Entschieden: Hilblestraße wird in Maria-Luiko-Straße umbenannt

Die Stadt prüft anhand einer Liste, ob und welche Straßennamen in München vorbelastet sind und umbenannt werden sollen. Die Hilblestraße in Neuhausen gibt's zukünftig nicht mehr.
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In der Hilblestraße hat Hugendubel seinen Sitz.
In der Hilblestraße hat Hugendubel seinen Sitz. © GoogleStreetView

Neuhausen - Die Hilblestraße soll nach Willen des Stadtrats in Maria-Luiko-Straße umbenannt werden.

Liste von Straßennamen "mit erhöhtem Diskussionsbedarf" 

Friedrich Hilble war bis zu seinem Tod 1937 der Leiter des Münchner Wohlfahrtsamts. Er war zwar kein Mitglied der NSDAP, stand der NS-Ideologie aber nahe.

Die Expertenkommission des Stadtrats hatte die Straße auf die Liste der Straßennamen "mit erhöhtem Diskussionsbedarf" gesetzt. Der Kommunalausschuss hat sich nun für eine Umbenennung ausgesprochen.

Maria Luiko ist eine 1904 in München geborene Illustratorin. Sie wurde 1941 mit anderen Juden nach Kaunas deportiert und dort von den Nazis ermordet.

Hugendubel muss Geschäftsunterlagen ändern - was kostet das die Stadt?

In der Hilblestraße sind Hunderte Firmen ansässig – darunter auch die Buchhandlung Hugendubel. Das Unternehmen stehe zwar voll und ganz hinter der Umbenennung der Straße, teilte eine Sprecherin der AZ bereits im April 2021 mit. Hugendubel schätzt jedoch, dass Kosten von etwa 100.000 Euro entstehen – zum Beispiel, weil die Adresse auf Briefpapier und Visitenkarten geändert werden muss. Die Stadt will die Unternehmen entschädigen.

Wie die "Bild" berichtet, rechnete das Kommunalreferat aus, welche Kosten dabei im Schnitt entstehen. Die Rechnung: Bei 40 umbenannten Straßen wären durchschnittlich 224 Einwohner und je 70 Firmen pro Straße betroffen. Inklusive der Personalkosten sollen so insgesamt 6,5 Millionen Euro zusammenkommen.

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Was ist mit Richard Wagner und Richard Strauss?

Die Stadt arbeitet an einer Liste, bis zu 45 Straßen in München könnten einen neuen Namen bekommen, weil die jetzigen unter Umständen historisch belastet sind. Das Stadtarchiv stellte eine entsprechende Aufstellung vor – entschieden ist hier aber noch nichts.

Laut "Bild" dürfen die Straßen mit den Namen der Komponisten Richard Wagner (gestorben 1883) und Richard Strauss (gestorben 1949) bleiben – obwohl der eine als antisemitisch galt und der andere Ausnahme-Dirigent in der NS-Zeit war.

Richard Wagner schrieb 1850 den antisemitischen Text "Das Judenthum in der Musik", Richard Strauss war von 1933 bis 1935 Leiter der Reichsmusikkammer. Lebenswerk und internationale Bedeutung gaben wohl den Ausschlag.

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