Schmids Taktik: Weizsäcker, Vogel – und ich

Josef Schmid gibt sich selbstbewusst: Die CSU wird mit ihm 2014 wieder in den OB-Wahlkampf ziehen. Was er plant und wie er regieren will
| Willi Bock
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Josef "Seppi" Schmid
Gregor Feindt Josef "Seppi" Schmid

MÜNCHEN - Der Kandidat strahlt gut gelaunt in die Runde. Josef „Seppi“ Schmid (42) ist zufrieden. Zum Wochenende rührte sich bei einer Konferenz aller Mandatsträger der Münchner CSU kein Finger gegen ihn. Auch die Unken schwiegen, die hinter vorgehaltener Hand davon wissen wollen, dass ihm der Rückhalt schwindet. Und dann gab der Bezirksvorstand am Montag einstimmig seinen Segen: Josef Schmid wird erneut OB-Kandidat für die Ratswahlen 2014.

Sein Bezirkschef Ludwig Spaenle ist zufrieden. Die CSU sieht jetzt ihre große Chance gekommen, da der übermächtige rote Christian Ude aus Altersgründen nicht mehr antreten darf. Vor fünf Jahren wurde Schmid zum ersten Mal zum OB-Kandidaten auserkoren. Die damalige Option: Erstmal mit Anstand verlieren (was mit miserablen 22,4 Prozent genauso kam), um dann 2014 Udes Nachfolge-Kandidaten schlagen. Der steht jetzt mit dem Wirtschaftsreferenten Dieter Reiter (SPD) fest. Also zog die CSU im Kandidaten-Ausrufen gleich. „Ude ist Geschichte, deshalb ist der Spitzenkandidat Ude für mich kein Thema mehr“, räsoniert der Schwarze.

Dann greift Seppi übermütig gleich nach den Sternen: „Es wird ein Wahlkampf wie zwischen Richard von Weizsäcker und Hans-Jochen Vogel bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 1981 in Berlin.“ Zwei Gentlemen eben. Das ist Selbstbewusstsein. Ihr beider Wahlkampfstil sei dann „mit Stil, mit persönlichem Respekt und sachlich und fair“. – Die knorrige Attacke ist eben Schmids Sache nicht. Dafür hat er sein Schlachtross Hans Podiuk an der Seite.

Josef Schmids Themen:

Kinderbetreuung:München habe in Bayern den drittschlechtesten Versorgungsgrad bei der Kinderbetreuung. Die Not der Eltern sei groß.

Wohnungsnot: Die Stadt brauche zu lange, um Baurecht zu entwickeln. Es gebe große Potenziale, um geplante Büroareale für Wohnungsbau zu nutzen, aber die Stadt käme nicht in die Gänge – beispielsweise in der Parkstadt Schwabing.

Verkehr: Verbesserung des Öffentlichen Nahverkehrs – allerdings ohne Tram-Westtangente. Unterstützung des Autoverkehrs.

Sozialpolitik: Altersarmut lindern, Familien unterstützen und „die soziale Balance in der Stadt halten“.

Schulen: Die zwei neuen Gymnasien für Trudering und den Norden würden unnötig verzögert. Der Zustand der Schulen sei miserabel, klagt Schulminister Spaenle.

Integration: Da sieht er sich trotz seines Engagements für ein islamisches Zentrum noch inmitten der CSU: „Ich gehöre der modernen, liberal-konservative Generation an.“

Und mit wem will er regieren? Mit einer „Gestaltungsmehrheit“, sagt Ludwig Spaenle. Damit hat die CSU im Rathaus Ende der 80er Jahre schon einmal regiert: Mit zwei SPD-Abweichlern (der „Sofa-Fraktion“) und immer wieder mit den Grünen. Rot-Grün sei amtsmüde und habe abgewirtschaftet: „Es ist Zeit für den Wechsel.“ Die zweieinhalb Jahre bis zur Wahl würden ein „Crescendo“. Das hat er – bei Ude abgeschaut.

 

 

 

 

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