Corona-Hotspot München: Nächtliche Ausgangssperre steht bevor

München hat den Inzidenz-Wert von 200 gerissen. Welche Konsequenzen das hat - und was Handel, Gastronomen und die MVG dazu sagen.
| Hüseyin Ince
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Leere Straßen ab 21 Uhr: Nach der außerordentlichen Ministerratssitzung vom Sonntag könnte die Ausgangsbeschränkung deutlich verschärft werden.
Leere Straßen ab 21 Uhr: Nach der außerordentlichen Ministerratssitzung vom Sonntag könnte die Ausgangsbeschränkung deutlich verschärft werden. © imago images/Sven Simon

München - Bisher schauten die Münchner schaudernd nach Passau und in andere Städte, in denen schon ernsthafte Ausgangssperren galten. Am Dienstag und Mittwoch nun riss auch die Landeshauptstadt den kritischen Inzidenzwert von 200.

Offiziell haben sich in den vergangenen sieben Tagen 205,4 (Stand: 9.12. 0 Uhr) von 100.000 Münchnern infiziert. Zuvor hatte sich der Inzidenzwert in den vergangenen Wochen zwischen 150 und 180 eingependelt.

Ohnehin treten schon am Mittwoch neue Regelungen in Kraft - man darf die Wohnung nur noch mit "triftigem Grund" verlassen, da die Geschäfte im Gegensatz zum Frühjahr aber alle offen sind und auch besucht werden dürfen, ist der Begriff recht weit gefasst. Als triftige Gründe gelten etwa auch der Arztbesuch, Arbeitsweg oder Schulweg.

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Doch nun kommt wohl eine allgemeine Ausgangssperre ab 21 Uhr dazu. Damit rechnen die meisten Beobachter. Ministerpräsident Markus Söder sprach sich am Dienstag im Landtag für "harte Maßnahmen" aus. Auch dann gäbe es noch Ausnahmen - man dürfte noch zur Arbeit oder in Notfällen in die Klinik. Tags müssten die allermeisten Geschäfte schließen.

Christian Schottenhamel: "Mehr als zu geht nicht"

Doch was würde eine Ausgangssperre ab 21 Uhr nun für die Stadt bedeuten, für das Weihnachtsgeschäft, die Gastronomie oder auch die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG)?

Der Verband der Geschäftsleute in der Münchner Innenstadt (Citypartner) sowie der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) geben sich gelassen - noch. Die stark gebeutelte Gastronomie sieht es ein wenig zynisch: "Mehr als zu geht nicht", sagt Wiesnwirt und Dehoga-Boss Christian Schottenhamel. "Wir sind von der Pandemie ohnehin am stärksten betroffen. Wir befinden uns im Teil-Lockdown. Da macht es kaum einen Unterschied, ob um 21 Uhr der To-go-Verkauf endet oder um 22.30 Uhr, wie es derzeit der Fall ist."

Wiesn-Festwirt Christian Schottenhamel.
Wiesn-Festwirt Christian Schottenhamel. © Sven Hoppe/dpa

Doch Schottenhamel hofft, dass der Inzidenzwert schnell wieder unter die Schwelle von 200 fällt und weiter sinkt, "um mittelfristig einfach eine Perspektive zu haben. Meine Kollegen und ich, wir alle hoffen, dass wir im Frühjahr wieder eröffnen können", so Schottenhamel.

Die Gastronomie sei nun mal eine Branche, "in der man nicht einfach zwei Wochen aufmachen und dann wieder schließen kann. Vorübergehender Betrieb lohnt sich nicht", sagt Schottenhamel. Überlebenswichtig sei, ob die Überbrückungshilfen ab Januar 2021 noch gezahlt werden, vorausgesetzt, die Betriebe müssen ab Jahresbeginn immer noch geschlossen bleiben.

Wolfgang Fischer: "Totaler Lockdown nach Weihnachten würde Branche sehr hart treffen"

Wolfgang Fischer von Verband Citypartner sieht eine drohende Ausgangssperre ab 21 Uhr ebenfalls gelassen. Er fürchtet eher ein anderes Szenario, das droht. "Wenn ein totaler Lockdown nach Weihnachten kommt, bei dem die Geschäfte komplett schließen müssen, würde das die Branche sehr hart treffen", sagt Fischer.

Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von Citypartner.
Wolfgang Fischer, Geschäftsführer von Citypartner. © Citypartner

Denn in den letzten Jahren habe sich gezeigt, dass zum Jahreswechsel der Umsatz enorm ansteige, weil "nicht mehr die lila Krawatte mit rosa Punkten geschenkt wird, sondern vermehrt Gutscheine". Und die würden nun mal in der großen Pause zwischen den Jahren eingelöst. Sogar aus dem Ausland, etwa aus der Schweiz, seien in den vergangenen Jahren vermehrt zahlungskräftige Kunden gekommen, so Fischer.

Distanzunterricht für Schüler ab der achten Klasse

Auch für viele Schüler wird sich der Alltag ab Donnerstag ändern. Die Stadt hat bereits mitgeteilt, den Präsenzunterricht ab der achten Klasse entfallen zu lassen. Es wird "Distanzunterricht" eingeführt, also Digitalunterricht übers Internet. Ausnahmen sind Abschlussklassen sowie Förderschulen.

München muss also abwarten, welche Maßnahmen noch kommen. Die MVG, die seit Beginn der Pandemie unter enormem Fahrgastschwund leidet, wird ihr Angebot in den Abendstunden vorerst nicht runterfahren. "Wir beraten uns täglich", sagt MVG-Sprecher Matthias Korte. 

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