Vor-Wahlkampf beim Oktoberfest-Anstich: Das passierte in der Ratsboxe

In der Ratsboxe bringen sich OB-Kandidatinnen in Stellung, der neue Wiesn-Chef mag keine Lederhose tragen – und die Grünen formulieren ein neues Ziel: mehr Wiesn-Tische für sich.
| Emily Engels Irene Kleber Paul Nöllke Felix Müller
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Prost! Kristina Frank mit ihrem Mann Felix Frank.
Daniel von Loeper 3 Prost! Kristina Frank mit ihrem Mann Felix Frank.
Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.
Irene Kleber 3 Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.
Wiesnchef Clemens Baumgärtner – ohne Lederhosen – mit Claudia Roth
Daniel von Loeper 3 Wiesnchef Clemens Baumgärtner – ohne Lederhosen – mit Claudia Roth

München - Zwei Schläge und der Zapfhahn steckt sicher im Fass. Dieter Reiter hat ja Routine. "Der erste Schluck Wiesnbier ist immer der beste", versichert Reiter in der Anzapfbox. Dabei trinkt Reiter, der immer gesundheitsbewusster geworden ist, dem Vernehmen nach ja eh kaum noch Bier.

Ganz anders als so mancher andere Politiker. Alles, was in der Stadtpolitik Rang und Namen hat, ist hoch in die Ratsboxe gekommen. Dass Reiter anzapfen kann ist bekannt, also kein Gesprächsthema mehr. Dafür genießt mancher die ungewohnte Aufmerksamkeit. Zum Beispiel die OB-Kandidatinnen von Grünen und CSU, beide ja noch mit lästigem Unbekanntheits-Problem.

Kristina Frank: "Nächstes Jahr schenke ich unten die erste Maß aus"

In königlichem Blau zeigt sich CSU-Frau Kristina Frank. Auf ihrem Dirndl der Schwabinger Herstellerin der "Münchner Dirndl" (offizieller Verkaufspreis: 849 Euro) sind typisch-münchnerische Motive zu sehen: ein Zamperl, die Frauenkirche, das Münchner Kindl. Kurz nach 12 steht vor Frank bereits eine frische Maß – alle anderen an ihrem Tisch sitzen noch auf dem Trockenen. Wie sie das geschafft hat? "Tjaaaa, gewusst wie!", ruft sie. Und fügt selbstbewusst hinzu: "Nächstes Jahr trinke ich nicht hier die erste Maß, sondern schenke unten die erste aus."

Prost! Kristina Frank mit ihrem Mann Felix Frank.
Prost! Kristina Frank mit ihrem Mann Felix Frank. © Daniel von Loeper

Selbstbewusstsein pur – so präsentiert sich auch Katrin Habenschaden, die Grünen-Kandidatin. Während Reiter ansticht, steht sie weit hinten in der Ratsboxe und unterhält sich. Was sie 2020 macht, am ersten Samstag? "Da hole ich den Schlegel raus", sagt Habenschaden bestimmt. Angezapft habe sie zwar noch nie, "aber das kann ja nicht so schwer sein, das haben schon ganz andere geschafft". An den zwei rappelvollen Wiesn-Tischen diesmal kaum Bundesprominenz, nur die ewige Claudia Roth (nach eigenen Angaben seit 2002 Stammgast) sitzt da. Die Grünen gehen davon aus, 2020 im Stadtrat deutlich stärker zu werden. "Unser Wahlziel ist klar", witzelt Habenschaden, "drei Wiesntische!"

 

Einstige Volksparteien suchen Nähe der Grünen

Wie sehr die einstigen Volksparteien die Nähe der Grünen suchen, lässt sich auch an diesem Samstag beobachten. Kürzlich hatte OB Dieter Reiter betont, wie viele Schnittmengen er mit den Ökos habe – und was für ein gutes Verhältnis zu Habenschaden. Die steht nun minutenlang mit CSU-Bürgermeister Manuel Pretzl direkt neben einem Journalistentisch und sie herzen und umarmen sich ausgiebig. Nanu? "Wir gehen auch regelmäßig zusammen essen", sagt Pretzl der AZ. Habenschaden klingt später etwas reservierter. "Wir verstehen uns ganz gut", sagt sie. Und schunkelt und tanzt mit ihren Parteifreunden.

Bei der SPD hingegen: wenig Feierlaune. Viele Plätze an den (noch) drei Tischen bleiben leer. Immerhin: Mit Neuzugang Marian Offman, mit Hut, ist ein frisches Gesicht da. Offman war bis vor Kurzem in der CSU – die Trennung haben offenbar beide Seiten noch nicht so richtig verkraftet. Langjährige Kollegen würdigen sich an diesem Samstag keines Blickes.

Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.
Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne.Einfach mal den Tisch der SPD geentert: Genossen sitzen ja eh keine da: Katrin Habenschaden, Grüne. © Irene Kleber

Wiesn-Chef Clemens Baumgärtner trägt keine Lederhose

Für einen CSU-Mann ist es ein ganz großer Tag: Clemens Baumgärtner, der neue Wiesn-Chef. Doch Baumgärtner trägt keine Lederhose! "Der Wiesn-Chef ist ein Verwaltungschef", sagt er, als die AZ ihn darauf anspricht. "Und das hier ist ein offizieller Termin, da finde ich die Lederhose nicht angemessen." Immerhin: Bürgermeister Pretzl versichert, er habe schon ein Foto von Baumgärtners neuer Lederhose gesehen. "Wir werden ihn noch darin sehen und es wird sehr gut aussehen."

Wiesnchef Clemens Baumgärtner – ohne Lederhosen – mit Claudia Roth
Wiesnchef Clemens Baumgärtner – ohne Lederhosen – mit Claudia Roth © Daniel von Loeper

Überhaupt: Der Trend bei den Konservativen geht offenbar weg von der Lederhose. Ein Großteil der CSU-Vorderen verzichtet heuer. Und auch Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger von den Freien Wählern. "Des muaß i ois Niederbayer ned zelebriern", sagt er. Immerhin: Aiwanger darf mit ein bisserl Rücksicht von den Kollegen rechnen in der Wiesn-Zeit. Anders als die Bundestagsabgerordneten, die stöhnen, dass eine Wiesn-Woche Sitzungswoche in Berlin ist. "Ich fühle mich als Bayer diskriminiert", sagt Michael Kuffer (CSU). "Auf den Karneval nehmen sie Rücksicht, aber während der Wiesn müssen wir arbeiten." Na Prost.

Alle Infos zum Oktoberfest lesen Sie in unseren Newsblog zur Wiesn 2019

O'zapft is! Die schönsten Bilder vom ersten Oktoberfest-Tag

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