Söder-Kritiker Hans Theiss entzweit die CSU

Im Bezirksverband gibt es sehr verschiedene Meinungen zur scharfen Kritik an Markus Söder.
| Felix Müller
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CSU-Politiker Prof. Dr. med. Hans Theiss. (Archivbild)
CSU-Politiker Prof. Dr. med. Hans Theiss. (Archivbild) © imago images/HRSchulz

München - "Kronzeuge" ist ein Wort, das an diesem Dienstag immer wieder fällt in Gesprächen mit den wichtigen Münchner CSU-Leuten. Zum Kronzeugen für Verschwörungstheoretiker, CSU-Hasser, jene, die Markus Söder schaden wollen, habe sich Hans Theiss unnötigerweise gemacht.

Der Fraktions-Vize aus dem Rathaus hat den Ministerpräsidenten und dessen Corona-Politik scharf kritisiert. Und damit den Münchner Bezirksverband entzweit.

Diskussion um Hans Theiss: Es gibt nicht nur die Kronzeugen-These

Denn das Meinungsbild bei den Mandats- und Funktionsträgern, die sich allesamt nur hinter vorgehaltener Hand äußern wollen, ist uneindeutig. Es gibt nicht nur die Kronzeugen-These. Sondern offenbar auch viele, die dem Medizin-Professor ganz oder in Teilen zustimmen.

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In der Stadtrats-Fraktionssitzung am Montag, so berichten es mehrere Teilnehmer, habe es viel Unterstützung für die Kritik gegeben. Andererseits ist da auch die These, dass jene, die den Vorstoß unmöglich finden, sich nur nicht so klar geäußert hätten - weil sie sich das gegenüber dem Fraktions-Vize nicht trauten.

Will sich Hans Theiss nur profilieren?

Was Theiss antreibt? Da unterstellen auch viele, die ihm eher wohlgesonnen sind, durchaus persönliche Ambitionen. "Er genießt diese Aufmerksamkeit jetzt", sagt einer, der ihn lange kennt. Ein anderer glaubt, Theiss stehe in seinem Kreisverband unter Druck, wolle sich dort profilieren.

Theiss hatte mehr "Ehrlichkeit" von Markus Söder gefordert und unter anderem argumentiert, es stürben "mehr Menschen durch als an Corona", also etwa an Herzinfarkten, weil sie aus Angst, in diesen Zeiten in eine Klinik zu gehen, lieber daheim blieben.

Öffentlich gemacht hat Theiss seine Thesen durch einen offenen Brief auf Facebook. Inhaltlich hat das in der CSU viele nicht überrascht. Theiss trage seine Kritik an der bayerischen Corona-Politik in internen Runden seit langem vor, heißt es aus der Partei. Den Stil aber halten viele für falsch, sogar für gefährlich - Stichwort Kronzeuge für Verschwörungstheoretiker.

Hans Theiss gilt als ambitioniert und ehrgeizig

Andererseits glauben eben viele, dass die Mehrheit der Münchner Mitglieder inzwischen kritisch auf die Söder-Maßnahmen schaut. Theiss gilt nach wie vor als ambitioniert und ehrgeizig. Ob er mit seinem ungewöhnlich harschen Vorstoß seine politische Karriere stoppt? CSU-Insider glauben das eher nicht.

Zwar soll die Landesleitung wutentbrannt auf die Söder-Kritik reagiert haben - Generalsekretär Markus Blume tat das ja sogar öffentlich, als er Theiss vorwarf, in "gefährlichen Fahrwassern" unterwegs zu sein und die Realität auf Intensivstationen zu ignorieren.

Aber Theiss kann es vermutlich relativ wurscht sein. "Der Hans braucht den Söder ja nicht", sagen Münchner CSU-Leute. Egal, ob Theiss im Rathaus etwas werden will oder es noch einmal mit einer Landtagskandidatur versucht: Entscheidend ist sein Standing in der Münchner CSU. Die auf jeden Fall hat er in helle Aufregung versetzt. Stimmen, die explizit einen Rückzug fordern, sind trotzdem keine zu hören.

 

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