Reiter gegen Krause: Was Sie jetzt über die Stichwahl in München wissen müssen
Bayern hat gewählt, doch in rund 250 Gemeinden im Freistaat wird der Bürgermeister oder die Bürgermeisterin weiterhin gesucht. In München kommt es zur Stichwahl zwischen dem amtierenden OB Dieter Reiter (SPD) und dem Grünen-Kandidaten Dominik Krause. Was dabei zu beachten ist, erfahren Sie hier.
Warum eine Stichwahl?
Auch bei der Kommunalwahl 2026 muss eine zusätzliche Abstimmung entscheiden, wenn keiner der Kandidaten im ersten Wahlgang die absolute Mehrheit erreicht hat – also mindestens 50 Prozent plus eine Stimme auf sich vereinigt hat. Stichwahlen gibt es in Deutschland nur bei Bürgermeister- und Landratswahlen.
Die Stichwahl geht üblicherweise zwei Wochen nach dem ersten Wahlgang über die Bühne. Bei dieser Kommunalwahl ist das Datum der finalen Entscheidung in Sachen alter oder neuer Oberbürgermeister der 22. März. In der Stichwahl treten nur die beiden Erstplatzierten des ersten Wahlgangs an, das Münchner Duell heißt Dieter Reiter (SPD) gegen Dominik Krause (Grüne).
Was benötige ich für die Stimmabgabe bei der Stichwahl?
Wenn Sie bei der Stichwahl in München – oder auch in Ihrer Gemeinde oder in Ihrem Landkreis – Ihr Votum abgeben wollen, brauchen Sie dazu die Ihnen vor dem ersten Wahlgang zugestellte Wahlbenachrichtigung. Sollte die in den Müll gewandert sein oder einfach nicht mehr auftauchen, macht das gar nichts.
Wenn Sie im Wählerverzeichnis stehen – und das tun Sie, wenn Sie bereits beim ersten Aufschlag wahlberechtigt waren –, bringen Sie zur Abstimmung im Wahllokal dann zur Sicherheit einfach noch Ihren Personalausweis mit.
Wie läuft die Stichwahl ab?
Auf jeden Fall ist alles deutlich übersichtlicher als bei der Abstimmung am 8. März, schließlich stehen bei der Stichwahl nur noch zwei Namen auf dem Stimmzettel. Machen Sie beim Kandidaten Ihrer Wahl das Kreuzchen. Gewählt ist, wer die meisten der abgegebenen gültigen Stimmen erreicht hat.
Sollten Reiter und Krause die gleiche Anzahl an Stimmen erhalten, muss das Los entscheiden. Mehr dazu lesen Sie auf der Website der Bayerischen Staatskanzlei. Es ist nicht erlaubt, einen weiteren Kandidaten hinzuzufügen. Das macht Ihren Stimmzettel ungültig.
Wie funktioniert die Briefwahl bei der Stichwahl?
Wer beim ersten Wahlgang noch persönlich ins Wahllokal gegangen ist, um seine Stimme abzugeben, aber am 22. März eben per Brief abstimmen will oder muss, muss für die Stichwahl die entsprechenden Briefwahl-Unterlagen beantragen. Verwenden Sie dazu das Formular auf der Rückseite Ihrer Wahlbenachrichtigung bzw. den darauf abgebildeten QR-Code. Den Antrag können Sie auch per Telefax oder per E-Mail stellen, aber nicht telefonisch.
Die Stadt München bietet den Service ab dem 10. März auch auf ihrer Website an. Angeben müssen Sie in jedem Fall Ihren Vor- und Familiennamen, Ihr Geburtsdatum und die vollständige Wohnanschrift sowie ggf. eine abweichende Anschrift.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an das Wahlamt. Telefonisch geht das über die 089/233 96 233 (erreichbar von Montag bis Donnerstag am Vormittag von 8 Uhr bis 12 Uhr sowie nachmittags zwischen 13 Uhr und 16 Uhr; freitags durchgehend von 8 Uhr bis 15 Uhr) oder per E-Mail an briefwahl.kvr@muenchen.de.
Bereits vor dem ersten Wahlgang hatten Sie die Möglichkeit, die Briefwahlunterlagen gleich für eine mögliche Stichwahl zu beantragen. Sollten Sie dies getan haben, bekommen Sie die Unterlagen automatisch zugesandt. "Kommen diese nicht bis Freitag, 13. März, an, sollten Wähler*innen sich an das Wahlamt wenden. Eine neue Wahlbenachrichtigung mit Informationen zur Briefwahl wird nicht mehr verschickt", teilt die Stadt dazu mit.
Wer kurzfristig erkrankt, kann die Briefwahl noch bis zum Wahltag (22. März, 15 Uhr) beantragen, ansonsten müssen die Unterlagen bis zum 20. März (15 Uhr) angefordert werden. Aber Achtung: Die Post kann Ihnen die Unterlagen in beiden Fällen nicht rechtzeitig zukommen lassen, der Wahlbrief mit Ihren Stimmzetteln muss am Wahlsonntag um 18 Uhr beim Wahlamt oder bei der Stadt vorliegen. Tipp: Lassen Sie den Wahlbrief im Zweifel besser abholen und abgeben.
Wer sich spontan entschließt, jetzt per Brief abzustimmen, kann sich die dafür nötigen Unterlagen zu den üblichen Öffnungszeiten im Kreisverwaltungsreferat (KVR) in der Ruppertstraße 11 oder in einer der fünf Bezirksinspektionen ausstellen zu lassen. Diese finden Sie in der Hanauer Straße 56 (Nord), Friedenstraße 40 (Ost), Landsberger Straße 486 (West) und Implerstraße 11 (Süd) sowie im Tal 31 (Mitte).
Wie viele Stichwahlen wird es am 22. März geben?
In vielen bayerischen Städten, Gemeinden und Landkreisen müssen die Wähler ein zweites Mal ran. Alleine bei den Landkreisen, kreisfreien Städten und größeren Städten mit mehr als 10.000 Einwohnern stehen 128 Stichwahlen an, wie aus den vorläufigen Ergebnissen beim Landeswahlleiter hervorgeht.
Spannend wird es insbesondere in vielen kreisfreien Städten: Nur in fünf von 22 Fällen gab es am 8. März bereits eine Entscheidung. In 17 kreisfreien Städten, darunter sind neben München auch Nürnberg und Augsburg, gibt es eine Stichwahl. Von den 62 Landratswahlen wurden 33 gleich entschieden.
Wie beeinflussen Wahlempfehlungen anderer Parteien das Ergebnis einer Stichwahl?
Das kann recht unterschiedlich sein. AfD-Wähler ließen sich etwa wenig bis gar nicht dahingehend beeinflussen, sagt Politikwissenschaftler Lars Rensmann von der Universität Passau. "Denn die große Mehrheit der AfD-Wähler sind mittlerweile Stammwähler, die sich nicht vorstellen können, einer anderen, einer demokratisch-pluralistischen Partei ihre Stimme zu geben."
Die AfD wird nach den vorläufigen Ergebnissen weiterhin keinen Landrat, Oberbürgermeister oder ersten Bürgermeister in einer der großen Kommunen stellen. Zudem erreichte dort, wo Stichwahlen notwendig sind, auch kein Kandidat eines AfD-Wahlvorschlags die meisten oder zweitmeisten Stimmen.
Rensmann zufolge sollte die Bedeutung von Wahlempfehlungen nicht überschätzt werden. "Explizite Wahlempfehlungen ideologisch sich näher stehender Parteien und ihrer Repräsentanten können aber durchaus bei knappen Stichwahlen den Unterschied machen." Und es könne ebenso eine Rolle spielen, wenn solche Wahlempfehlungen ausblieben.
Wie kann sich das Ergebnis einer Stichwahl von dem der Hauptwahl unterscheiden?
Wer bei der Hauptwahl nur Zweiter wurde, kann in der Stichwahl durchaus gewinnen. Dafür gibt es genügend Beispiele aus der Vergangenheit. Ursache: "Wenn die Mehrheit der Wähler in einem Wahlkreis eher einem anderen ideologischen Lager zuzuordnen ist, die Parteienlandschaft aber pluralisiert, fragmentiert und zersplittert ist", erläutert Rensmann. Dem Kandidaten oder der Kandidatin sollte es daher gelingen, "über politisch-ideologische Unterschiede und über die Stammwählerschaft hinweg die eigene Attraktivität zu verbreiten".
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