Wiesn: Spott über Seehofers Ja-Auftritt

Seehofers vierfaches „Ja“ im Bierzelt: Die Opposition spottet über den skurrilen Auftritt des Ministerpräsidenten auf dem Oktoberfest – Kein Wahlkampf auf der Wiesn.
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Was war mit Seehofer los? Im Interview mit dem BR antwortet er auf vier Fragen nur mit einem knappen "Ja."
dapd Was war mit Seehofer los? Im Interview mit dem BR antwortet er auf vier Fragen nur mit einem knappen "Ja."

 

München - Längst nicht alle halten sich an das Gebot des politikfreien Oktoberfestes. Zwar verzichten die voraussichtlichen Kontrahenten bei der bayerischen Landtagswahl 2013, Münchens Oberbürgermeister Christian Ude (SPD) und Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU), beim traditionellen Anstich im Schottenhamel-Zelt konsequent auf Wahlkampftöne. Die Münchner Politprominenz oben in der Stadtratsboxe aber stellt bei den ersten Schlucken Oktoberfestbier munter Vergleiche zwischen den beiden Spitzenkandidaten an.

Ude braucht nur zwei Schläge: Die Bilder

Insbesondere Seehofers Auftritt beim Anstichritual bietet Gesprächsstoff. Denn während sich Ude gewohnt eloquent präsentiert und das erste Bierfass erneut souverän mit zwei Schlägen anzapft, interpretiert der Ministerpräsident seine Rolle in diesem Jahr ganz neu: Trotz Live-Übertragung im Fernsehen und mehreren Tausend Zuschauern im Festzelt gibt sich Seehofer überraschend einsilbig und beantwortet die Fragen von Moderator Christoph Deumling reihenweise mit einem knappen „Ja“.

Wiesn-Auftakt: Der AZ-Liveticker zum Nachlesen

Der bayerische SPD-Fraktionsvorsitzende Markus Rinderspacher schwärmt anschließend, Ude sei beim Anzapfen routiniert und mit Charme aufgetreten, Seehofer dagegen habe offenbar „keine so großen Lustgefühle, heute hier zu sein“. SPD-Landeschef Florian Pronold scherzt, Seehofers Einsilbigkeit sei auf die Begeisterung des Ministerpräsidenten für das Web 2.0 zurückzuführen: „Er übt, in ganz kurzen twitterfähigen Sätzen zu antworten – und 'ja' kann man auch twittern.“

„Positive Botschaft“

Bayerns Grünen-Fraktionschefin Margarete Bause spottet über Seehofers vierfaches „Ja“, dem CSU-Vorsitzenden sei schlicht nichts eingefallen. „Eine gute Performance war das nicht.“ Ude sei schlagfertig und witzig gewesen, da habe Seehofer nicht mithalten können. „Ich will das nicht überinterpretieren, aber man merkt einfach, wer souverän ist und wer nur so tut“, betont Bause.

Nach 3 Stunden erste Bierleiche

Verständnis für Seehofer zeigt der Koalitionspartner. Der Ministerpräsident habe sich am Vormittag bereits bei der Eröffnung des angrenzenden Bayerischen Zentral-Landwirtschaftsfestes (ZLF) „ein Stück weit verausgabt“, berichtet Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP). Dort habe Seehofer eine flammende Rede gehalten. Doch auch für die wenigen Worte des Ministerpräsidenten beim Wiesn-Anstich findet Zeil lobende Worte: Seehofer habe mehrfach „Ja“ gesagt – „das war eine positive Botschaft.“

Auch Seehofer selbst verteidigt später seinen wortkargen Auftritt. „Wenn ich sage, das ist eine politikfreie Zone, dann halte ich mich auch daran“, erläutert er. Außerdem habe er ja schon zuvor auf dem Landwirtschaftsfest gesprochen. „Mein Redebedürfnis war erschöpft“, fügt er hinzu und lacht.

 

 

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