Grünen-Chefin im BA Schwabing-West: "Eine Latzhose hatte ich nie"

Die Chefin des Bezirksausschusses Schwabing-West, Gesa Tiedemann, sieht sich nicht als typische Grüne. In der AZ erklärt sie ihre Pläne fürs Viertel.
| Eva von Steinburg
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"Wir haben viel gegeben": Gesa Tiedemann ist seit 2020 BA-Chefin in Schwabing-West.
"Wir haben viel gegeben": Gesa Tiedemann ist seit 2020 BA-Chefin in Schwabing-West. © privat

Schwabing-West - "Ich kann nicht gut stricken", weist Gesa Tiedemann das alte Öko-Klischee von sich - und lacht! Die heute 65-Jährige gehört zu den ersten Grünen in Deutschland. Schon 1981 ist sie in die Öko-Partei eingetreten, die seit 1979 existiert.

Vollblutpolitikerin Tiedemann ist im Brotberuf eine erfahrene Lehrerin. Viele Jahre hat sie jungen Erwachsenen geholfen ihren Hauptschulabschluss nachzuholen.

Themen damals: Müllproblematik und saurer Regen

Schon vor 35 Jahren ist das "Nordlicht" aus Schleswig-Holstein nach München gezogen, und stieg sofort in die grüne Lokalpolitik ein. "Damals waren unsere Themen die Müllproblematik, der saure Regen und Globales, aber auch schon die Verkehrsfrage: Wem gehört die Stadt", erinnert sich Gesa Tiedemann: "Bei den Grünen ging es immer um alles!"

Zuständig für Bildung und soziale Fragen, saß Gesa Tiedemann von 1990 bis 1999 für die Grünen im Münchner Stadtrat. Ende der 90er Jahre wurde sie Vorsitzende der Münchner Grünen. Den Themen in ihrem Stadtviertel Schwabing-West widmete sie sich intensiv ab 2002: "Ich finde es schön, mich um die unterste politische Ebene zu kümmern, um das ganz Praktische. Ich wollte immer die Ampel kennen, über die ich abstimme", sagt sie. "Wo sind die neuralgischen Punkte im Viertel? Wo geht der Schulweg entlang?", das sind für Tiedemann "spannendste Fragen" - auch weil die Schwabingerin so ihren Wohnort neu kennenlernt.

Seit der Kommunalwahl im März 2020 ist Gesa Tiedemann, die Mitarbeiterin der Petra-Kelly-Stiftung ist, die neue, grüne Chefin des Stadtviertelparlaments Schwabing-West. Und hat damit ein Urgestein an der Spitze abgelöst: Walter Klein von der SPD, der 35 Jahre lang der anerkannte und beliebte BA-Chef des Bezirks war.

Lösungsorientiert, nicht ideologisch

Die neue Stadtteil-Bürgermeisterin hält sich für besonders teamorientiert, manchmal auch streng: "Ich glaube, ich bin gewählt worden, weil ich lösungsorientiert bin. Ich bin nicht ideologisch. Es geht mir immer darum, was brauchen die Menschen, die hier wohnen. Und wenn das dann Parkplätze sind, bin ich nicht dagegen", erklärt Tiedemann gelassen ihren Ansatz.

Von den 29 Lokalpolitikern im Bezirksausschuss sind 16 neu dabei. Die Grünen haben zwölf Sitze, die SPD sechs, ebenso die CSU. FDP und Linke halten jeweils zwei Plätze und die ÖDP einen.

Von der Elisabethstraße zog Gesa Tiedemann in die Winzererstraße um. An Schwabing-West liebt sie die alten Häuser mit ihren Erkern. "Ich schaue so gerne nach oben", schwärmt sie. Außerdem mag die 65-Jährige, "dass viele Leute hier schon so lange wohnen". Der Politikerin imponieren auch die "engagierten Familien" in ihrem Viertel.

Schwabing-West ist der am dichtesten besiedelte Stadtteil in München. Doch das würde man kaum merken, weil es so viel Grün gibt. "Wir wohnen in Schwabing-Land", scherzt sie mit Freunden, weil es ruhig, und trotzdem großstädtisch ist in ihrer Gegend - zwischen der Baustelle des Elisabethmarkts und dem modernen Ackermannbogen.

Parkplatz am Kölner Platz: Wohnungen auf Stelzen

Hier passiert viel: An der Ecke Schwere-Reiter-Straße/Heßstraße ist eine Grundschule fast fertiggestellt worden. Städtische Grundstücke in der Nähe sollen genossenschaftlich und ökologisch bebaut werden. Die Stadt vergibt den Baugrund im Erbbaurecht. "Das ist wunderbar", findet Gesa Tiedemann. Eine weitere gute Idee: Am Parkplatz am Kölner Platz sollen Wohnungen auf Stelzen entstehen, ähnlich wie am Dantebad. Doch die Lokalpolitik muss gerade auch besonders aufpassen, weiß sie: Mehrere grüne Innenhöfe im Viertel sollen bebaut werden.

Trotz ihres norddeutschen Namens und ihres klassischen Hochdeutschs hat sich Gesa Tiedemann an München angepasst, obwohl ihr das Meer "immer noch ganz dolle fehlt". Die Politikerin mag zwar kein Bier, aber die bayerische Gemütlichkeit und bayerische Kneipen.

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In der Corona-Zeit, die Workshops und Diskussionen der Petra-Kelly-Stiftung momentan nur digital stattfinden lässt, kann Gesa Tiedemann sogar Gutes sehen: "Es hören nun Interessierte aus Passau oder Kempten zu, eben auch von weiter weg", hat sie bemerkt.

Die Grünen sind in München schnell gewachsen. Die neue Stellung als stärkste Fraktion im Stadtrat erscheint der BA-Chefin stimmig: "Wir haben viel gegeben." Dass Katrin Habenschaden Zweite Bürgermeisterin ist, freut sie immens: "Wir haben die Themen, die den Menschen unter den Nägeln brennen."

Auch wenn diese Themen manchmal ganz un-Grün wirken, das passt zu Gesa Tiedemann. "Eine Latzhose hatte ich übrigens auch nie" sagt sie. Noch so ein Grünen-Klischee, mit dem die BA-Chefin überhaupt nichts anfangen kann.

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