Polit-Wiesn: Die Grünen sticheln, die Schwarzen tanzen

Bei den Politikern in der Ratsboxe herrscht Selbstzufriedenheit und großkoalitionäre Langeweile. Trotzdem wird ausgiebig gefeiert. Ein bunter Farbtupfer fehlt
| Christian Pfaffinger
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Die Grüne Landtagsabgeordnete Margarete Bause stichelte gegen die CSU.
Daniel von Loeper 2 Die Grüne Landtagsabgeordnete Margarete Bause stichelte gegen die CSU.
Die Alt-OB Hans-Jochen Vogel (l.) und, ziemlich nass, Christian Ude.
Daniel von Loeper 2 Die Alt-OB Hans-Jochen Vogel (l.) und, ziemlich nass, Christian Ude.

München- Sie ist nicht da, und gerade deswegen reden alle von ihr: Claudia Roth. Die Bundesgrüne war in den letzten Jahren die Garantie, dass es fetzt in der Ratsboxe des Schottenhamel-Festzelts, wenn die ersten Wiesn-Maßn angezuzelt und die ersten Hendl zerlegt werden.

Stimmungsfrau Roth war Stammgast beim Anstich, und das, obwohl ihr Wahlkreis Ausgsburg ist – und laut eines Entschlusses des Ältestenrats im Münchner Stadtrat nur Politiker, die in einem Münchner Wahlkreis gewählt worden sind, zum Anstich in die Ratsboxe geladen werden.

Bisher war Roth trotzdem dabei, eingeladen von Christian Ude, der vom damaligen Grünen-Bürgermeister Hep Monatzeder darum gebeten wurde. Aber jetzt regiert Ude nicht mehr, die rot-grüne Koalition ist erst einmal vorbei und Claudia Roths Einladung in die Ratsboxe futsch.

Stattdessen sitzt dieses Mal Ilse Aigner an einem der besten Plätze auf der Festzelt-Empore. Die Wirtschaftsministerin scherzt mit ihrem CSU-Kollegen Ludwig Spaenle, dem Kultusminister. Eingeladen hat sie Josef Schmid, der zwar auch als Bürgermeister hier ist, aber viel mehr als Wirtschaftsreferent und damit Festleiter. Auch in der CSU-Bierrunde bedauert man zwar höflich, dass Claudia Roth nicht da ist. „Es fehlt ein Farbtupfer“, sagt Schmid. In Wahrheit ist allen Schwarzen ihre Zufriedenheit anzusehen: In der Münchner Stadtpolitik, da sind jetzt wir an der Macht, nicht mehr die Grünen.

Und so ist das Fehlen von Claudia Roth auch symbolisch für die kleinen Spannungen und Sticheleien, die es zum Anstich in der Ratsboxe gibt. Zwar sagen alle, die Stimmung sei entspannt, schließlich sei kein Wahljahr. Ganz zurückhalten können sich aber nicht alle.

Vor allem bei den Grünen. Margarete Bause, Fraktionschefin im Landtag, haut gleich drauf: „Großkoalitionär langweilig“ sei die Stimmung. Sie vermisst den „Glamour-Faktor“ von Claudia Roth, und die schwarz-rote Kooperation in München wurmt sie sichtlich. Dennoch gibt sie sich locker: „Politik auf der Wiesn ist super. Hier kann man viel versprechen und nachher sagen: Da war ich bsuffa!“

Derweil demonstriert Grünen-Kollegin Sabine Nallinger, dass sie den verlorenen Kampf ums Rathaus verwunden hat. Sie erzählt von ihrer neuen Stelle in Berlin, wo sie Chefin einer Stiftung ist, die in Sachen Klimaschutz zwischen Unternehmen und der Politik vermittelt. Sie redet mit Begeisterung und Erleichterung davon.

Bei der SPD redet man nicht so gern über das Ehe-Aus mit den Grünen, viele Sätze beginnen mit „Mei“ und einem längeren Schnauferer. Da wird lieber der neue OB gelobt: „Super gemacht!“, loben Stadtratskollegen seinen Anstich. Auch Alt-OB Christian Ude findet, dass sein Nachfolger den Anstich gut hingekriegt hat. Unpolitisch bleiben kann bloß Markus Rinderspacher, Chef der Landtags-SPD, nicht. Er meint: „2018 kriegt ein SPD-Ministerpräsident die erste Maß!“

Bei der CSU sehen sie das freilich anders. Das Selbstvertrauen ist groß in den Reihen der Schwarzen. Der SPD-OB wird gelobt, aber immer mit Selbstbezug. „Wir kooperieren ja nicht mit jedem“, sagt CSU-Bürgermeister Josef Schmid.

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