abgeordnete wolle sie diese Arbeit weiter machen, wohl auch um nicht aus den Augen zu verlieren, für was sie kämpft, nicht zu vergessen, wie sich eine Nachtschicht anfühlt, in der man nichts essen, nicht aufs Klo gehen konnte, weil so viele Patienten warten, sagt sie. 

Seija Knorr-Köning fordert, das Unternehmen keine privatwirtschaftlichen Gewinne mehr mit der Gesundheitsversorgung machen dürfen. Außerdem will sie eine Bürgerversicherung, also eine Krankenversicherung in die alle einzahlen, auch Beamte.

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Mit der SPD  haderte auch Sejia Knorr-Knöning. Als sie eintrat, schwor sie sich, den Hartz-IV-Gesetzen ein Ende zu machen. Damals war sie 18 Jahre alt. Erreicht ist dieses Ziel noch immer nicht. Trotzdem fühlt sich für die SPD Wahlkampf zu machen  momentan ganz ungewohnt gut an, sagt die 27-Jährige: Zum ersten Mal seit Jahren gibt es eine Chance, dass die Genossen nach der Wahl nicht mit langen Gesichtern in die Kameras blicken und schon wieder das Verlieren erklären müssen. Der Kandidat der SPD, Finanzminister Olaf Scholz, führt gerade die Umfragen an. 

Seija Knorr-Köning: Grundsicherung für alle Kinder

Warum sie überhaupt bei der SPD landete, beantwortet Sejia Knorr-Köning mit ihrer Biografie: Ihr Vater ist Schlosser, ihre Mutter Hausfrau. Beide hatten genug Geld, dass sie ihren vier Kindern Musikunterricht bezahlen konnten. Doch für die Proben-Freizeit reichte es nicht, sagt Knorr-Köning.  Deshalb habe ihre Familie jedes Jahr Geld aus einem Fördertopf bekommen, in den all die "reichen" Eltern einzahlten. "Das war natürlich gut, so konnte ich mit. Trotzdem hat es sich irgendwie scheiße angefühlt." 

Heute fordert Seija Knorr-Köning eine Grundsicherung für alle Kinder - unabhängig davon, wie viel die Eltern verdienen. Sie will, dass jedes Kind ein warmes Mittagessen bekommt und der Mindestlohn angehoben wird. Umsetzen kann Knorr-Köning diese Politik wohl nur, wenn sie im Münchner Westen das Direktmandat holt. Denn auf der Landesliste der SPD steht Knorr-Köning auf Platz 32  - selbst nach derzeitigen Prognosen eine ziemlich aussichtslose Position.

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