Tal autofrei? Anwohner fordern Planungsstopp

Der Unmut vieler Geschäftsleute, Ärzte und Mieter gegen die Umgestaltungspläne der Stadt ist groß. Vor allem Sightseeing-Busse und Taxis sind unerwünscht "vor den Schlafzimmern".
| Irene Kleber
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Anwohner und Geschäftsleute sehen die Umbaupläne für ein autofreies Tal kritisch, wie Margarethe Stadlbauer (2.v.r.) von der "Bürgerinitiative Tal" und ihre Mitstreiter Susanne Bieber, Michael Werner, Stefan Brunner, Othmar Wimmer und Marina Weiß (v.l.) - hier vor dem Isartor.
Anwohner und Geschäftsleute sehen die Umbaupläne für ein autofreies Tal kritisch, wie Margarethe Stadlbauer (2.v.r.) von der "Bürgerinitiative Tal" und ihre Mitstreiter Susanne Bieber, Michael Werner, Stefan Brunner, Othmar Wimmer und Marina Weiß (v.l.) - hier vor dem Isartor. © Bernd Wackerbauer

Altstadt-Lehel - Rund 25 Kurzzeit-Parkplätze weg, dafür mehr Platz für Fußgänger, mehr Freischankflächen auf Gehwegen - und die Räder, die jetzt kreuz und quer am Gehsteig parken, stehen dann ordentlich am Straßenrand. Was die Stadt als erstes Provisorium zum "autofreien Tal" plant (AZ berichtete), gefällt vielen Münchnern.

Autofreies Tal: Anwohner versammeln sich zum Protest

Nur: Auf dem 350 Meter langen Straßenstück in der Altstadt zwischen Marienplatz und Isartor wohnen einige Hundert Anwohner, rund 80 Ärzte arbeiten in Praxen und zig Einzelhändler haben ihre Läden dort. Viele von ihnen fühlen sich bei den Plänen "übergangen" und haben sich am Dienstagabend im Schneider-Bräu versammelt - zum erneuten Protest.

Autoparkplätze weg am Straßenrand, dafür könnten dort dann alle Radl parken, die jetzt auf dem Gehsteig herumstehen.
Autoparkplätze weg am Straßenrand, dafür könnten dort dann alle Radl parken, die jetzt auf dem Gehsteig herumstehen. © LHM Baureferat

"Wir fordern einen sofortigen Planungsstopp", sagt Margarethe Stadlbauer von der Bürgerinitiative Tal zur AZ, "und zwar so lange, bis wirklich alle Anwohner, Praxen und Gewerbetreibende angehört worden sind. Jeder hat andere Bedürfnisse im Tal, das muss berücksichtigt werden."

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Was sie und ihre Mitstreiter ärgert: In seiner letzten Sitzung hat der Bezirksausschuss Altstadt-Lehel sich mit den Mehrheitsstimmen von Grünen und SPD für die "Planungsvariante 3" der Stadt ausgesprochen. Die sieht unter anderem vor, dass sich die Fußgängerzone ins Tal hinein bis zur Hochbrückenstraße ausweitet und die Taxistandplätze und die Haltestelle für Sightseeingbusse von der Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt in die Tal-Mitte verlegt werden. "Der große Gewinn dieser Variante ist, dass wir so im oberen Tal eine zusammenhängende Freifläche bekommen", argumentiert die grüne BA-Chefin Andrea Stadler-Bachmaier.

Die grüne BA-Chefin Andrea Stadler-Bachmaier.
Die grüne BA-Chefin Andrea Stadler-Bachmaier. © Grüne

"Anwohner wollen keine Taxis und Sightseeing-Busse vor den Schlafzimmern"

"Planlos" und "unsinnig" findet die Bürgerinitiative dagegen diese Variante - zumal ab Herbst täglich 100 Lkw durchs Tal fahren werden - zur Baustelle für die zweite S-Bahn-Stammstrecke am Marienhof. Einen richtigen Umbau zur Fußgängerzone kann es erst 2028 geben, wenn die Bauarbeiten abgeschlossen sind. "Fakt ist", schreibt Stadlbauer in einem "Brandbrief", der die Nachbarn erreicht hat, "die Anwohner wollen keine Taxis und Sightseeing-Busse vor den Schlafzimmern." Im betroffenen Teil des Tals würden drei Viertel aller Anwohner wohnen. Auch die Parksituation der Anwohner, die Erreichbarkeit der Ärzte und Läden sei ungeklärt.

Eine endgültige Entscheidung im Stadtrat wird wohl erst nach der Sommerpause fallen. Wann es dann losgehen kann mit der Tal-Umgestaltung ist unklar. Andrea Stadler-Bachmaier hofft auf "noch vor dem Winter".

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