Politik in der Schule: "Viele wissen kaum, wie man sich einbringen kann"

Jung und politisch engagiert? In der Schule kommt kommunale Politik oft zu kurz.
| Paul Nöllke
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Gordienko beim Vortrag mit Schülerinnen ihrer alten Schule.
Gordienko beim Vortrag mit Schülerinnen ihrer alten Schule. © privat

Bogenhausen - Mit so viel Interesse hatte sie nicht gerechnet: Ihre alte Schule hatte Polina Gordienko (SPD) eingeladen, um über ihre Erfahrung als Münchens jüngstes Mitglied eines Bezirksausschusses (BA) zu sprechen. "Ich war überrascht, wie viele Fragen die Schülerinnen über die Kommunalpolitik und den BA hatten", meint Gordienko. "Aber viele wissen kaum, wie man sich einbringen kann."

Ähnlich sieht das auch Katharina Willimski, die stellvertretende Schulleiterin, der Mädchenschule Max-Josef-Stift in Boghenhausen, an der Gordienko ihren Vortrag hielt: "Wenn das Thema Kommunalpolitik auf dem Lehrplan steht, ist das Interesse eher gering. Doch wenn es um konkrete Fälle geht, ist das Interesse plötzlich riesengroß."

Kommunalpolitik wird im Lehrplan nicht behandelt

Doch im bayerischen Lehrplan kommt die Kommunalpolitik kaum vor. In der 10. Klasse stehen in Sozialkunde zwar Staat und Parteien auf dem Lehrplan, doch die kommunale Ebene wird dabei oft gar nicht behandelt. "Da muss man den Schülern ganz allgemein erstmal erklären, wie Politik funktioniert", sagt Willimski. "Das ist schade, denn diese Politik betrifft sie oft am direktesten", meint Gordienko.

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Sie selbst kam mit 14 Jahren von Belarus nach München. Für sie war gleich klar, dass sie sich hier auch politisch einbringen will. Mit 18 Jahren tritt sie in die SPD ein, zwei Jahre später wird sie von ihrem SPD-Ortsverein Obersendling-Thalkirchen für die BA-Wahl vorgeschlagen und dort sogar zur stellvertretenden BA-Vorsitzenden gewählt.

Auch junge Leute dürfen im Bezirksausschuss mitwirken

Doch wird man als so junge Frau im BA ernstgenommen? "Ja, auf jeden Fall!", mein Gordienko. "Aber ich glaube auch, dass viele junge Frauen oft unsicher sind. Beim Vortrag an meiner Schule hat zum Beispiel eine 16-Jährige gefragt, ob man überhaupt beachtet wird, wenn man sich in ihrem Alter an den Bezirksausschuss wendet."

Wie können Schulen junge Menschen also für Kommunalpolitik interessieren und ihnen signalisieren, dass sie ernstgenommen werden? "Ich glaube, dass Vorbilder ganz wichtig sind - insbesondere für junge Frauen, die sich engagieren wollen", meint Gordienko. "Es braucht daher mehr junge Menschen und mehr Frauen in der Politik, die als ein solches Vorbild dienen können."

Durch Obstbäume Einblicke in den BA?

Die Schülerinnen des Max-Josef-Stift haben sich Gordienko wohl schon zum Vorbild genommen. Seit an ihrer Schule vor Kurzem drei Pappeln gefällt werden mussten, engagiert sich eine zehnte Klasse um eine Nachbepflanzung mit Obstbäumen. "Anhand dessen haben die Schülerinnen gelernt, was ein BA ist, was für Vorgaben es gibt, sie haben mit unserem Gärtner gesprochen und unserem Mitglied des Bundestags geschrieben, der sich ebenfalls sehr für Obstbäume einsetzt."

So können die Schülerinnen lernen, wie Kommunalpolitik funktioniert. Doch ohne engagierte Lehrer und ehemalige Schüler - wie eben Gordienko - käme dieses eigentlich so wichtige Thema auch weiterhin viel zu kurz.

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