So sollen Münchens U-Bahnhöfe in Zukunft aussehen

Gegen den Wildwuchs: Über 40 U-Bahnhöfe werden in den nächsten Jahren "chirurgisch reduziert", um den puren Raum wirken zu lassen.
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Der Geist jeder Station soll bleiben: Dem Test-Bahnhof Giselastraße fehlt noch das geplante moderne Lichtgerüst mit LED-Lampen.
Der Geist jeder Station soll bleiben: Dem Test-Bahnhof Giselastraße fehlt noch das geplante moderne Lichtgerüst mit LED-Lampen. © Simulation: Grauwald für SWM/Allmann Sattler Wappner

München - Die Münchner U-Bahnhöfe sind in die Jahre gekommen: Darum werden, wo es geht, in den nächsten Jahren die Decken abgenommen und die Wandverkleidung entfernt. Das Ergebnis ist ein Gewinn an Raum um 30 bis 40 Prozent - und eine ruhigere Atmosphäre. Über 40 Münchner U-Bahnhöfe wird das Büro Allmann Sattler Wappner im Auftrag der Stadtwerke München sanieren, damit der "pure Raum" wirken kann und ein "Gefühl von Großzügigkeit" im Untergrund entsteht, erklärt Architekt Ludwig Wappner.

Münchens Untergrund soll schlichter und moderner werden

Sein Büro entwickelt gerade einen "Leitfaden für die Gestaltung" für die einzelnen Münchner U-Bahn-Linien. Hinter jeder stecke eine "Linienphilosophie", die die Architekten gerade herausarbeiten.

Insgesamt wird es "cleaner": schlichter, ruhiger und moderner im Münchner Untergrund: Die Decken sind dann um bis vier Meter höher, an den Wände bleibt der Sichtbeton, der laut Architekt, "samtig" wirken soll. Das künstlerische Element der Bahnhöfe soll ein Metallgerüst mir LED-Lichtern sein, die ein angenehmes Licht schaffen, das "Angsträume verhindert".

Individualität der U-Bahnhöfe soll erhalten bleiben

Wappners Leute sind viel U-Bahn gefahren, haben viel fotografiert und möchten auf das bestehende Potenzial der Münchner U-Bahnhöfe ein "neues Potenzial" setzen. "Wir versuchen das Ingenieursbauwerk zum Gestaltungsprinzip zu machen", erklärt Ludwig Wappner. Doch sieht dann in Zukunft jede Station fast gleich aus? Der Architekt versichert, dass Rücksicht auf die Individualität der Bahnhöfe genommen wird: "Wir wollen den genetischen Code aus jedem Bahnhof herausholen. Die Strecke vom Scheidplatz zum Olympiazentrum betrachten wir unter Denkmalschutzgesichtspunkten, das ist ganz wichtig".

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1971 wurde die U-Bahnlinie vom Goetheplatz bis Kieferngarten (U 6) eingeweiht. Diese Historie, die 70er Jahre, werden bei der Erneuerung der U-Bahnhöfe mit einem Augenzwinkern zelebriert. In fast vergessenen Depots haben die Architekten noch die originalen glasierten Fliesen gefunden "wo sie ein wenig staubert gelagert wurden", sagt Wappner.

Test-Bahnhof an der Giselastraße

Die U 6-Station Giselastraße ist die Teststation für das neue Konzept. Sie behält ihre mit orangen Fliesen gekachelten Säulen. Die Farbe Orange dient auch im Sperrengeschoss als Akzent, Farbtupfer und Erinnerung. Diese Idee setzt sich fort: Die Säulen der U 6-Station Dietlindenstraße sollen froschgrün leuchten, die der Nachbarstation Nordfriedhof in einem braunen Ton.

Eingeplant: Ein gläserner Kiosk im Giselastraße-Sperrengeschoß.
Eingeplant: Ein gläserner Kiosk im Giselastraße-Sperrengeschoß. © Simulation: Grauwald für SWM/Allmann Sattler Wappner

Die Säulen am Goetheplatz sollen dunkelgrün gekachelt sein. Beleuchtet werden die hohen Räume im Untergrund mit einem kunstvollen Stahlgerüst, bestückt mit LED-Lichtern. Bis auf das Lichtkunstwerk ist der Testbahnhof Giselastraße fertig. Der Bezirksausschuss Schwabing-Freimann hat die Gestaltung mit dem freigelegten nackten Sichtbeton an den Wänden als "temporäre Gestaltung" begrüßt. Ob sich die Schwabinger Bürger dafür aber dauerhafte erwärmen lassen, könne man nicht wissen, meint Patric Wolf (CSU), Chef des Bezirksausschusses Schwabing-Freimann.

"Gar keine Werbung mehr am U-Bahnhof, lieber Kunst"

Wegen der nahen Kunstakademie, wünscht sich das Stadtviertelparlament für den U-Bahnhof Giselastraße ausdrücklich Ausstellungsflächen für Kunst: im Sperrengeschoss und am Bahnsteig. Patric Wolf schlägt vor: "Die Stadtwerke sollten am U-Bahnhof Giselastraße zugunsten der Kunst komplett auf Werbung verzichten." Denn: "Die supergestaltete U-Bahn-Station Münchner Freiheit ist verhunzt durch Werbung, die sich im Licht ins Unerträgliche verstärkt."

Die Kommission für Stadtgestaltung äußerte sich am Dienstag wohlwollend zu der Modernisierung im Münchner Untergrund. "Ein sehr überzeugendes Konzept", sagte Architekt Manfred Kovatsch. Birgit Rapp lobte die Pläne als "sehr dezent und zurückhaltend". Sie schlug für die grauen Wände jedoch eine farbige Beschriftung mit den Namen der U-Bahnhöfe vor. Damit die Stationen besser lesbar sind. FDP-Stadtrat Jörg Hoffmann, der in Schwabing aufgewachsen ist, regt an den, durchgehenden farbigen Streifen an der Bahnhofswand zu erhalten: Blau für die U 6, Rot für die U 3.

München feiert 50 Jahre U-Bahn

Die Stadtwerke München möchten, dass ihre U-Bahnhöfe in Zukunft ein "ansprechendes Erscheinungsbild" abgeben. Doch die Modernisierung darf nicht zu viel kosten. 2021 wird in München das Jubiläum "50 Jahre U-Bahn" gefeiert. Stadtwerke-Sprecher Michael Silva erklärt: "Die geplante Standardisierung von Sanierungen ist geboten, weil eine ganze Reihe von Projekten auf uns zukommen und wir Aufwand und Kosten im Griff behalten müssen - bei Bau und Unterhalt". Zuerst wird die U 6-Linie saniert. Später wird die sogenannte "Olympialinie" von Bonner Platz bis zum Olympiazentrum modernisiert. Sollen ebenfalls bald "Grandezza" erfahren: Die U 2 und U 5-Linie von Scheidplatz bis Neuperlach Süd und die U 1 vom Rotkreuz- bis zum Stiglmaierplatz.

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