Parkplatz-Ärger in der Altstadt: "Wo sollen die Kunden parken?"

Die Parkplätze in der Altstadt sollen bis 2025 entfallen. Einzelhändler und Wirte sehen das jedoch kritisch. Sie fürchten um ihren Umsatz.
| Christina Hertel
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Blick in Sendlinger Straße hin. Seit Dezember 2019 ist sie eine komplette Fußgängerzone. (Archivbild)
Blick in Sendlinger Straße hin. Seit Dezember 2019 ist sie eine komplette Fußgängerzone. (Archivbild) © Tobias Hase/dpa

Altstadt - Wer mit dem Fahrrad in die Innenstadt fährt, gibt zwar für den einzelnen Einkauf weniger Geld aus als ein Autofahrer - jedoch kommt er häufiger.

Und das wiederum führt dazu, dass er über das gesamte Jahr hinweg am Ende doch mehr kauft als diejenigen, die bei einem Besuch einmal ihren Kofferraum vollladen. Das ist - grob zusammengefasst - das Ergebnis einer Studie, die die Arbeitsgemeinschaft fahrradfreundliche Kommunen in Bayern publiziert hat.

Viele, die dafür sind, die Münchner Innenstadt von Autos zu befreien, beziehen sich auf diese Erhebung. Allerdings wurde mit ihr nicht für München, sondern Graz, Münster und Kopenhagen analysiert. Welche Folgen es hat, wenn die Münchner Innenstadt autofrei würde, will der CSU-Stadtrat Hans Hammer deshalb in einer eigenen Studie herausfinden.

KVR zählt aktuell 1.600 Ausnahmeregelungen für Anwohner

Denn aus seiner Sicht war der Beschluss des Stadtrats, dass nach und nach die oberirdischen Parkplätze in der Altstadt bis spätestens 2025 verschwinden sollen, voreilig. Er würde deshalb gerne Wissenschaftler mit einer Untersuchung beauftragen.

Der Abbau der Parkplätze soll in mehreren Stufen erfolgen. Zuerst sollen sich die Gebühren auf 2,50 Euro in der Stunde erhöhen. Dann sollen nur noch Menschen mit einer Genehmigung parken dürfen. Und schließlich - bis spätestens 2025 - sollen die Parkplätze ganz wegfallen. Auch Anwohner sollen dann ihr Auto nur noch in Tiefgaragen und Parkplätzen abstellen dürfen. Momentan zählt das Kreisverwaltungsreferat 1.600 Ausnahmeregelungen für Anwohner, die einen Parkplatz an der Oberfläche nutzen dürfen.

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Mehr als 90 Prozent der Menschen kommen nicht mit dem Auto in die City

Wenn die Altstadt erst einmal von all dem Blech befreit ist, was dort herum steht, erhoffen sich SPD und Grüne, dass sich die Menschen noch lieber in der Innenstadt aufhalten. In Madrid funktionierte das: Dort stiegen die Umsätze um fast zehn Prozent, belegen Studien.

Wolfgang Fischer, der als Chef des Vereins City Partner die Innenstadthändler vertritt, ist trotzdem nicht begeistert. "Wenn die Parkhäuser voll mit den Autos von Anwohnern sind, wo sollen dann diejenigen parken, die zum Einkaufen in die Stadt fahren?", fragt er. In öffentlichen Parkhäusern gibt es momentan zirka 8.600 Stellplätze in Garagen. Laut einer Analyse der Stadt sind an Samstagen ab dem späten Vormittag die Plätze in den zentralen Parkhäusern praktisch voll.

Allerdings kommen schon heute mehr als 90 Prozent der Menschen nicht mit dem Auto in die Innenstadt. Doch der Rest sei eine besonders relevante Zielgruppe, meint Fischer. Geschäftsreisende, Menschen aus Starnberg oder vom Tegernsee, die in den Läden rund um den Marienplatz viel Geld lassen. Ihnen sollte das Einkaufserlebnis nicht erschwert werden, so sieht es der Verbandschef.

Gregor Lemke rechnet mit Umsatzrückgang

Ähnlich äußert sich Gregor Lemke, der den Augustiner Klosterwirt betreibt und die Wirte in der Innenstadt vertritt. "Wenn die Hürden, die Innenstadt zu erreichen, zu hoch sind, fahren die Leute lieber in ein Einkaufscenter auf der grünen Wiese am Stadtrand." Er rechnet damit, dass die Umsätze zurückgehen - sollte die Innenstadt für Autos ganz gesperrt werden.

Wolfgang Fischer kritisiert außerdem, dass bis jetzt kein Politiker mit den Anwohnern oder Geschäftsleuten über die Streichung der Parkplätze gesprochen habe. Das allerdings ist laut Beschluss für nächstes Jahr geplant.

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