Das Tal wird (fast) autofrei

Der Stadtrat hat die weitere Planung in die Wege geleitet. Doch einige kritisieren: Eine Fußgängerzone wird es nie werden, da immer noch Busse, Radl und Anwohner durch die Straße fahren.
| Emily Engels
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Parken in zweiter Reihe und Verkehrschaos. So sieht das Tal aktuell noch aus.
Parken in zweiter Reihe und Verkehrschaos. So sieht das Tal aktuell noch aus. © Andreas Gregor

München - Fußgängerzone, autofrei oder doch "nur" autoreduziert? Um diese Begrifflichkeiten gab es gestern einen Streit. Für die weitere Planung für ein weitgehend autofreies Tal stimmte der Stadtrat gestern im Mobilitäts- und Planungsausschuss dann doch.

Auch über das grobe Ziel ist man sich einig: Der 350 Meter lange Straßenzug in der Altstadt soll für Fußgänger künftig so attraktiv wie möglich gestaltet werden. Nachdem Ende Mai bereits die Fußgängerzone bis zur Dienerstraße erweitert wurde, kann nun ein durchgängiger Fußgänger-Bereich vom Hauptbahnhof bis zum Isartor entstehen.

Vor allem Autos sollen dem Tal fernbleiben, Radfahrer, öffentlicher Nahverkehr und Lieferfahrzeuge sollen nach wie vor erlaubt sein. Damit werde die Vision einer "autofreien" Altstadt ein Stück konkreter. Grünen-Fraktionschef Florian Roth bezeichnete das Tal als das "Kern- und Herzprojekt" einer autofreien Altstadt, da es sich um die "Eingangsschneise in die Altstadt" handele.

"Das Tal wird nie eine Fußgängerzone"

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl hatte derweil Probleme mit der Bezeichnung "Fußgängerzone" im Zusammenhang mit dem Tal. Der Grund, so sagt er: "Wenn wir realistisch sind, wird das Tal nie eine Fußgängerzone werden können." Neben ÖPNV gebe es noch einige Hotels und Anwohner-Tiefgaragen, die angefahren werden müssten, so der Fraktionschef.

Und FDP-Fraktionschef Jörg Hoffmann sah den Parkplatzwegfall als solchen kritisch. Er nennt in dem Zusammenhang auch die Tiefgarage am Thomas-Wimmer-Ring. Die sei "ein reines Tauschgeschäft zu Ungunsten der Autofahrer". Denn das Parkhaus in der Hildegardstraße wird schließlich abgerissen. "Es werden also tatsächlich immer weniger Stellplätze in der Altstadt. Und mit dieser Vorlage werden es nochmal weniger", schimpfte Hoffmann.

Florian Roth konterte: "Die FDP/Bayernpartei will für jeden Parkplatz kämpfen." Und an Pretzl gerichtet: "Ob nun autoreduziert, autoarm oder autofrei. Das ist doch ein Krampf." Egal wie die Stadträte es nun bezeichnen mögen. Flanierende müssen sich so oder so noch ein bisserl gedulden.

Denn ein zügiger Umbau sei während der Bauarbeiten zur Zweiten Stammstrecke eh nicht möglich, da das Tal Hauptanfahrtsroute für den Baustellenverkehr ist, steht in der Vorlage. Die Zweite Stammstrecke wird jedoch nicht vor 2028 fertiggestellt.

Deshalb sagte Stadtrat Nikolaus Gradl (SPD): "Wir fordern die Deutsche Bahn auf, dass sie die Baustelle am Marienhof im vereinbarten Zeitraum fertigstellt." Also ebenfalls 2028. So lange werde man aber mit der Umgestaltung des Tals nicht warten. Gradl forderte auch, dass keine Verbrennerbusse mehr durch den Straßenabschnitt fahren sollen, sondern E-Busse.

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Doch nicht nur Bauarbeiten machen das Vorhaben kompliziert. So muss die Verwaltung gemeinsam mit der MVG etwa noch prüfen, wie der Busverkehr künftig durch die Altstadt gelenkt werden könnte. Dabei soll es vor allem um die Linie 132 gehen. Denn sie ist die einzige, die nah an den Marienplatz heranfährt.

Merk warnt: "Bei Einschränkungen würde sich die ÖPNV-Erschließung der Altstadt verschlechtern." Und nicht nur die öffentlichen, sondern auch die Sightseeing-Busse müssten umgeleitet werden.

Einfluss auf die Untersuchung für ein autoarmes Tal werden auch eine mögliche Umgestaltung des Isartorplatzes und die neue Verkehrsführung am Thomas-Wimmer-Ring haben, nach Fertigstellung der großen Tiefgarage.

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