Zaun, Rucksackverbot und Taschenkontrollen auf dem Oktoberfest 2016

Das Sicherheitskonzept für das diesjährige Oktoberfest steht. Zaun ja, Rucksack nein – dazu noch mehr Ordner. Bleibt die Frage: Was wird aus der Wiesn-Gemütlichkeit?
| Florian Zick
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Wird die Wiesn 20016 zur Volksfestung? Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) spricht lediglich von "wichtigen Änderungen".
Lukas Barth/dpa Wird die Wiesn 20016 zur Volksfestung? Zweiter Bürgermeister Josef Schmid (CSU) spricht lediglich von "wichtigen Änderungen".

München - Keine Rucksäcke, zusätzliche Ordner und rundherum ein Zaun: Nach langem Warten hat die Stadt nun das überarbeitete Sicherheitskonzept für die Wiesn vorgestellt. Dieses sieht eine beträchtliche Verschärfung der Zugangsregeln vor.

Eine konkrete Gefährdungslage bestehe bislang zwar nicht, betont Wiesn-Chef Josef Schmid (CSU) ausdrücklich. Nach den Terrorattacken von Würzburg und Ansbach und dem Amoklauf am OEZ habe man aber nicht einfach zur Tagesordnung übergehen können. Die Neuerungen im Einzelnen:

1. Rucksäcke und große Taschen sind heuer verboten

Kleine Handtaschen bleiben weiterhin erlaubt, alles, was mehr als drei Liter Fassungsvermögen hat, darf heuer jedoch nicht aufs Festgelände mitgenommen werden. Bedeutet also: Passen theoretisch mehr als drei Milchtüten in die Tasche, muss sie heuer zu Hause bleiben.

Die Stadt will Gepäck für Besucher aufbewahren

Ausnahmen gibt es unter anderem für die Wiesn-Bedienungen, die müssen schließlich ihre Wechselklamotten mitschleppen. Alle anderen, die einen Rucksack oder eine größere Tasche bei sich tragen, müssen ihr Gepäck abgeben. Dafür wird die Stadt an den Haupteingängen Aufbewahrungsstellen einrichten.

2. Der Zaun wird geschlossen

Weite Teile der Theresienwiese waren schon immer eingezäunt. Um kontrollieren zu können, wer und was aufs Festgelände kommt, wird heuer aber auch die offene Flanke am sogenannten .

Die 350 Meter an der Hangkante zur Theresienhöhe werden mit einem mobilen Sicherheitszaun dicht gemacht, einem sogenannten Secu-Fence. Die geplante Einzäunung der Wiesn war lange Zeit umstritten. Im Fall einer Panik kann ein solcher Zaun schließlich auch schnell zur Falle werden. Diese Bedenken sind allerdings mittlerweile ausgeräumt.

Lesen Sie hier: Wiesn -

Mitarbeiter des städtischen Bauhofs haben den Secu-Fence ausgiebig getestet und dabei festgestellt: Im Gefahrenfall lässt sich der Zaun tatsächlich innerhalb von weniger als einer Minute komplett öffnen. Das ursprüngliche Magengrummen des Stadtrats ist damit beseitigt.

3. Noch mehr Security

Das Rucksack- und Taschenverbot soll an den Eingängen von den Ordnern überwacht werden. Stichprobenartig soll dort auch die ein oder andere Gepäck- oder Personenkontrolle durchgeführt werden. Dafür braucht man natürlich Personal.

Die Stadt stockt deshalb das Kontingent an Sicherheitskräften noch einmal deutlich auf. Insgesamt 450 Security-Leute sollen heuer auf der Wiesn patrouillieren. Das sind fast doppelt so viele wie im vergangenen Jahr. Noch hat die Stadt nicht alle Ordner beisammen, „wir sind aber zuversichtlich, dass wir bis zur Wiesn die nötigen Leute rekrutieren können“, so KVR-Chef Thomas Böhle (SPD).

Die Ordner sollen teilweise auch mit Metalldetektoren ausgerüstet werden. Damit könnte man verdächtige Personen auf Waffen und Sprengstoff hin abtasten. Den Einsatz entsprechender Schleusen, wie man sie vom Flughafen her kennt, schließt die Stadt derzeit aber aus. Über den

Sankt-Pauls-Platz geht’s heuer schneller

4. U-Bahn: Änderungen am Aufgang zur Theresienwiese

Wiesn-Gäste, die mit der U-Bahn anreisen, können künftig nicht mehr direkt aufs Festgelände. Am Aufgang zur Theresienwiese wird der Besucherstrom direkt nach der Rolltreppe nach rechts zum Bavariaring und dann weiter zum Haupteingang abgeleitet. Die Sicherheitsbehörden wollen so sicherstellen, dass sich niemand den Kontrollen entzieht.

Lesen Sie hier: So wird der Verkehr für die Wiesn 2016 geregelt

Um lange Warteschlangen zu vermeiden, rät die Stadt deshalb, den Aufgang an der Sankt-Pauls-Kirche zu nehmen und von dort aus einen der Eingänge aufzusuchen.

5. Einlass nur noch über die 13 Eingänge

Für Besucher wird es insgesamt 13 Eingänge geben. Dazu einen extrigen für die Schausteller, Wirte und Bedienungen und einen für Rettungskräfte und den Lieferverkehr.

Die 13 Eingänge befinden sich rund um die Theresienwiese. Sollte das Festgelände einmal wegen Überfüllung geschlossen werden, zu erwarten etwa am mittleren Samstag und am Tag der Deutsche Einheit, so gibt es für Gäste mit Reservierung trotzdem noch zwei Eingänge, die sie nutzen können: im Osten einen an der Beethovenstraße und im Westen einen nördlich der Bavaria.

Der Charakter des Fests soll trotzdem erhalten bleiben

Drei Mal haben sich die Sicherheitsbehörden in den vergangenen Wochen zu Besprechungen getroffen. Polizei, Feuerwehr, KVR, MVG – alle hatten Vertreter entsandt. Zudem gab es einen Ortstermin.

Man habe alle Argumente und Risiken sorgfältig abgewogen, sagt Wiesn-Chef Josef Schmid. Das habe seine Zeit gebraucht. Am Ende seien die Fachleute aber zu einem Ergebnis gekommen, das „die Sicherheit erhöht, ohne den Charakter des Fests grundsätzlich zu ändern“, so Schmid.

Lesen Sie hier: München will sich

Von der Wiesn als Hochsicherheitszone will er deshalb nicht sprechen. Ein paar Beeinträchtigungen, davon geht man bei der Stadt aus, wird es aber gleichwohl geben. Davon, so appelliert Schmid, sollten wir uns aber nicht die Laune vermiesen lassen. „Die Freude am Feiern lassen wir uns nicht nehmen“, so der Wiesn-Chef. „Wir dürfen nicht die Leute gewinnen lassen, die unseren Lebensstil angreifen.“

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