Keine "kastrierte Wiesn" 2022: Entscheidung im April

Das große bayerische Volksfest ist offiziell abgesagt, aber Wirte laden von Samstag an zur Wirtshauswiesn und virtuellen Führungen ein. Nächstes Jahr will München wieder ein echtes Oktoberfest feiern.
| AZ/dpa
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Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München, nimmt an einer Pressekonferenz teil.
Dieter Reiter (SPD), Oberbürgermeister von München, nimmt an einer Pressekonferenz teil. © Peter Kneffel/dpa/Archivbild

München - Zum zweiten Mal ist das Oktoberfest wegen der Corona-Pandemie abgesagt - trotzdem heißt es in München am Samstag "Ozapft is". In vielen Wirtshäusern werden zum ursprünglich geplanten Wiesn-Start um 12.00 Uhr Bierfässer angestochen. In gut 50 Gaststätten laden Innenstadt- und Wiesnwirte für zwei Wochen bis 3. Oktober zur Wirtshauswiesn. Auch in anderen Kneipen wird es bei Musik, Wiesnbier und Tracht oktoberfestlich zugehen.

Reiter: "Es wird keine Wiesn für alle geben"

Dabei schauen viele schon hoffnungsfroh auf 2022. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) will "allerspätestens im April nächsten Jahres" über das Oktoberfest 2022 entscheiden. "Ich möchte auf jeden Fall, dass es in meiner Amtszeit bei zwei Wiesn-Absagen bleibt", sagte Reiter der Augsburger Allgemeinen (Samstag). Es gebe bereits Gespräche zur Umsetzung.

Reiter betonte, es werde keine Wiesn für alle geben. "Wenn sich jemand nicht testen oder impfen lassen will, dann wird er auch 2022 nicht aufs Oktoberfest gehen können", sagte Reiter der Zeitung. Es gebe dafür verschiedene denkbare Varianten, technische und personelle Kontrollen. In den Zelten werde es aber keine Beschränkungen geben können - "etwa dass Abstände eingehalten werden müssen, Maske getragen werden muss oder nur jede fünfte Bank belegt werden darf." Eine "kastrierte Wiesn" könne es nicht geben. "Das ist dann kein Oktoberfest. Bevor so etwas kommt, lassen wir es lieber sein."

Der Wirtschaftsreferent und Wiesnchef Clemens Baumgärtner (CSU) hält es tendenziell für möglich, dass das Oktoberfest mit Geimpften und Genesenen gefeiert werden könne - möglicherweise mit zusätzlichen Tests für die Besucher beider Gruppen.

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Normalerweise hätte Reiter um 12.00 Uhr im Schottenhamel-Zelt das Fest offiziell mit dem Ruf "Ozapft is" eröffnet. Nun wird das Anzapf-Zeremoniell in unterschiedlichster Weise zelebriert. Während im "Ayinger am Platzl" ganz traditionell der Chef des Hauses und Sprecher der Wiesnwirte, Peter Inselkammer, das erste Fass ansticht, schwingt ein paar Schritte weiter im Hofbräuhaus das Wiesnplaymate 2021, Vanessa Teske, den Schlegel - das Werkzeug zum Anzapfen.

Der Münchner Alt-Oberbürgermeister und frühere Anzapfkönig Christian Ude (SPD) wird im Schiller Bräu im Bahnhofsviertel ein Fass anstechen. Ude hatte als erster OB 2005 das traditionelle 200-Liter-Fass auf der Wiesn mit nur zwei Schlägen angezapft und den Rekord bis zum Ende seiner Amtszeit gehalten.

Corona-Testzelte statt Wiesn-Festzelte

Auf dem Oktoberfestgelände auf der Theresienwiese stehen erneut Corona-Testzelte anstatt Wiesn-Festzelte. Im Vorjahr hatten sich dort vereinzelte Wiesnfans in Tracht eingefunden - einige picknickten mit Cola-Mix und alkoholfreiem Radler unterhalb der Bavaria. Dieses Jahr gilt auf dem Gelände kein Alkoholverbot. "Wir haben das Vertrauen, dass diejenigen, die sich trotzdem auf der Wiesn einfinden, das unter Einhaltung der Hygienevorschriften tun", sagte Baumgärtner.

Zudem sind auf der Theresienwiese mehrere Demonstrationen geplant. Unter anderem will das Netzwerk Klimaherbst - analog zum Einzug der Wirte - einen "Wiesneinzug der Klimaheld*innen" feiern.

Neben Wiesnbier und Wirthauswiesn sollen übrigens auch virtuelle Wiesnführungen die Fans bei der Stange halten. Bei den Online-Touren über die Theresienwiese ist ein Wiesn-Experte dabei und beantwortet Fragen. Das wird mal Wiesnchef Baumgärtner, die Wirtesprecher Peter Inselkammer und Christian Schottenhamel, aber auch mal der legendäre "Schichtl" Manfred Schauer.

© dpa-infocom, dpa:210918-99-263852/4

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